ich habs nicht so mit abschieden. egal von wem oder was ich mich verabschieden muss - in der regel versuche ich es zu vermeiden. gelingt mir das nicht werde ich innerlich stocksteif und reiss mich zusammen um dann zu einem späteren zeitpunkt erstmal ein ströphchen zu heulen. es dauert oft lange, bis ich es schaffe mich zu berappeln. der blick auf das schöne was war und auch der blick auf das schöne was vielleicht wird – der geht mir in diesen momenten völlig ab.
gestern abend hat es mich wieder erwischt. ich sitze hinterm steuer auf dem heimweg vom salzburger flughafen und bin ohnehin schon abschiedsgebeutelt. der himmel ist wolkenzerfetzt, abendrot durchflutet und mein blick schweift über die landschaft. und hätte ich es nicht schon vor ein paar tagen gemerkt, dann doch spätestens da beim anblick der nebelbänke in den senken und tälern und den hauchzart verfärbten bäumen. der herbst ist da. noch ist es schwül heiss tagsüber, bei uns in der wohnung sowieso. baden waren wir auch die tage mehrfach und eis schlecken geht auch noch prima. aber es gibt eben auch diese kippen, die luft riecht gegen abend erdig. das grün der blätter, das den sommer über so strahlend grün war, bricht. es verliert diesen sommerglanz. der nebel kommt, nachts ist es ziemlich kühl – schlicht: der herbst ist da.
und mit ihm geht der sommer meines lebens. diesen sommer, kein mensch weiss warum, habe ich mehr und intensiver gelebt als jeden anderen sommer in meiner erinnerung. soviele menschen die mich besucht haben, die ich besucht habe. begegnungen die so wunderschön, spannend, bereichernd, traurig, wichtig waren – ans herz und in die seele gingen. ria, meine seelenfreundin, mein großer bruder, mein vater, meine mutter, mein kleiner bruder. egal wie lange sie dauerten - gefühlt waren immer alle zu kurz. ich habe diesen sommer so viele wichtige und gute gespräche geführt und mich und die menschen die mir so wichtig sind besser kennengelernt. ich war viel draussen, ich war oft am see mit den kindern, ich habe mich bei einigen dingen überwunden und bin belohnt worden, ich - wir - haben unglaublich viel mit den kindern unternommen.
vielleicht liegt es daran, dass ich irgendwann losgelassen habe – ein zustand, dessen häufigkeit ich in meinem leben vielleicht an einer hand abzählen kann. dass ich die vorstellungen, wie man freie zeit verbringen sollte einfach habe fallen lassen. dass ich mich habe fallen und treiben lassen. und geöffnet habe für das was kommt – weg von verpflichtung, erwartung und rechtfertigung. und was mir im moment ein bisschen das herz schwer macht ist die vorstellung, dass sich jetzt mit dem herbst die zeit wieder hin zu verpflichtung, erwartung und auch rechtfertigung dreht. ich habe angst vor diesem korsett von dem ich weiss, dass es mich oft zu erdrücken droht und aus dem ich mich nicht befreien kann – weil letztendlich ich es bin, die es sich immer wieder selber umschnallt oder umschnallen lässt.
und ich frage mich, wie ich die leichtigkeit des sommers mitnehmen kann. wie ich es schaffen kann, gerade in den ganzen neuen situationen die zu beginn des nächsten monats auf mich zukommen, loszulassen und mich zu entspannen. das korsett abzulegen, so wie ich es diesen sommer geschafft habe. und nicht zu verharren in dem was im moment ist, sondern (auch) zu schöpfen aus dem vielen schönen was war und mich zu freuen auf das viele schöne was kommen wird.
der sommer war so reich und ich bin von ganzem, ganzem herzen dankbar dafür.
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