betteln

ich komme eben vom einkaufen zurück. ich bin in einer stunde an drei bettelnden menschen vorbeigegangen. ohne geld zu geben. und jedesmal komme ich mir dabei vor, wie der letzte sozialarsch. der eigene geldbeutel voll und ich geb nichts ab. ich habe aber eine ziemlich klare meinung zum thema betteln, die nur eben jedesmal zu wanken scheint, wenn ich an bettelnden vorbei laufe.

wie handhabt ihr das? sollte man was geben? oder bettelei grundsätzlich nicht unterstützen?

111 Antworten zu „betteln“


  1. 1 kittynn 1. Juli 2009 um 12:38

    Ich kaufe mir einmal im Monat den Augustin (augustin.or.at) – „Erste österreichischen Boulevardzeitung, die von Obdachlosen geschrieben und vertrieben wird.“
    Wenn ich sehr gute Laune habe und nicht selbst knapp bei Kasse bin, bekommt auch schon mal ein Straßenmusikant etwas.

  2. 2 Praline 1. Juli 2009 um 13:03

    Ich bin in der Nachkriegszeit groß geworden, als es wirklich noch viele arme und gebeutelte Menschen gab und ein nichtfunktionierendes, bzw. ein mit heute nicht zu vergleichendes Sozialsystem gab. Von der „Wohlfahrt“ zu leben galt als ein Stigma, was wirklich nur von den Verzweifelsten angenommen wurde. So war es für mich selbstverständlich zu geben. Meine Familie lebte mir das vor. Als meine Großmutter starb, fanden wir noch Unmengen Kriegsblinden-Kernseife, kitschigste Postkarten (mit dem Munde oder Fuße gemalt) und ähnliches.

    So habe ich sehr lange gegeben und auch gespendet. Inzischen aber, aufgeklärt (?) durch Medien, gebe ich eigentlich nur noch den Mitarbeitern vom Zirkus etwas, aber mehr, weil mir die Tiere leid tun, die sich ihr Schicksal nicht ausgesucht haben und sich nicht selbst helfen können.

    Aber, ich gebe zu, ein unbehagliches Gefühl bleibt, wenn ich nicht gebe, und ich fürchte die MIßbilligung meiner Großmutter dort oben! Ich führe mir dann aber immer vor Augen, da bei uns jede Hilfe angeboten wird und wirklich keiner obdachlos sein muß und Hartz IV kein Luxusleben ermöglicht, aber damit jeder zumindest versorgt ist.

    • 3 Christian Severin 1. Juli 2009 um 17:12

      Meine Zirkus-Verwandten regen sich immer tierisch auf (sorry…) über diese Fußgängerzonenbettler mit Kamel an der Leine: „Ein Automechaniker stellt sich ja auch nicht an die Ecke und sagt: Ich bin schlecht, bitte gib mir Geld!“ Es ist harte Arbeit, einen Zirkus Jahr für Jahr einigermaßen über die Runden zu bringen, aber es geht. Wenn eine Kompagnie es nicht schafft, dann sollte sie Zelt und Tiere verkaufen und sich rechtzeitig auflösen, bevor den Kamelen die Rippen aus dem Fell gucken.

      Aber heutzutage können ja sogar Banken betteln gehen…

      • 4 amidelanuit 1. Juli 2009 um 17:51

        du hast zirkusverwandte?? ist ja spannend! erzählst du da mal mehr drüber?

        • 5 Christian Severin 2. Juli 2009 um 18:28

          Im näheren Verwandschaftskreis habe ich einerseits Zirkus- und sonstige Artisten, andererseits Berufsoffiziere, dritterseits Beinahe-Obdachlose und vierterseits Universitätsdozenten und Schulleiter. Das produzierende Gewerbe ist ein wenig unterrepräsentiert, aber ansonsten kriegen wir durchaus eine bunte Mischung um den Weihnachtsbaum.

  3. 6 Claudia 1. Juli 2009 um 13:04

    Ich kaufe manchmal die Obdachlosenzeitung. Und kann mir auch vorstellen, bei dem „Holzarbeiter“, der kleine Figuren erstellt, zu kaufen. Und ich vermute, wenn die Tochter größer ist, bekommt auch mancher Musiker was. ;-) Aber „nur“ auf der Straße sitzenden Menschen gebe ich nichts.

  4. 7 kappawolff 1. Juli 2009 um 13:14

    Ich mache das nicht. Zum einen eben wegen der Berichte in den Medien, dann habe ich auch selbst mal gesehen, wie Bettler in ein dickes Auto stiegen und fortfuhren, oder sie haben echt teure Schuhe an. Und dann denke ich mir, ob ich da nicht irgendeine Sucht finanziere.. dann würde ich lieber was zu essen geben, Tüte Brötchen oder so.

    Was anderes ist es, wenn jemand Musik macht. Sohnemann lauscht immer sehr lange und fasziniert, und dann darf und möchte er auch einen Euro geben.

    Lieben Gruss
    Corinna

  5. 8 chilldogg 1. Juli 2009 um 13:19

    Eigentlich gebe ich grundsätzlich auch nichts. Das funktioniert allerdings nur so lange, bis neben der bettelnden Person ein Hund liegt. Dann kann ich einfach nicht anders und muss was geben..

  6. 11 Puppe 1. Juli 2009 um 13:25

    Ich gebe oftmals auch nichts. In Berlin wäre man aber auch bereits nach einem Tag blank, wenn man jedem Bettelnden was zustecken würde. In der Bahn geb ich manchmal Musikern was.
    Einmal war eine Frau in der Bahn, die Gedichte aufgesagt hat. Das fand ich gut und ich wollte ihr Geld geben. Plötzlich fing sie an, uns alle als Abschaum zu beschimpfen, weil wir ein Leben, einen Job u.s.w. haben. Nun ja…mein Geld habe ich daraufhin wieder eingesteckt.

  7. 12 ivar 1. Juli 2009 um 13:47

    Schwieriges Thema. In München gibt (gab?) es z.B. einige Clochards, die ihren Stammplatz in der Durchfahrt unter dem alten Rathaus hatten. Mein Studentenjob führte mich da oft vorbei, und irgendwie „kannte“ man sich durch Blickkontakt. Da habe ich manchmal ein paar Brezen gekauft und hingelegt.
    Eine Weile habe ich einmal in einer italienischen Großstadt gelebt, wo das Betteln ja eine regelrechte Industrie ist. Ein Mädchen hatte ihren „Stammplatz“ an den Fahrkartenautomaten am Bahnhof, wo sie partout darauf bestand, beim Kartenkauf zu „helfen“, umringt von drei bis vier wuseligen Geschwistern. Ich hatte immer Angst um mein Portemonnaie und habe sie mehrmals mit viel Nachdruck weggeschickt, woraufhin sie mit mitleidheischendem Gesichtsausdruck so tat, als ob sie taub wäre. Komischerweise traf ich einmal auch im Supermarkt auf sie, wo sie sich laut hörbar mit ihrer Sippe unterhielt. Seit dieser Zeit habe ich eine generelle „Allergie“ gegen Bettler.
    Wahrscheinlich kann das Mädchen nichts dafür, dass es so lebt, aber ich bin der festen Meinung, dass man solche Strukturen nicht festigen sollte. Es gibt genug andere Möglichkeiten, sich karitativ zu betätigen (z.B. Kleiderspenden für Diakonia…).

    • 13 amidelanuit 1. Juli 2009 um 14:00

      die masche aus italien kenne ich auch….fürchterlich. ehrlich.

      • 14 Christian Severin 1. Juli 2009 um 17:15

        Mir hat ein Bettler in San Francisco mal sehr kompetent am Fahrkartenautomaten geholfen. Der hat sich seine paar Quarter auch verdient mit der Dienstleistung.

        • 15 ivar 1. Juli 2009 um 23:21

          Ja, wenn man wirklich Hilfe gebrauchen kann und das sozusagen auf Gegenseitigkeit beruht, wäre das für mich völlig ok, und ich hätte kein Problem, auch von einem Bettler Hilfe anzunehmen – diese spezifische italienische Situation ist aber wirklich eine andere. Man wird regelrecht vom Automaten abgedrängt, kann am Ende froh sein, wenn kein falsches Ticket rauskommt, und dann werden fünf Euro verlangt. Standardmäßig. Und auch wenn man keineswegs desorientiert aussieht.
          Ganz bestimmt ist es für die Kinder, die das machen, kein leichtes Leben. Aber, call me hartherzig: Auf sowas lasse ich mich nicht ein. Vielleicht hat das sogar auch mit Respekt zu tun: Wenn ich den Bettler als mein Gegenüber wahrnehme, dann kann ich auch verlangen, dass keine solch offensichtlichen Spielchen gespielt werden. (Das trifft jetzt natürlich nur dieses und vergleichbar krasse Beispiele, schon klar…)

  8. 16 Lilith 1. Juli 2009 um 14:01

    Ich gebe bei nur sitzenden/knienden Menschen auch nichts. Ganz aufdringlich finde ich auch diese Menschen in der U-Bahn, die ihren Mitleidsspruch aufsagen.
    Bei Musikern gebe ich sehr gerne was. Und gerne auch nicht nur Centstücke, wenn mir die Musik sehr gut gefällt. Meine Schwester hat das zur Aufbesserung Ihres Taschengeldes auch mal in der Fußgängerzone gemacht (und um wahrscheinlich mal vor Publikum zu spielen ;-)) Wobei mir hier bei den Musikern gerade auch noch eine Einschränkung einfällt: Musiker im Biergarten, die aufdringlich neben einem stehen, laut ins Ohr trompeten und erst verschwinden, wenn man Geld rausrückt. Das finde ich sehr unverschämt…

  9. 17 amidelanuit 1. Juli 2009 um 14:02

    ich sehe schon, ich bin gar kein so großer sozialarsch:) ich würde auch manchmal gerne einfach ein paar brezn oder leberkässemmeln hinlegen. aber wie gehe ich das an? ungefragt? gefragt? die sache mit den obdachlosenzeitungen finde ich klasse – das habe ich in köln als ich dort wohnte so gemacht. das gibts hier aber nicht.

    • 18 ivar 1. Juli 2009 um 14:07

      Also, ich hab das immer ungefragt im Vorbeigehen gemacht und bin auch nicht lange stehen geblieben oder so. Meine Mutter meinte zwar mal, die würden mich bestimmt auslachen, weil sie einfach Geld wollen und keine warmen Brezen, aber speziell bei denen hatte ich das Gefühl, das passt schon. Nicht, dass die halb am Verhungern wären – aber jeder würde sich doch über eine kleine Aufmerksamkeit freuen, und so kam das auch an, glaube ich. Und selbst wenn nicht, hab ich auch nicht viel verloren.

    • 19 Praline 1. Juli 2009 um 14:27

      Nun, den Bettlern Leberkässemmeln oder ähnliches zu bringen ist auch eine zweischneidige Angelegenheit. Wieviele Semmeln pro Stunde verträgt ein hungriger Bettlermagen? Und wenn man vorher fragt, wird man vermutlich keine ehrliche Antwort erhalten.

      Die Idee, eine Obdachlosenzeitung zu kaufen, habe ich nur einmal umgesetzt. Dann ging es mir wie Ihnen Frau Ami in Ihrem letzten Beitrag über Ihre Assoziationen beim Berühren von Zeitungen in dermatologischen Praxen.

      • 20 ivar 1. Juli 2009 um 14:57

        Ach, ich bin mir eigentlich sicher, dass da im Endeffekt keiner überfüttert wird, insgesamt gesehen.
        Die Verkäufer der Obdachlosenzeitungen sehen (zumindest hier) eigentlich immer sehr manierlich aus.

        • 21 Praline 1. Juli 2009 um 15:38

          Hm, wenn ich so bedenke, wie viele vermeintliche „Herren“ sich nach dem Gang zum Klo nicht die Hände waschen, dann unterstelle ich den Obdachlosen nicht zwingendermaßen einen Waschzwang.

  10. 22 agichan 1. Juli 2009 um 14:08

    auf meine mutter ist mal ein mädchen zugegangen, welches sie um 10euro bat, da man ihr in dieser stadt den geldbeutel geklaut hätte und sie nun weder fahrkarte noch geld zum telefonieren/neue fahrkarte hätte. meine mutter gab dem mädel das geld. klar, man wird so jemanden ja nicht im stich lassen. paar wochen später traf sie das mädchen wieder. sie stand wieder am bahnhof und bat meine mutter ihr 10euro zu geben, das man ihr in dieser stadt uswusf. ähm ja.

    und wenn ich jemanden auf der straße betteln sehe, der genüsslich an ner kippe zieht, da bekomm ich echt nen hals.

    ich kann nicht beurteilen, ob der bettler wirklich in einer aussichslosen lage ist und das geld für wasser und brot sammelt. wegen der vielen schwarzen schafe, gehe ich sicher auch mal an so einem menschen vorbei. und da drückt dann in der tat das schlechte gewissen.
    ist es denn wirklich so? müsste niemand auf der straße leben? warum tun es dann so viele? was „hält“ sie denn dann bitte auf der straße, wenn vater staat doch so spendabel ist?

    • 23 ivar 1. Juli 2009 um 14:33

      Daran, dass ich glaube, dass Vater Staat so „spendabel“ sei, liegt’s bei mir sicher nicht, dass ich nichts gebe. Ich glaube aber tatsächlich, dass rein ökonomisch kaum jemand auf der Straße leben müsste, aber manchmal kommen da Sozialphobien oder Ähnliches dazu, wobei man Hilfe bräuchte. Und genau deswegen finde ich es falsch, „einfach“ ein bisschen Geld zu geben, damit die Leute sich über den nächsten Tag retten. Es gibt Einrichtungen, von der Suppenküche und Bahnhofsmission angefangen, die da wesentlich ganzheitlicher ansetzen können. Ich erwähnte schon vorher „diakonia“, das ist ein Projekt der Inneren Mission, und obwohl ich normalerweise eine Kirchenskeptikerin bin, halte ich das für eine rundum sinnvolle Sache: „diakonia“ betreibt einen Secondhandladen und eine Schneiderei, wo Leute gezielt wieder in Arbeit gebracht werden, und der günstige Verkauf gebrauchter, aufgebesserter Kleidung ist ökologisch und sozial eine ideale Verwertungsmöglichkeit. Lieber spende ich da regelmäßig meine Fehlkäufe und Schrankhüter, und möglicherweise würden sie auch Geld nehmen. (Sorry, führte jetzt weit, aber fiel mir gerade als ideales Beispiel ein…)

  11. 24 KleinesF 1. Juli 2009 um 14:20

    Ich brülle immer „geh arbeiten!“.

  12. 26 Mitlesende Stille 1. Juli 2009 um 14:25

    Hallo, will mich nur kurz zum Thema Hund auf der Straße einklinken, so als bloglose Leserin ;-).
    Also ich habe Leuten, die mit Hund auf der Straße sitzen, schon in der nächsten Drogerie einfach ein paar Schalen Hundefutter geholt und abgegeben, bisher haben die sich immer sehr gefreut. Der Zweibeiner bekam in dem Fall dann nix oder was kleines zu Essen, war nie einer mäkelig ;-). Finde halt grade die Futterschalen in dem Fall praktisch, kann der Hund direkt draus futtern und ist jederzeit ohne Hilfsmittel zu öffnen. (Das klappt natürlich nur, wenn auch eine Drogerie oder ähnliches in der Nähe ist, aber wenn das so ist, hat sich die Methode für mich bewährt.)
    Bloglose Grüße ;-).

  13. 27 Steffi 1. Juli 2009 um 14:25

    Ich geb´das auch nichts.
    Lediglich bei der Obdachlosenzeitung, die es hier gibt und verkauft wird zahle ich immer üppig mehr. Da denke ich mir, dass die Verkäufer das irgendwie verdient haben für die ganze Rumsteherei.
    Bei guten Straßenmusikern gebe ich auch gerne was.

  14. 28 ichbinimmerich 1. Juli 2009 um 14:27

    Wenn ich Bettler sehe, kaufe ich eine Tüte Brezn und verteile die.
    Einmal bin ich auf einen Bettler gestossen, der ein Schuld in der Hand hatte auf dem „ich habe Hunger“ drauf stand. Als ich mit der Breze ankam hat er ziemlich doof geschaut, sich dann aber gefreut und angefangen zu kauen.

    Damit fühle ich mich wohl, falls der oder die wirklich kein Geld haben sollte, dann habe ich ihm/ihr was Gutes getan und falls er/sie Geld haben sollte, dann habe ich zumindest nicht zu den goldenen Beschlägen im Bad beigetragen…

  15. 29 zimtapfel 1. Juli 2009 um 14:32

    Straßenmusikern gebe ich manchmal was, aber auch nur dann, wenn mir das gefällt, was sie machen.

    Mit der Bettelei selbst hatte ich vor 10 Jahren in meiner Unistadt so ein Erlebnis: Eine mittelalte Frau mit südländischem Äußeren kam auf mich zu und erzählte mir mit leiser Stimme, sie und ihre drei kleinen Kinder würden morgen früh nach Bosnien abgeschoben und sie hätte nichts zu Essen für die lange Reise usw. Weil ich damals noch so ein kleines Naivchen vom Lande war und gerade kein Kleingeld bei mir hatte gab ich ihr einen 10-Mark-Schein. Tja. In den 8 Jahren, die ich danach noch in derselben Stadt lebte, kam die selbe Frau noch mehrmals auf mich zu, um mir wieder ihre tragische Geschcihte zu erzählen, mal allein, mal mit einer „Kollegin“ die wohl die aus der anderen Richtung kommende Kundschaft abfangen sollte. Vermutlich wurde sie immer wieder am nächsten Tag irgendwohin abgeschoben und hatte nichts zu essen für ihre kleinen Kinder (die in all den Jahren auch nicht gewachsen sind).
    So verscheißern lasse ich mich nicht nochmal und deshalb bekommt von mir keiner mehr etwas, der nicht auch etwas dafür tut, wie eben manche Straßenmusiker.

  16. 30 Nele 1. Juli 2009 um 14:45

    Ich habe einige Zeit Obdachlosen einen Essensgutschein für ein Obdachlosenrestaurant gegeben (keine Suppenküche). Keiner dieser Gutscheine ist jemals eingelöst worden, und Sucht finanziere ich nicht.

  17. 31 Udo 1. Juli 2009 um 14:47

    Ganz ehrlich: Den Zirkusmitarbeitern gebe ich erst recht nichts, weil ich es für ne ziemliche Frechheit halte, die Tiere den ganzen langen Tag auf die Straße zu zerren, was für sie bestimmt auch nen ziemlichen Stress bedeuten dürfte. Sowas kann ich nicht leiden.

  18. 32 Anka 1. Juli 2009 um 14:53

    Wenn einer etwas tut, musiziert etc…., und es mir gefällt bekommt er schon was.
    Ansonsten gebe ich nichts, aus genau denselben Gründen, die hier schon angesprochen wurden:
    Weil man es hier nicht wirklich betteln muss.
    Weil ich auch für mein Geld arbeite, teilweise auch weit unter meinem „Niveau“ und und und…
    Sachspenden habe ich auch schon gegeben- mit unterschiedlicher Wirkung.
    Ein Obdachloser hat das von mir anstatt Geld angebotene Sandwich erfreut akzeptiert und hat wirklich gewartet, bis ich es geschmiert hatte, ein anderer „Hungriger“, dem ich zwar kein Geld (für noch mehr Alk) geben wollte aber eine Bockwurst spendiert hätte,hat mir sehr beleidigt entgegnet, dass er die in den Müll kippen würde, mir daraufhin unterstellt, dass „Geh` arbeiten“ das nächste wäre, was so eine wie ich ihn wohl anraten würde, weil ich wie so viele keine Ahnung hätte, welch harte Arbeit es wäre sich sein Bier tagtäglich zusammenschnorren zu müssen…hatte ich tatsächlich nicht ;-)

  19. 33 kathapicco 1. Juli 2009 um 15:03

    Interessantes Thema!
    Ich gebe nichts, höchstens, wie schon gesagt, manchmal Straßenmusikern, wenn sie mir gut gefallen.
    Ansonsten bin ich da etwas vorsichtig. Ich sehe in meiner Studienstadt so viele Bettler, aber komischerweise so viele davon mit Zigaretten in der Hand usw., da denke ich mir dann wirklich, wenn der sich noch Zigaretten kaufen kann, wird es schon nicht so schlimm sein.
    Nein, sonderlich nett ist das nicht, das stimmt. Und das unangenehme Gefühl bleibt trotzdem. Aber es ist immerhin nicht so stark, dass es mich den Geldbeutel zücken lässt.

  20. 34 simetra 1. Juli 2009 um 15:07

    ich gebe so gut wie nie etwas, auch wenn ich mir ebenfalls immer wie ein arsch vorkomme. ich mache mir keine gedanken darüber, ob derjenige nun ein blender ist und ein „vermögen“ damit verdient, ob da professionelle banden dahinter stecken, ob derjenige unverschuldet oder auch nicht in die lage geraten ist. ich bin – ganz ehrlich gesagt – einfach nur genervt. wenn ich was gebe, mache ich das spontan, nach sympathie und das dann auch wirklich gerne.

    und wenn man als pendler in den öffentlichen mind. 1x am tag gefragt wird, ob man die obdachlosenzeitung kaufen will, dann hat man da auch keine lust mehr drauf….

  21. 35 Schwarzmaler 1. Juli 2009 um 15:13

    Ohoh, ein schwieriges Thema. Manchmal gebe ich Geld, wenn ich direkt angesprochen werde – und mir der Typ nicht unsymphatisch ist, seltener (sehr selten, vermutlich zu selten) an sitzende bettelnde Menschen, immer mit schlechtem Gewissen, und mit der Ausrede, daß, wenn man jedem Bettler 50 Cent geben würde, man nach einem Stadtbummel durch Frankfurt Pleite wäre. Und wenn denn die Bettler die aus der Kirche kommenden abzocken und man an ihren Worten und Gesten bemerkt, daß die gläubigen Geber verachten, dann weiß man auch, daß nicht jeder Bettler die Hilfe verdient hat, daß es organisierte Banden gibt, die daraus ein Geschäft machen.

  22. 36 Schwarzmaler 1. Juli 2009 um 15:20

    @Ivar. Das mit dem Fahrkartenautomat war mir mal eine große Hilfe auf einem Regionalbahnsteig zwischen Hamburg und Elmshorn. Die dort ansässigen Punker kannten den störrischen Automaten schon und boten nach kurzer Verzweiflung meinerseits an zu helfen gegen eine kleine Spende. Normalerweise komme ich mit jedem Automaten klar, aber dort hatte sich die Deutsche Bahn wirklich verausgabt es unmöglich zu machen eine einfache Fahrkarte zu ziehen. Wenn denn die Hilfe gegen Geld nicht aufdringlich ist und mir wirklich geholfen hat – Win-Win-Situation nannte man das wohl, früher.

    • 37 ivar 1. Juli 2009 um 15:25

      Ja, das ist aber auch eine wirklich andere Situation. Und überhaupt sind Punks meistens die Sympathischsten von allen, die man so regelmäßig auf der Straße herumsitzen sieht.

  23. 38 lilienfeuer 1. Juli 2009 um 15:45

    Ich gebe nichts, weil ich diese Art nicht mag… Vielleicht mal nem Straßenmusikanten, oder ich kaufe die Obdachlosenzeitung. Aber betteln selbst find ich keine gute Art…

  24. 39 Kat 1. Juli 2009 um 16:08

    Bei mir bekommen Straßenmusiker (wenn sie nicht grauenvoll spielen ;-) ) und die Verkäufer der lokalen Obdachlosenzeitung Geld. Und sonst niemand!

    Viele Grüße, Kat

  25. 40 Frau Landgefluester 1. Juli 2009 um 17:02

    Bei mir bekommen nur noch Straßenmusiker Geld.

  26. 41 Lalobe 1. Juli 2009 um 17:27

    Ich gebe ab und zu was, manchmal auch nichts. Ich gebe eher an Frauen und Bettler ohne Musik, denn was kann einer dafür, dass er kein Musikinstrumen kann/leisten kann. Ich gebe nicht viel, ein, zwei Euro oder nur fünfzig Cent oder was ich halt so als Kleingeld dabeihabe. Ich kaufte auch Obdachlosenzeitungen als ich noch in meiner Studienstadt war, hier gibt´s sowas ja nicht. Ich habe oft darüber nachgedacht, wie man sowas „am Besten“ handhaben sollte, was „richtig“ ist. Ich habe versucht, das mit Freunden zu diskutieren, viele meinen ignorieren sei am Besten, mam unterstütze nur irgendwelche Banden. Klar kenne ich Gedanken wie „gib einem Hungernden keinen Fisch, zeig ihm wie man fischt“ und „dann gibt´s ja noch Organisationen, die sich drum kümmern“… Nur- die ausländischen Bettler, die es bei uns in Ö sehr oft gibt, fallen meist durch das Sozialnetz. Wenige Organisationen kümmern sich um diese Leute. Für mich persönlich habe ich das eben so wie oben beschrieben gelöst. Und: Es ist mir persönlich herzlich egal, ob es sich um sogenannte „organisierte Bettler“
    (Ein Artikel dazu: http://moment.sosmitmensch.at/stories/1749/)
    handelt, denn ich denke mir, die haben sicher viel viel weniger als ich. Mir tun die paar Cent nicht weh. Wie oft gibt man da oder dort ganz leichthändig 5,6,10 E für Schnickschnack aus. Und sonst…it´s a long way to Kharma ;-)
    Liebe Grüße von einer sonst stillen Leserin

  27. 42 mkeute 1. Juli 2009 um 17:30

    Ich find´s immer relativ schwierig, weil häufig natürlich der Verdacht naheliegt, dass das Geld in Alkohol angelegt wird. Dann erweist man dem Bettelnden keinen Dienst, indem man ihm Geld gibt. Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die in finanzielle Not kommen und unsere Unterstützung brauchen, aber ich denke, es ist sinnvoller, das Geld an Streetworking-Organisationen, die Tafel o.ä. zu spenden, wo man weiß, dass mit dem Geld Menschen geholfen wird.

  28. 43 amidelanuit 1. Juli 2009 um 17:48

    so viele gute anregungen! da ist einiges an ideen und vroschläge für mich dabei…..ich glaube, ich werde dann vielleicht doch in und wieder dem ein oder anderen etwas geben!

    nur eins macht mich stutzig, es wurde hier mehrfach gesagt: sitzenden gebe ich nichts. das verstehe ich nicht…..-betteln die anders? bloss weil sie sitzen und die anderen stehen? was steckt da dahinter?

  29. 46 liebste Gespielin des Wahnsinns 1. Juli 2009 um 18:06

    generell gebe ich bettlern nichts, u.a. weil ich denke, dass hier in deutschland niemand auf der straße leben _muss_ wenn er/sie/es es partout nicht will
    davon abgesehen, müssen wir selber aufs geld schauen und lieber spare ich von dem, was am ende des monats übrigbleibt auf unvorhersehbares (z.b. tierarzt, kaputte waschmaschine…*hust*) oder schenke jemandem, der mir wirklich etwas bedeutet, eine kleinigkeit

    bei uns sitzt in der fußgängerzone allerdings immer ein obdachloser mit zwei hunden und einem kaninchen an der leine da…und ich – die selber ein herzallerliebstes kaninchen hat – frage mich immer, ob und wie das das tier verkraftet, da es bei kühlerem wetter an dieser ecke doch sehr zugig ist, bei warmem wetter generell viel zu warm und davon abgesehen, kann das knini gar nicht hoppeln oder fressen oder so…ich weiß nicht, ob ihm das gehört, habe mir auch schon öfters überlegt, ob ich ihn nicht mal darauf ansprechen soll, aber traue mich nicht…*zu boden schau*

  30. 47 Frau Maus 1. Juli 2009 um 18:08

    Gerade alle Kommentare (!) durchgelesen und gedacht: Booooah, einigen (wenigen) von Euch geht’s echt ja zu gut. Verzeihung, aber: „Hey du Penner, ich gebe dir nur etwas, wenn ich auch bestimmen kann, was du damit machst.“ – was soll das denn sein, Sozialromantik der besonderen Art?

    Ich verstehe zwar, dass man grundsätzlich keine Sucht unterstützen will. Ich verstehe auch, dass ein armer Hund (der sich ja nicht ausgesucht hat, auf der Straße zu leben, das arme Tier) manches Menschen Herz eher erweicht.
    Aber auch diese auf der Straße lebenden Menschen haben etwas, das sich Menschenwürde nennt. Also frage ich entweder, ob es recht ist, wenn ich etwas zu Essen oder aber zu Fressen für den Hund kaufe oder gebe eben nichts, wenn ich es nicht mit meinem Gewissen vereinen kann, dass dieser Mensch von meinem hart erarbeiteten Geld eventuell Zigaretten oder Bier oder was auch immer kaufen könnte.

    So. (Frau Ami hat gefragt, alle haben ihre Meinung kundgetan, ich tue nichts Anderes. Meine Meinung äußern.)

  31. 50 Wolfram 1. Juli 2009 um 18:47

    Schon von Berufs wegen habe ich manchmal Wohnungslose an der Tür…
    Geld gibts in der Regel nicht. Was zu essen schon eher. Manchmal – für Fahrende – eine Fahrtkostenunterstützung, aber dann passe ich auch auf und bleibe da, bis der Zug abgefahren ist…
    Dagegen nehme ich mir nach Möglichkeit Zeit, mir die Geschichte anzuhören, die mir jemand erzählen will, ob er nun Geld und Wohnung hat oder nicht.

  32. 51 Erzangie 1. Juli 2009 um 19:09

    Ich habe 43 Kommentare durchgelesen und gewartet, bis einer etwas sagt, was in etwa meiner Meinung entspricht, und tatsächlich, im 44. sagt Frau Maus etwas über die Würde, die man selbst dem abgerissensten Bettler noch zusprechen MUSS.

    Ist das nicht sehr arrogant von uns, die wir ein einigermaßen geregeltes Einkommen und ein Dach über dem Kopf haben, Hilfe an Bedingungen zu knüpfen,ala „ich möchte aber, dass du jetzt ein Wurstbrötchen ist und keins mit Käse“? Sei froh dass du überhaupt etwas bekommst? Und ich helfe deinem Hund, aber dir, Mensch, helfe ich nicht?

    Nur Menschen, die nicht wissen, was SUCHT bedeutet, glauben tatsächlich, mit ihren verweigerten fünfzig Cent einen Beitrag zur Bekämpfung der Selben zu leisten, nach dem Motto, „mit meinem Geld finanziere ich keinen Alkohol“. So einfach ist das aber nicht. Süchtige haben keine Wahl, sie MÜSSEN sich den jeweiligen Stoff beschaffen, und ich persönlich geb lieber freiwillig mal hier einen Euro und mal da zwanzig Cent, als mir im Schlimmsten Fall eine über die Rübe ziehen zu lassen. Das ist der eine Grund, der andere ist der, dass ich sehr dankbar für mein Leben bin und mich nicht anmaßen möchte zu richten, wie „Penner“ in das ihre geschlittert sind.

    Ich gebe nicht allen etwas. Aber am Düsseldorfer HBF sieht man in dieser sehr reichen Stadt manches Elend, da tun mir die paar Cent nicht weh. Oft genug werde ich da auch die „Abzocker“ fördern, aber wenn nur einem mein Euro über den Tag hilft, dann war es schon richtig. Freiwillig betteln, aus Langeweile und weil man „zu faul zum Arbeiten “ ist, machen die wenigsten.

    Ihr setzt viel zu viel an Kompetenz vorraus, wenn ihr die Hilfsangebote aufzählt. Es gibt genug da draußen, die das nicht können, die sich aus den verschiedensten Gründen nicht in die Gesellschaft einordnen können, und dann gehe ich hin und sage: den Cent bekommst du nicht, du Versager?

    Anpöbeln lasse ich mich nicht. Und ich sag auch nein, wenn ich nichts abgeben mag oder kann. Aber pauschal verweigern tu ich mich nicht.

    Lieben Gruß
    Erzangie
    P.S. Frau Ami, interessante Diskussionen hier :-))

    • 52 ivar 1. Juli 2009 um 22:41

      Ja, das ist sicher eine bedenkenswerte Seite der ganzen Sache, und an das mit der Entscheidungsfreiheit habe ich heute auch schon mal gedacht. Ich selbst nehme mir die aber auch, und da ich unfreiwillig aus nächster Nähe erlebt habe, was Alkoholismus ist, steht für mich fest, dass ich sowas nicht einmal ansatzweise stützen würde.
      Das mit dem Problem, Hilfe auch anzunehmen, sehe ich durchaus auch – aber, offen gestanden, ich kann das so und so nicht lösen. Dadurch, dass ich Geld gebe, aber am allerwenigsten, fürchte ich.
      Und dass Hunde oder Kaninchen oft besser „ziehen“ als der Mensch, verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht, eher im Gegenteil.

    • 53 Persephone 2. Juli 2009 um 10:20

      Danke! Sie haben das geschrieben, was die ganze Zeit in meinem Kopf erumschwirrte ich aber nicht so richtig in Worte fassen konnte.

      Aus dieser Gesellschaft fällt man schneller raus als ich wahrhaben wollte, bevor ich es am eigenen Leib erfahren habe. Der Weg zurück ist hart und steinig – schon wenn man nur eine kurze Zeit am Rande stand. Wie schwer ist er erst, wenn man seit Jahren auf der Straße lebt.

      Obdachlose bekommen in Deutschland ca. 200 € für ihren Lebensunterhalt. Und ja bei vielen geht das Geld für Alkohol und Zigaretten drauf – ich kann verstehen wenn jemand sagt ich gebe nur etwas zu essen. Ich selber gebe meistens Geld und ich habe einem mir bekannten Bettler auch schon mal eine Flasche Wodka geschenkt (er hatte Lokalverbot im Supermarkt und mußte den Alk teuer am Kiosk kaufen). Ich denke ich unterstütze damit nicht die Sucht, denn die ist seit Jahren manifestiert und ein Entzug nur noch unter ärztlicher Betreuung mit den dazugehörigen Medikamenten möglich. Ansonsten kann er sogar lebensgefährlich sein.

      Eine Wohnung bekommt man in Deutschland übrigens nicht so einfach vom Staat gestellt. In Köln werden den Obdachlosen „Hotelzimmer“ angeboten. Ich habe mal jemanden dort besucht und gestehe, ich würde dann auch die Straße vorziehen.

      Aber auch mit diesem Hintergrund kann ich verstehen, wenn Menschen sagen ich gebe nichts, was mir aber weh tut ist dieses „Wenn Tiere dabei sind gebe ich für die Tiere, aber nicht für den Menschen“. Hört sich für mich an wie Ein Herz für Tiere ja, für Menschen nein. Auch wenn diese Menschen bestimmt Fehler gemacht haben in ihrem Lebeb, haben wir das nicht alle? Und haben das Menschen wie Zumwinkel oder Bankberater nicht auch? Müssen die deshalb auf der Straße leben? Nein, wir geben unsere Steuergelder für Prozesse und Bankenrettungen. Relativ protestlos.

      Ups, dass ist jetzt sehr lang geworden. Sorry Frau Ami, sonst lese ich hier nur still mit, aber das brandte mir auf der Seele. Danke übrigesn für so manchen Lacher und für mich immer wieder erhellende Diskussionen :-)

  33. 54 1000Sunny 1. Juli 2009 um 19:31

    Schwere Frage. HarzIV bedeutet ja auch ein Stück auf seine Menschenwürde verzichten. Und heute darf man nicht mehr in Würde arm sein. Entweder man macht mit beim großen „Wir verbrennen die Erde so schnell wir können“-Spiel oder man wird aus der Gesellschaft ausgeschieden.
    Ich glaube Sokrates lebte in einer Tonne, buddhistische Zen-Mönche leben nur vom Betteln und auch weitere Kulturen erlauben würdige Armut.

    • 55 zaraffel 4. Juli 2009 um 01:03

      man verliert nicht nur ein stück seiner würde…ich habe gestern die erfahrung gemacht das man sie ganz genommen bekommt….leider. also wenn ein obdachloser in deutschland 200,- euro lebensunterhalt verdient, dann wünschte ich mir jetzt in diesem moment ich wäre obdachlos….armes deutschland.

  34. 56 Mitlesende Stille 1. Juli 2009 um 20:09

    Icke nochmal kurz ;-).

    Wobei ich eigentlich gar nichts mehr hinzuzufügen hab, nur anzumerken, dass ich Respekt dem jeweiligen Gegenüber (kommt da jetzt noch ein gegenüber?), egal ob er nun sitzt, steht, Musik macht oder nicht, mir auf der Straße oder hinter einer Ladentheke etc., real oder in Buchstaben begegnet, für eine Selbstverständlichkeit halte.

    Und Bettelbanden… ich glaube da hat mich einer dieser Ferienmehrteiler im ZDF geprägt, welcher weiß ich nicht mehr, aber in meinem Kopf sind Menschen, die für/in Banden betteln stets unterdrückte kleine Waisenkinder, sinnbildlich gesprochen. Jedenfalls ganz sicher niemand, der freiwillig bettelt und daran selbst reich wird.

    Lange Jahre habe ich eher damit gehadert, das es ja irgendwie ungerecht sei nur .einem. etwas zu geben und nicht allen – zugegeben, das waren eher junge Jahre ;-).

    Und Frau Ami – hier finden sich immer sehr viele wunderbare Denkanstöße, Sie haben wohl ein Talent für die richtigen Fragen :-).

  35. 57 mama schwaner 1. Juli 2009 um 20:25

    ich gebe öfter was. straßenmusiker (aber nur wenn sie gut sind), verkäufer von obdachlosenzeitungen, betller. aber ich hasse dieses (gespielte) betteln mit babys oder kleinkindern auf dem arm (ganz penetrant hier in berlin mitte). das kann ich nicht ab! das ist so geheuchelt und geschäftsmäßig.

  36. 58 mama schwaner 1. Juli 2009 um 20:52

    hmpf. jetzt habe ich alle kommentare gelesen und muss ebenfalls wie frau maus schlucken und mit dem kopf schütteln. das stimmt mich sehr nachdenklich.

  37. 59 Maren 1. Juli 2009 um 20:54

    Als ich nach Stuttgart zog, fielen mir in der Innenstadt als erstes unheimlich viele südländisch aussehende Männer auf, die in nicht so schönen Klamotten und mit einer Krücke sowie herzzerreißendem Blick bewaffnet urch die Innenstadt ziehen und Passanten einen leeren Starbucks- oder McDonald’s Becher hinhalten. Das Humpeln ist do übertrieben und geht schon so ins Lächerliche, dass es mich wundertn würde, wenn denen das einer abkauft! Denen gebe ich aus Prinzip nichts, weil ich es ehrlich gesagt komisch finde, dass inzwischen bestimmt 5 solcher Männer alle die gleiche Behinderung haben und so ein „geschäftsmäßiges Betteln“ nicht abkann.

    Von den Frauen, die mit Hochglanz-Computerausdrucken ihrer vielen hungernden Kinder durch die S-Bahnen ziehen, rede ich mal gar nicht.

    Wenn ich was gebe, sehr selten, dann eigentlich nur alten Obdachlosen, weil mir die immer furchtbar leid tun.
    Eine Obdachlosenzeitung haben wir hier auch, aber ich muss zu meiner Schande gesetehen, dass ich noch nie eine gekauft habe und mir immer vorkomme wie so ne richtig oberfiese arrogante Bonzentante, wenn ich diese Leute einfach ignboriere. Ich hab da totale Berührungsängste, kans auch nicht erklären :(

  38. 60 amidelanuit 1. Juli 2009 um 21:02

    also was erzangie schreibt (und auch frau maus) das ist wirklich ein sehr wichtiger denkanstoß…..das macht wirklich sehr sehr nachdenklich. das sind gute gedanken. für mich ändert sich damit doch nochmal einiges. da gehts mir wie frau schwaner gerade. heute morgen hätte ich ihren ersten kommentar noch unterschrieben, jetzt unterschreibe ich ihren zweiten und muss nachdenken.

    danke ihr lieben – eine wunderbare diskussion, die ihr hier führt. und besonders an die vielen bisher unbekannten kommentatoren: schön, wirklich sehr sehr schön, dass ihr euch meldet!!

  39. 61 Herr Schwaner 1. Juli 2009 um 21:18

    Frau Rieke und ich haben unsere „Stamm“-Obdachlosen, die regelmäßig, wenn wir es entbehren können, Geld von uns bekommen. Inzwischen, weil man sich in einem Kiez öfter über den Weg läuft, grüßt man sich und darüber, dass man sich grüßt, scheint jene mindestens genauso zu freuen, als wenn man ihnen einen kleinen Obolus zukommen lassen kann. Denn ein Grüßen zeigt schon, dass man sein Gegenüber als Menschen wahrnimmt, egal wie sehr ihm das Schicksal mitgespielt hat oder wie sehr die Sucht an ihm nagt. Wer bin ich denn, dass ich über einen fremden Menschen urteile? Ich kenne ihn nicht, ich kenne seine Geschichte nicht. Er tut mir leid, das ist alles. Wer ein wenig Empathie in seiner Brust fühlt, sollte nicht teilnahmslos über ein solches Schicksal hinweggehen können.

  40. 62 liebste Gespielin des Wahnsinns 1. Juli 2009 um 21:45

    Ami: tjaha, ich hatte ja eigentlich gehofft, mich zu einem ruhigeren beitrag als begeisterte, wenn auch bisher stille mitleserin zu outen ;) aber ich finde die diskussion hier so interessant und auch mal erfrischend besonnen, da musste ich einfach mal ein bisschen mitmischen ^^

    aber zu Erzangie wollte ich doch noch eine kleinigkeit anmerken, und zwar:
    du hattest geschrieben

    ‘Nur Menschen, die nicht wissen, was SUCHT bedeutet, glauben tatsächlich, mit ihren verweigerten fünfzig Cent einen Beitrag zur Bekämpfung der Selben zu leisten, nach dem Motto, “mit meinem Geld finanziere ich keinen Alkohol”’

    ich denke, genau darum geht es. wenn jemand süchtig ist, dann ist das schlimm und noch schlimmer ist es, wenn er nicht die kraft und/oder die umstände hat, sich aus dieser situation hilfe zu suchen, aber (jetzt kommt das große ‘aber’ ^^) _ich_ möchte dann nicht an dem fortgang seiner sucht beteiligt sein. und solange ein alkoholabhängiger auf diesem wege geld zusammengekratzt bekommt, um seine sucht zu finanzieren – warum sollte er sich dann in einen entzug begeben?
    nur mal so als kleinen denkanstups von der seite :)

    • 63 MusenMiststück 1. Juli 2009 um 22:46

      Ein kontrollierter Entzug setzt eine Krankenversicherung vor raus. Eine Krankenversicherung einen festen Wohnsitz.

      Sucht ist ein ganz schwieriges Thema. Denn kein Mensch wird sich dazu entschließen einen sicheren Entzug zu machen, wenn er bereits auf einem kalten Entzug ist, klar denken ist hier nicht mehr möglich.
      Nur mal so als Anmerkung.

      • 64 Christian Severin 2. Juli 2009 um 23:30

        Ist das so? Ein Entzug setzt eine Krankenversicherung voraus? Ich dachte immer, dass das auch von Sozialämtern o.ä. übernommen wird.

        Frau Ami, wissen Sie da mehr?

        • 65 Wortman 3. Juli 2009 um 00:05

          Jeder normal Arbeitende, jeder Arbeitslos und jeder Hartz4er ist krankenversichert. Da stellt sich die Frage nach dem „muss“ nicht mit der Krankenversicherung.
          Bei Obdachlosen – denke ich, werden es die Sozialämter, Wohlfahrtseinrichtungen tragen, wenn sich einer entschließen sollte, dem Alk abzuschwören…

        • 66 amidelanuit 3. Juli 2009 um 08:32

          so wie wortman schreibt – arbeitslos, hart, arbeitend= versichert. sollte wirklich gar kein versicherungsschutz vorliegen, was durchaus bei obdachlosen vorkommen kann, übernehmen zb auch arge/sozialämter/arbeitsagentur die finanzierung des entzugs. das läuft dann unter rehamaßnahme mit perspektivischer eingliederung in den 1. arbeitsmarkt. (oder 2. falls die schäden schon zu groß waren….) der bildungsträger bei dem ich arbeite hat bundesweit ein ziemlich erfolgreiches konzept am laufen, bei dem zu beginn die noch nassen alkoholiker (und oftmals auch obdachlosen) in die maßnahme eintreten und dann ein therapieplatz gesucht wird, sie dort begleitet werden, rauskommen, in die berufliche reha kommen und dan erstaunlich erfolgreich vermittelt werden.

          • 67 Wortman 3. Juli 2009 um 08:47

            Ich bin zwar mit der Gesetzeslage nicht ganz so vertraut, aber ich meine, ein Arbeitgeber darf jemanden auch nicht feuern, sondern MUSS ihm eine Chance auf Entziehung geben, wenn der Arbeitnehmer zugibt, dass er „krank“ ist und Hilfe braucht.

  41. 68 MusenMiststück 1. Juli 2009 um 22:38

    Betteln ist ja nicht gleich betteln, es gibt ja verschiedene Arten. Und je nach Art reagiere ich anders.

    Obdachlose, die um Geld für Essen bitten, frage ich immer auf was sie denn Appetit haben. Dazu lade ich sie dann ein. Dauerbrenner ist der Gyrosteller oder Currywurst mit Pommes von einem bestimmten Imbiss in der Innenstadt, im Sommer relativ oft ein Eisbecher.

    Organisierte Bettelbanden ignoriere ich, es seih denn sie haben Kleinkinder oder Babys dabei, dann rufe ich das Jugendamt/die Polizei/das Ordnungsamt an.

    Angebliche Spenden für die Tafel, das Rote Kreuz, Kinderkrebshilfe, WWF oder sonst eine große gemeinnützige Organisation. Keine von denen schickt „Mitarbeiter“ samt Sammelbüchsen in die Fußgängerzonen. Ich wiederhole KEINE! Denn die müssen einen Spendennachweis erbringen bzw. müssen auch eine Spendenquittung ausstellen können. Das was da an angeblichen Mitarbeitern rum rennt sind Drückerbanden/Betrüger diese Personen haben nichts mit den Organisationen zu tun.

    Straßenkünstler werden immer entlohnt.

  42. 69 Polly Oliver 1. Juli 2009 um 23:01

    Oha, nun ich melde mich auch mal und ich habs so im Gefühl, dass dies ein längerer Eintrag werden wird, deswegen warn ich schonmal vor.

    Also, ich muss sagen, ich bin da so ein kleines gebranntes Kind. Ich habe ein Jahr lang in Stettin gelebt, wo ich zum Teil vorm Studentenheim gestanden und auf ne Freundin gewartet habe, während jemand kopfüber in einem der großen Müllcontainern gehangen hat, mehr als einmal. Wo ich auf der Straße von einem höchstens 12 jährigen Mädel nach einer Zigarette gefragt worden bin und wo ich einmal nachts wirklich Angst bekommen habe.
    Weil ich nämlich auf der Straße auf ein Taxi gewartet habe, dass sich sehr viel Zeit gelassen hat. Da bin ich dann von einem älteren Obsachlosen (?) Mann angesprochen worden, der hat mit mir geredet und rausgefunden dass ich aus Deutschland komme und mich erst auf ne Zigarette angeschnorrt.
    Dann hat er mich vollgequatscht, über seine Schwester und dass er kein Geld hat etc. pp. Dann ist er weg gegangen, aber mein Taxi kam immer noch nicht, ich hab ihn eine Straßenecke weiter durch die Gegend schleichen sehen, dann kam er wieder, ob ich denn nicht Geld für Pommes Frittes hätte. Das hat er dann auch gekriegt. Dann ist er zum Glück wieder abgezogen und mein Taxi kam. Hört sich vielleicht nicht so schlimm an, aber wenn man da alleine steht, als junges Mädel, kein Mensch weit und breit, da kriegt man Angst.

    Und in Budapest war, naja, schlimmer. Da haben die Obdachlosen ihre Matratze einfach so an ein Stromhäusschen gelegt, oder unten in die U-Bahnstation und wenn es doll geregnet hat, dann lagen sie mit ihren Matratzen ganz nah an der Wand unseres Hauses, damit sie nicht nass werden. Da musste man aufpassen, dass man im Dunkeln nicht versehentlich über sie stolpert, wenn man das nicht wusste.
    Und man musste aufpassen, wenn man mit dem Hund im Park spazieren gegangen ist, denn Hunde fressen Menschenkot, leider.

    Und seit dem mache ich eigentlich immer sofort dicht, wenn mich auf der Straße einer anspricht, der in die Schublade fällt. Letztens hat mir in der Stadt einer eine Büchse unter die Nase gehalten, da stand irgendwas „für Afrika“ drauf. Ähm, ja, da kam ich mir dann doch verarscht vor.
    Was die bettelnden Leute mit Zigarette angeht, da habe ich letztens angefangen, mit einem Punk zu diskutieren, naja das ist übertrieben, aber ich hab ihm gesagt, hey, du rauchst eine Filterzigarette und ich arme Studentin muss drehen, da stimmt doch was nicht. Begeistert war er davon nicht ;)

    So und nun noch etwas zum Thema, es müsste keiner Obdachlos sein. Ich habe eine Freundin, die war eine Zeit lang in einer psychatrischen Klinik. Da gab es auch jemanden, der vorher obdachlos war. Der musste nachts immer laufen, Flur hoch, Flur wieder runter. Sie hat ihn dann gefragt, warum er das macht. Die Erklärung war einfach, er hat es sich angewöhnt, weil er im Winter nachts nicht schläft (sie war um Weihnachten da), sondern läuft, um warm zu bleiben. Und sie hat auch mit ihm ein bisschen geredet, warum er obdachlos ist usw.
    Tja, da hat er ihr erzählt, dass er wohl erst in einer Stadt war, da aber, warum auch immer, kein Geld bekommen hat. (Ich weiß es leider nicht mehr so genau), dann ist er losgelaufen, in eine andere Stadt, beide Städte liegen recht weit auseinander. In der neuen Stadt ist er dann zum Amt, tja, die haben ihm dann gesagt, sie könnten ihm kein Geld geben, weil er ja noch in der anderen Stadt gemeldet sei. Ich kann das hier leider nicht hundertprozentig wieder geben, weil es schon etwas her, dass sie mir das erzählt hat. Ich weiß nur noch, dass es aus irgendwelchen Gründen so war, dass er weder von einem, noch vom anderen Amt Geld bekommen hat. Traurig.

    Ich denke, es muss jeder selbst wissen, wem er was gibt. Bei mir ist es einfach so, ich bin vor allem durch die Zeit in Budapest gebranntmarkt, ich mache dicht, sobald mich jemand anspricht und ich das Gefühl habe, der will was von mir. Das können auch arme Studenten sein, die irgendwelche Umfragen machen, da denke ich nicht mehr drüber nach, sondern schüttle mit dem Kopf und gehe weiter.
    Was ich aber in Polen wie in Budapest gemacht habe, ist, dass ich, wenn ich nach Hause gefahren bin und noch Essen über hatte, habe ich es draussen hingestellt. In Polen neben die Container, die eh mehrmals täglich durchsucht wurden und in Budapest auf die Straße. Weg werfen wollte ich es nicht.

    Liebe Grüße

  43. 70 Delilah Dolittle 1. Juli 2009 um 23:19

    Wenn ich bereit bin jemandem eine Freude zu machen, indem ich ihm z.B. 2 Euro gebe oder Brezen für 2 Euro kaufe bleibt es in der Konsequenz für mich gleich. Das Ergebnis ist: Ich habe 2 Euro weniger – so oder so. Warum soll derjenige dann nicht selbst entscheiden können, was er mit damit macht ??? Ein zweckgebundenes Geschenk empfinde ich persönlich nicht wirklich als Geschenk – dadurch, dass ich den Zweck bestimme stelle positioniere ich mich ja schon mal eine Stufe höher… Auch wenn er sich das 12. Bier des Tages kauft – für sein Ableben bin ich trotzdem nicht verantwortlich.

    • 71 ivar 1. Juli 2009 um 23:29

      Wirklich nicht? …ich denke da wirklich ernsthaft drüber nach. Ja, vielleicht hat das ungefragte Schenken von Brot etwas Überhebliches. Ich habe es, situativ, nie so empfunden, und es wurde, glaube ich, auch nicht so aufgefasst. Es war für mich mehr so, als würde ich jemanden besuchen und spontan ein Stück Kuchen oder eben ein paar Brezen mitbringen: Weil ich denke, der andere könnte auch gerade Lust darauf haben.
      Mit einem anderen Gegenüber wäre es vielleicht anders gewesen. Trotzdem wäre die Konsequenz für mich dann eher, nichts zu geben. Ist vielleicht philosophisch nicht ganz einwandfrei, aber für mich ist es nicht denkbar, das 12. Bier zu finanzieren. Meine Freiheit.

  44. 72 dietauschlade 1. Juli 2009 um 23:22

    apropo menschenwürde & notwendigkeiten – da fällt mir dieser bericht über rainer maria rilke ein

    Während seines ersten Aufenthaltes in Paris ging der deutsche Schriftsteller Rainer Maria Rilke(1875-1926) jeden Mittag in der Begleitung einer jungen Französin an einer alten Bettlerin vorbei. Stumm, starr, unbeweglich und unbeteiligt saß sie Tag für Tag auf einem Mauerstück eines öffentlichen Gartens. Zu keinem Geber sah sie auf. Sie bat nicht und dankte nicht. Hatte einer ein Geldstück in ihren Handteller gelegt, dann holte sie die Hand zu sich zurück, ließ die Münze in ihrer Kleidertasche verschwinden und schickte die aufgetane Hand wieder von sich fort.

    Während nun die Französin die Bettlerin stets mit einer ansehnlichen Gabe bedachte, spendete Rilke keinen Sou. „Man müßte ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand“, sagte er ihr, als sie sich über sein Verhalten wunderte. Am nächsten Mittag trug der Dichter eine kaum erblühte weiße Rose zart, behutsam und gütig zwischen den Spitzen seiner Finger. Über das Gesicht der Freundin lief Freudenröte. Sie dachte: „Mir eine Rose aus der Hand Rainer Maria Rilkes!“ Doch sie bekam die Rose nicht. Bei der Bettlerin angekommen, stand der Dichter still und legte die weiße Rose in die geöffnete Hand der alten Frau. Da geschah, was bisher noch nie geschehen war: Die Bettlerin sah zum Geber empor. Mehr noch: sie stand auf, griff nach der Hand des fremden Mannes, küßte sie und ging mit der Dichterrose fort.

    An den folgenden Tagen mied Rilke die Straße der Bettlerin. Die Freundin hingegen konnte es nicht unterlassen, alle Tage den gewohnten Weg zu gehen, nur um – wie sie sich selbst zur Entschuldigung sagte – der Bettlerin die ihr täglich zustehende Münze zu geben. Doch zu ihrer großen Verwunderung traf sie die Bettlerin nicht an. Nach einer Woche hielt sie das Schweigen nicht länger aus. Sie war entschlossen, mit dem Dichter über die Wirkung seiner Gabe zu sprechen, und zwar sobald er das nächste Mal an der Bettlerinstraße vorübergehen wollte. Aber genau in dem Augenblick, da sie ihre Frage stellen wollte, bog Rilke in die seit einer Woche gemiedene Straße ein. „Jetzt können wir wieder hier entlanggehen, denn sie sitzt heute wieder an ihrem Platz.“ Die Freundin war nur noch eine einzige Frage. Der Dichter hatte recht. Die alte Bettlerin saß wie gewohnt auf dem Mauerstück: stumm, starr, unbeweglich, unbeteiligt. Und während die Rilke-Freundin eine Münze in die ausgestreckte Hand legte, die größer war als je zuvor, und die Bettlerin diese auf die übliche Weise verschwinden ließ, gab Rilke nichts. Die Freundin aber hatte eine Frage, die sie nicht unterdrücken konnte: „Wovon hat sie all die Tage, da niemand Geld in ihre Hand legen konnte, gelebt?“ Rainer Maria Rilke antwortete ihr: „Von der Rose!“

    Vgl. Hans Franck, Das Herzgeschenk, Sponholtz Verlag, Hannover-Hameln 1954.

    hier gefunden

  45. 73 hilkman 2. Juli 2009 um 08:18

    Mein Tipp: Unterhalte Dich mal mit einem oder zweien von ihnen. Es gibt hier in Göttingen welche, die ich kenne und bei denen ich ein gutes Gefühl habe; denen gebe ich durchaus mal was, an anderen gehe ich vorbei. Ich finde da allgemeine Prinzipien nicht gut. Wenn ich sage, „in Italien habe ich mal erlebt, dass…“ dann ist das so, wie wenn ich sage, „ich gehe nicht mehr zum Arzt, weil ich mal einen hatte, der mich schlecht behandelt hat und trotzdem Porsche fuhr“. Pauschalisierungen tun nie gut. Und warum konsequent sein? Ich gebe mittlerweile lieber direkt was, als die örtliche Obdachlosenzeitung zu kaufen. Die ist derart langweilig, dass ich mir blöd dabei vorkomme, auch wenn es als Konzept natürlich nett ist.

    • 74 ivar 2. Juli 2009 um 14:55

      Das war keine Pauschalisierung, sondern ein starker Eindruck. Aber das war auch herauszulesen aus dem, was ich sonst schrieb.

      • 75 ivar 2. Juli 2009 um 14:56

        …schließlich sind ja auch nicht alle Obdachlosenzeitschriften „derart langweilig“…

        • 76 hilkman 2. Juli 2009 um 15:53

          Mein Kommentar bezog sich gar nicht explizit auf Dich, sondern allgemein auf die Frage: Soll man Bettler/innen was geben oder nicht? Und wenn nicht, ist es dann ausreichend zu sagen: Ich weiß, dass viele es gar nicht nötig hätten?

  46. 77 artwork 2. Juli 2009 um 08:28

    Gott, wie sinnlos ist diese Diskussion. Gib halt was oder lass es, aber hier rum lamentieren, ach wie schlecht du dich fühlst, aber doch von deinen Prinzipien nicht abrücken kannst, ist scheinheilig und schlimmer, als konsequent Almosen zu verweigern.

  47. 78 kindertrend 2. Juli 2009 um 08:30

    Habe letztens eine Frau an der Theatinerkirche in München betteln sehen, normal gekleidet sah überhaupt nicht arm aus, das hat mich irritiert. Musikern gebe ich ab und zu etwas, meist wenn die Kids dabei sind. Allerdings beruhige ich mein schlechtes Gewissen der Armut gegenüber mit einem monatlichen Beitrag für die Deutsche Lebensbrücke. Da kommt das Geld auch dort an, wo es sinnvoll ist.

    Ulrike

  48. 79 Margrit 2. Juli 2009 um 08:34

    Ohne die ganzen Kommentare gelesen zu haben:

    Geben – weil’s gut ist fürs eigene Herz.

  49. 80 jochmet 2. Juli 2009 um 08:50

    Seit ich unterbezahlt bei den Anthros gearbeitet war, hab ich mir das Spenden abgewöhnt und meine schiere Existenz als Gabe für die Menschheit betrachtet.
    Zuvor – im privaten Sicherheitsdienst – musste ich oft Bettler vertreiben. Da habe ich mich noch schlechter gefühlt als beim Nix-Spenden. Ehrlisch!

  50. 81 zaraffel 2. Juli 2009 um 08:59

    ehrlich? ich fühl mich beim nichtspenden auch nicht schlimmer…

  51. 82 Wortman 2. Juli 2009 um 09:32

    Da die heutigen Bettler fast nur noch aus diesen organisierten Bettlerbanden bestehen (die einen knien betend die ganze Zeit, die anderen laufen mit Krücken herum und halten einen Becher hin) geb ich gar nix mehr.

    Wenn ich Bock habe, bekommt ein Straßenmusiker mal was. Das sind ja oftmals Studenten und so.

  52. 83 Frau Krümelsche 2. Juli 2009 um 09:35

    Ich kaufe hier regelmäßig die Obdachlosenzeitung „Biss“, weil die in München auch richtig gut ist. Die Verkäufer sind null penetrant und die Organisation, die hinter der Zeitschrift steht, setzt sich auch sehr dafür ein, die Obdachlosen zu resozialisieren. Rudolf Mooshammer war ein großer Gönner der Biss, Helmut Fischer ebenso. Auf der Straße einfach nur so Bettlern geb ich hingegen nichts.

  53. 84 1000sunny 2. Juli 2009 um 09:49

    Resozialisieren ist für mich das Unwort des Jahrhunderts… oder Jahrtausends… hmmm..
    Die wenigsten Leute fliegen aus dem System, weil sie nicht sozial sind.
    Lieber direkt spenden als BISS kaufen. Ich hätte nie gedacht, dass es unsere moderne Welt schafft sogar Armut in ein Konsumgut zu verwandeln. Aber wenn erst mal die Bildung verkauft ist, dann macht sich alles andere auch gut daneben im Schaufenster.

  54. 85 Julia 2. Juli 2009 um 10:05

    Also ab und an gebe ich ja schon, was aber nur wenn ich gerade wirklich ein bisschen Kleingeld in der Tasche habe, aber das ist äußerst selten ;-).
    Ich hatte in Hamburg auch mal eine sehr interessante Diskussion mit einem Obdachlosen, der mich zugequatscht hat und sich über deine bettelnden „Kollegen“ aufgeregt hat … Seiner Meinung nach, muss in Deutschland keiner betteln – jedenfalls nicht für Essen/Trinken. Er hat mir dann noch ungefähr 1948 Institutionen in Hamburg aufgezählt, wo er eine kostenlose warme Mahlzeit usw. kriegt und nochmal verdeutlicht, dass wirklich niemand um Essen betteln muss. Wenn er bettelt, dann will er auch Drogen und Alk (und so ist das eigentlich bei den meisten ..) – aber da spendet eben keiner, also muss man die „ich hab heute noch nichts gegessen“-Geschichte rausholen …

  55. 86 akima86 2. Juli 2009 um 10:15

    geb auch selten geld, wenn z.b. jemand vorm aldi mit seinem hund sitzt dann kauf ich miller ne packung hundefutter mehr oder so. ist ja egal, wenn ich ihm geld gegeben hätte, hätte er eh als erstes was für seinen hund gekauft. (das machen wirklich die meisten so) finde das sinnvoller, als im vorbeigerhen en bisssel geld fallen zu lassen.

  56. 87 Penjelly 2. Juli 2009 um 10:15

    Ich fühl mich immer mies, wenn ich essen gehe und jemand an meinen Tisch tritt und ne Obdachlosenzeitschrift verkaufen will. neulich hab ich dann eine gekauft, weil mir das Mädchen so sympathisch war, obwohl sie sogar fragte, ob sie mir weniger Wechselgeld rausgeben dürfe, weil sie an dem Tag nicht viel verdient hatte. Ich hoffe, dass sie wenigstens dieses Wechselgeld für sich hatte, denn zuhause hab ich die Zeitung im Netz recherchiert und die ist in einigen Bundesländern schon verboten, weil keine Wohltätigkeit nachweisbar war.

  57. 88 naooomi 2. Juli 2009 um 10:42

    Ich finds ganz interessant, diese Beiträge hier zu lesen. Da merkt man halt mal wieder, wie die Menschen an sich ticken.
    GERADE wenn’s um so ein Thema geht.
    Die meisten sind selbst beim ‘GEBEN’ noch EGOISTEN.
    Schlechtes Gewissen, etc…blaaaaaaah!
    Ich persönlich gebe gerne. Allerdings suche ich mir aus, wem und was.
    Wenn ich also grade in der Kirche gebetet habe (ja, ich GLAUBE)… und in der ersten Reihe sitzt ein anscheinend Obdachloser und ich mich dann zu ihm setze und ihn anschaue und sage: „Also ich habe jetzt Hunger. Du auch?“ Und er mich dann mit grossen Augen ansieht und sagt: „Woher weisst du das?“ Dann gehen wir beide auf meine Kosten zum Stehcafe an der Ecke, trinken nen Kaffee und essen nen leckeren Erdbeerkuchen.
    Gute Strassenmusiker, die mir gute Laune schenken, bekommen auch von mir was.

    Und ich finds nicht überheblich die Entscheidung zu treffen, einem Obdachlosen paar Brötchen zu kaufen und sie ihm zu schenken. Gehts noch?
    Ich bestimme doch damit nicht über sein LEBEN!
    Jeder muss essen und ich schenke ihm damit was zu essen!
    Wo stell ich mich denn da ‘höher’?
    Hat sich auch noch keiner beschwert- im Gegenteil!

    Ich gebe von Herzen und meine Menschenkenntnis, sagt mir wo es benötigt wird. Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen.
    Menschen, die nur was geben, um kein schlechtes Gewissen zu haben, sollten sich lieber überlegen, was in Ihrem Leben schief läuft. Das ist dann wirklich die falsche Intension dahinter.

    Ich gebe meist keinem was, der mich öffentlich nach Geld fragt. Weils sich einfach für mich nicht richtig anfühlt.
    Aber auch hier gibt es sicher Ausnahmen.

    Aber ich bin eh, in allem unkonservativer als die meisten und mehr von Intuition geleitet. Und das ist GUT so.

    Davon lebt diese Welt.

    naooomi

  58. 89 stadtfrau 2. Juli 2009 um 10:50

    nun, hier in wien gibt es das „problem“ der (angeblich) organisierten bettlerbanden aus ostländern (meistens rumänien), oft sind es kinder und verstümmelte menschen, die (wiederum angeblich) in autobussen hergebracht werden, hier den ganzen tag betteln (teilweise mit tricks wie rosen „verschenken“ und danach geld fordern) und abends ihren verdienst bei den chefs abliefern müssen. ich habe erst vor kurzem wieder eine reportage gesehen, wo eine frau ihre nichten und neffen für ein paar wochen nach wien mitnahm – ob den eltern klar war, dass sie hier betteln müssen? jedenfalls mussten sie in dieser zeit nicht für ihre kinder sorgen.

    „angeblich“ deswegen, weil man auch immer wieder liest/hört, dass das so nicht stimmt, z.b. hier: http://www.ka-wien.at/betteln/betteln1.php

    trotzdem, ich möchte dieses system nicht unterstützen, deswegen bekommen bettelnde kinder von mir nichts, jedenfalls kein geld. auch mütter, die mit ihren kleinkindern betteln, nicht. ich habe mitleid mit denen und mir bricht das herz, wenn ich die weinenden kinder sehe, die den ganzen tag in der hitze hocken, aber die wut auf die mutter, die das zulässt, statt ihr kind spielen zu lassen, ist größer. irgendwie hoffe ich halt, dass die irgendwann begreifen, dass es sich nicht auszahlt.

    kinderbettelei ist mittlerweile in wien verboten, bettelnde kinder werden „aufgegriffen“ und in ihre heimatländer zurückgebracht. trotzdem sieht man natürlich noch immer bettelnde kinder.

    ich sehe es halt sehr zwiespältig, finde, es gibt auch ein recht zu betteln und bettler gehören nun mal zum stadtbild einer großstadt. so richtig aggressives betteln habe ich hier noch nie erlebt, nur in budapest und in rumänien, wo wir damals tatsächlich auch körperlich bedrängt wurden.

    das thema beschäftigt mich übrigens im moment auch sehr, weil mein kind ja doch immer wieder auf bettler trifft, teilweise eben auch auf verstümmelte, offensichtlich kranke und viele fragen stellt. manchmal gebe ich ein paar münzen, öfter aber nicht, gebe ich zu. ich habe dann aber auch kein schlechtes gewissen, es ist mir einfach nicht möglich jedem bettler etwas zu geben.

  59. 90 Praline 2. Juli 2009 um 11:00

    Erstaunlich ist die Menge der Beiträge; es ist also ein Thema, das vielen unter die Haut geht. Ich habe durch diese Diskussion meine Einstellung geändert: künftig gebe ich auch für Alk und Zigaretten.

  60. 96 esistgenug 2. Juli 2009 um 12:58

    Ein sehr interessantes Thema, das ich in meinem Blog auch mal aufgreifen werde. Habe da leider sehr viel schlechte Erfahrungen machen müssen..

  61. 97 julia 2. Juli 2009 um 13:30

    Also Strassenmusikern gebe ich eigentlich immer was, wenn ich kleingeld in der Tasche habe. Ich finde gerade im Sommer berichert es das Leben ungemein, wenn man ein bißchen Musik hört. Ich habe selbst einen Sommer(1995, wow ist das lang her)lang mit einem Bekannten Kleinkunst auf der Strasse gemacht, mit allem möglichen: Feuerspucken, einradfahren, Jonglage und auch Musik. Wir haben ganz gut verdient, aber wir mussten ja auch nicht davon leben.

    Hier gibt es eigentlich kaum Bettler, aber ich würde es von Fall zu fall abhängig machen, wenn die östlich aussehnde Frau mit einem Stoffbündel im Arm jammert, kriegt sie nichts, manch anderer ein Punk oder jemand, der einfach aussieht als hätte er die Kurve nicht gekriegt bekommt auch was.
    Ich sehe das aber nicht als „Helfen“ sondern eher als Bekämpfung der Ohnmacht, die einem Innewohnt, wenn man all die Leute sieht, die hinten runter fallen. Und das sind verdammt viele.

  62. 98 Praline 2. Juli 2009 um 13:34

    In einem meiner Beiträge hatte ich geäußert, daß ich eine Ausnahme bei Bettlern mit Hunden mache, in der Hoffnung, daß der Hund auch in Form von Futter etwas abbekommt und sein Herrchen das Geld nicht in Alk umsetzt. Ich wollte den Alk-Konsum nicht unterstützen, bin aber jetzt durch einige Mitdiskutanten anderen Sinnes geworden. Durch meine Verweigerung heile ich den Süchtigen nicht.

  63. 99 Regina trunseo 2. Juli 2009 um 23:03

    Wir sind ein kleiner Ort und trotzdem komme ich oft an Bettler vorbei, was mich ziemlich nervt. Ich gebe nichts, denn die haben immer (immer!) viel bessere Schuhe an als ich. Wahrscheinlich sollte ich betteln gehen, pfft.

  64. 100 rosa67 2. Juli 2009 um 23:15

    Ich finde die Diskussion sehr spannend, und es ist bezeichnend, dass sie hier so sachlich stattfinden kann ohne persönliche Angriffe.

    Ich finde die Diskussion auch sehr wichtig und habe sie heute (naja, zugegebenermaßen von der Arbeit aus) verfolgt.

    Da gibt es also die Meinungen: „Ich gebe gar nix“, „Ich gebe und möchte bestimmen, wem und wofür“ und „Ich gebe, weil ich geben möchte“

    Bis vor einigen Jahren hab ich eigentlich auch eher nur gegeben, weil ich es wichtig fand, und weil ich weiß, wie schnell man hier in diesem System durch alle sozialen Maschen rutschen kann. Wäre mir auch beinahe passiert, wenn ich nicht Freunde gehabt hätte, hätte ich mir auch keine Hilfe suchen können. Ich hab Glück gehabt. Und auch ich hab in dieser Zeit fröhlich geraucht, obwohl kein Geld dafür da war. Das kann ich also verstehen.

    Ich komme – wenn ich mit der U-Bahn zur Arbeit fahre – immer wieder an einem obdachlosen Mann vorbei, der in einem Fußgängertunnel nächtigt, zumindest in den warmen Monaten. Das rührt mich immer sehr an. Er liegt da, an seinem Kopfende sind seine Klamotten ordentlich gefaltet, die Schuhe stehen daneben. Nein, da ist es nicht dreckig und unordentlich. Unsere Wohnung ist unordentlicher. Das ist kein „ekliger Penner“, das scheint mir ein Mensch zu sein, der Pech gehabt hat. Er schläft noch, wenn ich an ihm vorbeigehe, er bettelt nicht. Und ich habe mir immer wieder überlegt, ob ich ihm ein Frühstück neben seine Klamotten lege. Aber immer, wenn ich dann ein Frühstück dabei habe, ist er nicht da.

    Ich habe mir auch überlegt, ob ich ihm damit seine Würde nehme. Dieser Begriff fiel ja nun auch in dieser Diskussion immer wieder. Ich finde es sehr wichtig, eines jeden Menschen Würde zu respektieren. Nun wohne ich in einer Großstadt.

    Ich möchte einmal geballt meine Erlebnisse mit bettelnden Menschen schildern:

    Als ich vor ein paar Jahren mit einem wunderhübschen Mann zusammen war, der wunderhübsche, annähernd hüftlange Haare hatte, wurden wir von einem Mann angebettelt, ob wir nicht mal ein paar Mark hätten. Hatten wir wirklich nicht. Mein Freund äußerte dies und wurde von dem Mann bepöbelt: „Ey, Du Arsch, schneid Dir die Haare ab, dann findste auch Arbeit!“ (das war nun wirklich ein absurdes Erlebnis, in dieser Form auch fast einmalig)

    Als ich noch mitten in Hamburgs City arbeitete und noch rauchte, da hab ich schon des Öfteren eine Zigarette spendiert, aber wenn man angesprochen wird, ob man bitte doch gleich ne Schachtel spendet, oder wenn einer aggressiv wird, weil man ihm nix gibt, aber dem Bettler von vor 100 m ja schon, dann mag man das bald nicht mehr.

    Ich wurde – als ich nix spenden mochte – am Rock gepackt und beschimpft, dass man mich nur doch mal ordentlich durchb..sen müsste …

    Ich habe mal einem bettelnden Mann gesagt, dass es vielleicht unklug ist, am Jungfernstieg am Fahrkartenautomat zu betteln, weil er da kein Alleinstellungsmerkmal hättte. Ich wurde von diesem Mann geschlagen, bis Passanten eingriffen.

    Hier vergeht keine S-Bahn-Fahrt ohne dramatische Geschichten, dass man eine Fahrkarte braucht, weil man Epilepsie hat und taub ist und blind und der Vater gestorben. Wenn niemand spendet, wird der taube blinde vaterlose Epileptiker sehr aggressiv und zudringlich.

    Nach all diesen Erlebnissen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass nicht nur bettelnde Menschen eine Menschenwürde haben, ich hab die auch. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich die Welt nicht retten kann. Ich kann sie schöner und bunter machen, aber ich kann all den armen Menschen nicht wirklich helfen. Ich finde es falsch, wegzukucken, das tu ich auch nicht. Ich mache mir Gedanken, was ich wie wem spenden mag und kann. Wie ich helfen kann. Ich kaufe hier die Obdachlosenzeitschrift, ich gebe Straßenmusikanten etwas. Ich versuche, Transfair-Produkte zu kaufen, wenn es finanziell einigermaßen hinhaut. Dadurch, dass mein Mann nun ein halbes Jahr arbeitslos war, ist bei uns auch nicht grad der Reichtum ausgebrochen, und wir müssen haushalten.

    Eines fällt mir noch ein: Als ich damals noch unbekindert war, konnte ich mir auch manchmal die eine oder andere Fernreise leisten, will heißen, einmal DomRep, einmal Cuba, einmal Ägypten. In der DomRep und Ägypten wurde extrem viel gebettelt (damals Cuba nicht, weiß nicht, wie es heute ist). Vor allem bettelten Kinder. Und mir tat das Herz weh, ich habe den Kindern kleine Spielzeuge gegeben, Lollies oder so, aber kein Geld. Mag sein, dass es ihnen auch irgendwelche Würde abgesprochen hat, aber ich hab mir gedacht, wenn die Eltern der Kinder sehen, dass ihre Kinder lukrativ betteln und viel Geld nach Hause bringen, dann betteln diese Kinder weiter und haben nie die Chance, dass sie vielleicht zur Schule gehen oder so. Ich wollte nicht dazu beitragen, dass die Kinder lukrativ betteln.

    Und noch etwas: Mag sein, dass meine Spendenverweigerung Menschen nicht von ihrer Sucht heilt, aber ich mag dennoch nicht Geld geben, damit andere Menschen saufen, rauchen oder sonstige Drogen nehmen. Dafür hab ich selbst nicht genug Geld. Das kann ich nicht finanzieren. Dann möcht ich mein Geld lieber für sinnvollere Hilfe „investieren“.

    Sorry, dass es so lang wurde!

  65. 101 Christian Severin 3. Juli 2009 um 01:13

    So, irgendwann sprengte mein langer Sermon zu dem Thema den Rahmen eines normalen Kommentars, daher hier:

    „Gaukler, Bettler und Säufer“.

  66. 102 amidelanuit 3. Juli 2009 um 08:37

    102 kommentare, fair und sachlich und anregend. ihr seid großartig!! :)

  67. 106 Blogolade 3. Juli 2009 um 20:49

    Tja, schwieriges Thema.

    Ich habe einmal sehr schlechte Erfahrungen gemacht, als ich IN einem Café mit 2 Freundinnen saß und eine Bettlerin mit Baby im Arm reinkam an unseren Tisch, einen Zettel mit Bettelbotschaft hinhielt. Keine von uns hat was gegeben, weil wir uns belästigt fühlten. Beim Rausgehen hat sie mit sehr schimpfendem Ton in einer mit unbekannten Sprache geredet (wahrscheinlich geflucht) und uns den Mittelfinger gezeigt. DAS war prägend. Es mag ja sein, dass sie kein Geld hat aber ich finde schon unangenehm genug, auf der Straße angebettelt zu werden. Wenn ich gerade zu Mittag esse, möchte ich das bestimmt nicht.

    Dort wo ich jetzt wohne gibt es scheinbar nur 2 Arten Bettler: einmal diese Mafia (?) deren Leute immer knien und wehleidig aussehen. Denen gebe ich nichts. Und alte Männer mit langen Bärten, denen man ansieht, dass sie nachts in Hauseingängen schlafen und die ihr Hab und Gut bei sich haben. Denen gebe ich gerne.
    Ach, ich vergaß, es gibt noch die Punks, die gerne mit Hunden und Kaninchen (Niedlichkeitsfaktor?) dort sitzen. Da tun mir immer die Tiere leid, die jungen Leute aber nicht, die könnten noch was aus ihrem Leben machen.

    Wenns irgendwie geht, lade ich einen Bedürftigen lieber auf eine Pizza oder einen Kaffee ein, da weiß ich sicher, dass das Geld gut angelegt ist und nicht in Alkohol und Zigaretten investiert wird.

  68. 107 Nebenjob 29. September 2009 um 16:56

    Ich fände es ehrlich gesagt wichtiger diesen Menschen zu einer Wohnung und einem Job zu verhelfen.

    Prinzipiell gebe ich kein Geld. Da gehe ich lieber in die nächste Bäckerei, kaufe ein Brötchen und gebe dies dem Bettler.


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