bin ich dann weg?

kind I redet seit tagen vom tod. ich weiss nicht woran es liegt, vielleicht fiel was darüber im kindergarten, vielleicht spürt er den herbst mit seinem sich zurückziehen und sterben – ich weiss es nicht, aber es ist ein thema. nicht das erste mal. bisher kam das thema zur sprache wenn er zb ein totes tier sah und fragte was mit dem jetzt sei. da fiel es mir leicht zu erklären – es ist tot und wir müssen alle mal gehen. nicht lange rumlavieren, tot ist tot und aus. er nahm das gut auf und war zufrieden mit der erklärung.

nun aber fasst er den kreis weiter. ihn beschäftigt, dass auch menschen sterben können. gestern im auto fragte er mich, was eigentlich sei wenn jemand stirbt. ich antwortete, dass das eine sehr traurige sache sei, weil derjenige nicht mehr wiederkäme. er wäre einfach weg und wir, die wir da bleiben, würde das sehr traurig machen. „und wenn ich sterbe?“ und mir schiessen die tränen in die augen, ich kann mich überhaupt nicht dagegen wehren und ich drehe mich kurz um und sehe sein erschrockenes kleines gesichtchen und muss anhalten. zum einen, weil ich nichts sehe durch die tränen zum anderen, weil ich ihn ansehen möchte, wenn ich ihm auf so eine frage antworte. ich sage ihm, dass das schrecklich wäre und wir alle unendlich traurig wären – so traurig, dass ich sogar jetzt schon kniepern muss. er beobachtet mich und sagt nichts dazu. irgendwann schiebt er seine hand in meine und das ist wohl seine antwort.

und als wir später ins haus gehen, sehe ich ihn an und bin fassungslos, mit was für gedanken sich so ein kleines kind schon beschäftigt. was er da in seinem kleinen köpfchen umherwälzt an ängsten, gefühlen, fragen, sorgen, empfindungen und vorallem für ihn unerklärlichen und ungeklärten fragen. das ist wirklich eine echte hochleistung von kindern – das kennenlernen und begreifen dieser welt. jeden tag aufs neue was lernen. jeden tag sich neu auseinandersetzen. jeden tag neu konfrontieren.

das muss man sich mal vor augen führen.

16 Antworten zu „bin ich dann weg?“


  1. 1 Bianca 23. Oktober 2009 um 08:04

    Kind 4 redet auch ständig vom Tod. Allerdings sehr emotionslos, als ginge es um Brückenkonstruktionen und Nanotechnik. Also eher die sachliche Ebene. Und um ihn nicht ins Wanken und Schwanken zu bringen, bleibe ich ebenfalls sachlich.
    Ist ja eigentlich auch das natürlichste von der Welt….sterben….eigentlich…

  2. 2 yvanzwie 23. Oktober 2009 um 08:40

    Ich finde es auch immer sehr erstaunlich welche Gedanken sich Kinder zu diesem Thema schon machen. Aber ich habe mir über den Tod auch schon sehr früh Gedanken gemacht, und unsere Tochter tut das auch.
    Sicher auch weil wir öfter auf dem Friedhof sind, meine Mutter hat sie leider nicht mehr kennen lernen dürfen, und das tut mir unglaublich weh. Das kommen auch Fragen wie: Warum ist sie gestorben? Warum lebt Opa noch? Wann stirbst du? Wann sterbe ich? Wie alt sind wir dann? Was passiert dann?
    Ich versuche es mit Gott zu erklären. Das wir dann bei Gott sein und es dort sicher sehr schön ist.
    Irgenwann im Bett kam dann die Frage: Wenn du dann tod und bei Gott bist und ich später sterbe, wie finde ich dich dann, es sind doch schon so viele Menschen tod. Unter Tränen habe ich ihr erklärt das sie sich gar keine Gedanken darüber machen muss. Ich werde sie finden, Mamas finden ihre Kinder immer.
    Mein Opa ist vor 2 Jahren gestorben. Sie weiss noch genau wer es war, kam einmal weinend mit einem Foto von ihm an, weil sie so traurig ist, das sie ihn nicht mehr sehen kann, das er für uns weg ist.
    Auf dem Friedhof spricht zu beiden immer ein paar leise Worte, wenn ich frage wiederholt sie es nochmal für mich: Schade das ich dich nicht kenne, du warst sicher eine ganz liebe Oma. Oder, lieber Opa, du hast mir immer Schokolade gegeben, ich hoffe es geht dir gut wo du jetzt bist.
    Das ist so traurig, gehört aber zum Leben dazu.

  3. 3 feronia 23. Oktober 2009 um 09:59

    Oh ja, das Thema kenne ich auch und es hinterlässt immer ein ganz komisches Gefühl. Letztens beim Laufrad fahren: „Mama, ich muss gaaanz vorischtig fahren, weil wenn ich auf die Straße fahre und da ein Auto ist, dann bin ich keine Emilie mehr!“ Völlig trocken und ich muss auch erstmal schlucken.

    Noch besser: Freundin zu Besuch, die Mädels spielen. Auf die Frage was, die einfache Antwort: Vater, Mutter, Kind. „Ah, und du bist der Papa?“ „Ooooh, NEIN, der KATER!Der Papa ist TOOOOT“.

  4. 4 Garfieldine 23. Oktober 2009 um 11:18

    Es gibt von der Sendung mit der Maus diese wunderbare Geschichte. Sie heißt auch so, die Geschichte von Katharina.

    Ich habe sie als Kind gesehen und später auch noch mal als Jugendliche. Ich war sehr beeindruckt. Es wird auch ein Foto von der Toten Katharina gezeigt.

    Ich wollte als mein Stiefvater starb meinen Nichten und Neffen die Geschichte zeigen. Leider gibt es sie nicht für den privaten gebrauch…

    Wer mehr darüber lesen mag, der schau doch hier:
    http://www.dvd-complett.de/die-maus-und-der-tod.html
    oder hier kann man ein Buch dazu kaufen:
    http://www.amazon.de/Die-Geschichte-Katharina-Sendung-Maus/dp/3802525809

  5. 5 pampashase 23. Oktober 2009 um 13:18

    …weil ich da auch gleich Tränen in den Augen habe!

    Mein Sohn, als er ca. sechs war, hatte seiner Oma den Platz unter seinem Hochbett angeboten. Damit sie nicht auf den Friedhof muss, wenn sie dann mal gestorben ist.

    Meine Mutter meinte dann nur locker: „Dann fang ich ja an zu stinken!“ (ähmm, wir sind da nicht so in unserer Familie)

    Darauf meinte mein Sohn nur ganz cool: „Das macht nichts, Oma, ich wasche dann deine Knochen!“ Ein total liebes Angebot, weil der fleißigste war er zu dem Zeitpunkt nicht…*g

    Erklärung: Er war kurz vorher im Naturkundemuseum gewesen und hatte da ganz fasziniert die Dinosaurierknochen bewundert.

    Wenn man das mit dem Museum nicht weiß, hört sich das vielleicht seltsam an, aber wenn man es weiß, sieht man wie „gradlinig“ Kinder oft denken…was oft sehr unterhaltsam ist.

  6. 6 schrecklichschoenesleben 23. Oktober 2009 um 13:35

    Kniepkniep. Hab da was im Auge.

    Ich kann mich auch daran erinnern, dass mich dieses Thema frühzeitig beschäftigt hat.
    Konnte irgendwie am Anfang nicht so recht begreifen, dass jemand der stirbt, nicht mehr da ist.
    Dann starb jemand.

    Nun, Kinder schnappen einfach sehr viel auf und stellen die eigenartigsten Fragen. Ich finde, Du hast toll reagiert. Authentisch. Das ist eine wichtige Lektion. Es gibt viel Kummer im Laufe eines Lebens zu verpacken.

  7. 7 Anne 23. Oktober 2009 um 14:15

    Die Maus-Sendung kenne ich nicht, wohl aber die preisgekrönte Folge „Wie ist das mit dem Tod“ vom Willi-wills-wissen-Team (bei a.ma.zon z.B. als DVD erhältlich). Sehr empfehlenswert (offiziell ab 6, aber Sie können ja erst allein gucken und dann entscheiden). Der Willi geht wirklich behutsam und doch sachlich-klar mit dem Thema um, bis hin zur Frage „und was ist danach?“ (Dialog mit Pastoralreferent, aber keine Festlegung auf eine Kirchen-Meinung).

  8. 8 Tamar 23. Oktober 2009 um 14:16

    Unsere Tochter sieht die ganze Sache nicht so dramatisch. „Mama, darf ich das T-Shirt haben, wenn du mal gestorben bist?“, fragt sie mich jeweils, wenn ich in ihren Augen besonders schön angezogen bin. Worauf ich jeweils fast in Tränen ausbreche, weil ich, im Gegensatz zu ihr, die Sache sehr dramatisch sehe.

  9. 9 Alexandra 23. Oktober 2009 um 14:24

    Unsere Töchter – 10 und 13 – teilen in größeren Abständen beim Frühstück ihr Erbe untereinander auf. Unnötig zu sagen, dass für mich das Frühstück dann beendet ist…? Auf die sehr emotionale Phase folgt also irgendwann eine eher abgeklärte – ob ich das wirklich besser finde, wage ich nicht zu sagen… ;-)

  10. 10 rebis 23. Oktober 2009 um 15:24

    Ich glaube und habe es schon einige Male erlebt, dass Kinder mit dem Thema Tod sehr viel natürlicher umgehen als wir Erwachsene.

    Tod ist hierzulande ein Tabu-Thema , es wird nicht berührt, man schiebt es hinaus, man nennt alte Menschen Senioren, welche idealerweise immer noch mobil-fidel sind und voll im Leben stehen. Alter und Sterben, und um so mehr ein Sterben vor der Zeit, ist für uns alle mit Angst, mit dem Schrecklichsten schlechthin verbunden.
    Nach dem Verlust eines Nächsten müssen Trauernde nicht nur den Schmerz verarbeiten, sondern auch noch die ungeduldige Frage der Umwelt, ob es denn jetzt „wieder gut“ sei. (Nein, es ist nie „wieder gut“. Das wissen wir eigentlich alle. Warum wird dann diese Frage gestellt?)

    Es gibt Länder, in denen der Tod alltäglich präsent ist – wegen Krieg, Armut etc. Vermutlich ist er dort viel natürlicher im Bewusstsein der Menschen verankert. Weil er eben Teil des Lebens ist. Dort gibt es mehr Rituale, mehr Begleitung in der Trauer, mehr Einbindung des Todes ins Weiterleben. Und vermutlich mehr Vorbereitung auf die Endgültigkeit des Abschiedes.

    Unsere Kinder wissen noch nicht, dass wir über dieses Thema kaum sprechen, kaum je nachdenken. Sie fragen einfach – und ich finde das wunderbar. Ich bin dankbar für jedes Gespräch, das ich mit meinem Sohn darüber führen durfte. (Meine Tochter ist noch nicht so alt.) Vielleicht empfinde ich es auch im Moment so stark, weil mich der Tod eines Kindes in unserer Nähe wachgerüttelt hat.

    Ja, worüber haben wir gesprochen? – Dass jeder von uns vielleicht morgen sterben kann. Dass man sich deswegen immer richtig verabschieden sollte, immer gleich das sagen, was man einander sagen möchte, dass man jeden Tag schöne Dinge tun sollte. Natürlich auch über Schmerz und Tränen und die Angst vor dem Verlust habe ich mit ihm geredet, aber vor allem hat es sich immer irgendwie ergeben, dass jeder dieser Gedanken auf eine Dankbarkeit für´s Leben hinausläuft. Für jeden einzelnen Tag. So etwa.

    Und übrigens finde ich, dass wir ruhig vor unseren Kindern oder mit ihnen zusammen weinen dürfen. Weil jemand gestorben ist, oder weil wir es uns eben nur vorstellen. Alles, was authentisch aus uns kommt, ist richtig für die Kinder, kann nicht zu viel, zu schwer sein. Nur wegschieben, verdrängen, schweigen und übertönen mit anderen Themen – das empfinde ich als falsch. Die Kinder tragen diese Fragen mit sich herum. Und wir ja eigentlich auch, wenn wir ganz ehrlich sind, oder?
    (Ach, es gäbe noch so viel dazu zu sagen.)

    Liebe Grüße
    Uta

  11. 11 ichbinimmerich 23. Oktober 2009 um 16:58

    Hier auch,…

    …und wenn Du dann schon stirbst Mama und Deine Seele in den Himmel geht, kann ich dann wenigstens Deine Knochen haben?? (verzieht das Gesicht, die Unterlippe zittert, die Augen werden glasig) ,… BITTE MAMA, BITTE SAG JA MAMA, ich möchte doch wenigstens Deine Knochen bei mir haben… (weint herzerweichend los)

  12. 12 Simone 23. Oktober 2009 um 18:35

    Ein Kind, das ich ab und zu bei mir ist, hat mich irgendwann mal ausgequetscht… was macht deine Mama, was deine Oma, was dein Opa, was dein Papa.
    Bei Papa angekommen kam ich in Erklärungsnot, anlügen mochte ich sie aber auch nicht und habe versucht, das irgendwie kindgerecht für eine Dreijährige zu verpacken. Sie fragte ein wenig nach und schien das danach akzeptiert und abgehakt zu haben, sie fand es nicht beängstigend, eher interessant.
    Und doch, manchmal fragt sie mich aus heiterem Himmel danach, einfach so, als bräuchte sie noch mal die Bestätigung, dass ich wirklich keinen Papa mehr habe, wo doch alle um sie herum einen haben.
    Irgendwo in der kleinen Kinderseele arbeitet es weiter, unbewusst.

  13. 13 Svenja 23. Oktober 2009 um 19:29

    Als Kind hatte ich wahnsinnige Angst vor dem Tod. Ich war ungefähr in Bens Alter und hab meinen Eltern immer einen riesen Schreck eingejagt wenn ich nachts vor deren Bett stand und sagte „Ich will nicht sterben“ Ich weiß auch noch genau wie sich das anfühlt und es ist vergleichbar mit anderen Gefühlen die ich in meinem „Erwachsenen“-Leben habe. Wie auch immer, meine Eltern waren da sicher nicht so pädagogisch wie du, und bei ihnen hat die Angst dass was mit mir nicht stimmt sich einfach auf mich übertragen.
    Aber bei Ben ist das ja zum Glück was anderes. Vielleicht hätte ich als Kind auch mal fragen sollen statt gleich Panik zu schieben ;)
    Liebe Grüße,
    Svenja

  14. 14 Wolfram 24. Oktober 2009 um 08:30

    Das Sterben gehört zum Leben – es ist sogar ziemlich das einzige, was daran sicher ist… und nichts ist so endgültig.

    Jeglicher Umgang mit dem Thema Sterben führt uns vor Augen, daß wir auch sterblich sind, und das verunsichert. Kinder haben oft einen recht unbefangenen Umgang damit: man kommt in die Welt, man geht auch wieder – und gut ist. Den Trennungsschmerz können sie vielleicht noch nicht ermessen, und es ist für sie vielleicht noch natürlich, daß ihr Leben nicht unendlich ist: schließlich hören sie ständig von Zeiten, als sie noch nicht da waren, sie hören auch, daß Menschen irgendwann nicht mehr da sind, also ist das normal.

    „So ihr nicht werdet wie die kleinen Kinder, werdet ihr das alles nicht empfangen können“…

  15. 15 Steffie 28. Oktober 2009 um 17:15

    „Man kommt in die Welt, man geht auch wieder – und gut ist“-nunja…

    Ich hatte auch so eine Phase, als ich noch relativ klein war (5/6 Jahre?). Abends im Bett kamen diese Gedanken, dass jeder sterben wird, Mama und Papa und ich dann ja auch. Das war für mich unerträglich, richtig schlimm. Mein Vater hat mich dann mal ganz explizit auf den Schoß genommen und mir sehr ausführlich aber bestimmt erklärt, wie das so ist, dass jeder sterben wird, das aber auch noch lange nicht so weit ist und schon gar nicht bei mir und wir alle noch viel Spaß am Zusammen-Leben haben werden. So. Und was soll ich sagen – es war danach besser.

    Ich kann sagen, dass ich schon immer ein Mensch war – auch schon als Kind – der sich sehr, sehr viele Sorgen und Gedanken gemacht hat. Andererseits habe ich das auch schon von Freunden genauso gehört; vielleicht doch auch eine Sache, durch die Kinder so oder so mal durch müssen, je nach Gemüt. Auf jeden Fall: drüber sprechen machts besser.

  16. 16 lexa 5. November 2009 um 18:00

    Ich hab früher mir mal gedanken gemacht wie es nach dem Tod ist und ich hatte panische Angst davor nicht mehr da zu sein, nicht mehr denken zu können. Dann hab ich gedacht das ich ja vieleicht unsterblich bin und danach im himmel wohn, aber das hat mir noch viel mehr Angst gemacht hat weil ich dachte alles muss ein Ende haben. da war ich so 7 Jahre alt. Dann hat mein Vater meine Hand auf sein Herz gelegt und mich damit beruhigt, dass ich irgendwann wissen werde wie ds so ist.


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