am wochenende entbrannte bei frau mutti in den kommentaren eine diskussion. sie hatte nichts mit dem thema an sich zu tun, sondern damit, dass eine kommentatorin folgendes schrieb und in der folge ein austausch über die offenheit der bloggersdorfgemeinschaft gegenüber kritik zu stande kam.
und ich muss gestehen – was diese karin dort schreibt stimmt zu einem großen teil. ich möchte die diskussion von dort nicht explizit hier weiterführen, es ging um was anderes und der kontext passt hier nicht. aber - es ist nicht das erste mal, dass ich das von nicht-bloggern höre und es macht mich stutzig dieses thema, denn auch in meinem privaten umfeld wurde mir genau dieses argument schon mehrfach genannt. und nicht nur diesen menschen ist das aufgefallen. auch mir fällt auf, dass kritik vom blogger an sich recht schlecht aufgenommen wird – ich nehme mich da keinesfalls aus. ich spüre förmlich wie bei vielen kommentatoren und interessanterweise eigentlich nur bei denen, die keinen eigenen blog haben, die köpfe rauchen um ein kommentar möglichst wertfrei und objektiv zu formulieren und dennoch ehrlich kritik zu üben. und in einer überwiegenden anzahl der fälle kommt es im schlimmsten fall zu bissigen antworten des bloginhabers oder anderer blogger und im besten fall zu beruhigenden antworten im sinne von „ja kann man auch so sehen, stimmt schon ABER…..“
ich verstehe die reaktionen, denn ich erlebe sie an mir selber sowohl als kommentator als auch als bloginhaberin und frage mich woran das liegen mag. eine antwort beziehungsweise ein eindruck könnte in der schilderung der oben genannte kommentatorin liegen: „Denn Blogger bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Schreibe als “Fremdling” einen beliebigen Kommentar zu einem beliebigen Thema eines beliebigen Blogs – Du wirst in 90 % der Fälle harsche Worte (”Dummheit” -”bodenlose Unverschämtheit”, etc.) als Reaktion zu lesen bekommen. Nicht einmal vom Bloginhaber selbst (das ist wohl a) uncool und b) unnötig)- nein, von Sympathisanten des Bloginhabers, die eifrig und bemüht den “Eindringling” wegbeißen wollen. Um den Frieden und die unantastbare Übereinstimmung in allen Fragen wieder herzustellen.“ das mag harsch formuliert sein, birgt aber eine wahrheit: menschen die bloggen empfinden sich nicht nur so, sondern sind in der tat eine eingeschworene gemeinschaft. sie kennen sich oft persönlich, zumindest entsteht aber im austausch der alltagsgeschichten von blog zu blog der eindruck, sich gut vielleicht sogar sehr gut zu kennen. und diese gemeinsamkeit schafft eine besondere form von kommunikation und sprache. ich empfinde die blogsprache im windel und mütterbereich und tatsächlich fast nur da, als eine sehr diplomatische und von nettiquetten durchzogene sprache. ich bin zb nicht einverstanden mit dem langzeitstillen einer bloggerin? nie im leben würde ich das so schreiben. allenfalls „mmh. nicht mein ding, aber go ahead.“ selbst wenn ich denke würde „büdde!?“ diese sprache schafft einen warmen und cosy ort für uns alle, wir fühlen uns verstanden, wir ahnen vielleicht mal die eine oder andere kritik im hintergrund, aber sie wird nicht näher ausgesprochen. und diese sprache und form von kommunikation führt dazu, dass uns (da mag man sich jetzt angesprochen fühlen oder nicht mit dem wir – ich formuliere es mal so) jeder kommentar, der nicht in dieser sprache formuliert ist aufschreckt wie der fuchs die hühner. denn wie soll ein kommentator ohne eigenen blog und damit ohne kenntniss dieser „geheimsprache“ wissen, wie wir formulieren? wie soll er um die nuancen wissen, mit denen wir eben doch eine form von kritik üben und äussern? er kann es nicht wissen und wir vergessen einfach sehr oft, dass ausserhalb unseres universums noch andere sprachen existieren.
nun kann man sagen „andere nicht-blogger formulieren doch auch „korrekt“!“ in der tat – aber die lesen schon ungemein lange mit. die en passant kommentatoren quasi – gerade die sind es, die gefühltermaßen in unsere idylle platzen und bratzen. das tun aber die wenigsten. es fühlt sich nur oft so an. natürlich gibt es ausnahmen – trolle zum beispiel. die sind aber auch leicht zu entlarven. die kommentatorin bei frau mutti aber, die empfinde ich genau als die en passant kommentatorin, die einfach schrieb – und in meinen augen übrigens überhaupt nicht angreifend oder einseitig oder ähnliches. wurde aber tatsächlich so wahr genommen.
ein weiterer grund ist natürlich die interpretierbarkeit von geschriebenen – wo gestik und mimik fehlt ist die bahn frei für spekulationen deluxe und denen ist man natürlich nie gerne ausgesetzt. die habe ich aber auch bei kommentatoren mit blog – allerdings, und da liegt der riesenunterschied: es fällt mir leichter das geschriebene einzuordnen, eben weil ich genug worte gelesen habe um mir ein bild zu machen und danach zu interpretieren. das funktioniert bei bloglosen kommentatoren eben nicht. beispiel? gerne.
frau wortteufel zb fand ich zu beginn sehr schwierig zu verstehen. ich konnte kaum irgendwas richtig interpretieren, bekam pochende halsschlagadern und war drauf und dran dort einfach nicht mehr zu lesen. und ich wette, ihr ging es mit mir ähnlich. aber – ich bin dran geblieben, habe fleissig bei ihr gelesen und allmählich ihre ausdrucksweise und den dahinter versteckten sinn und ihre art verstanden. mittlerweile weiss ich, wie ich die dinge einzuordnen habe und sie bei mir sicher auch – wir wissen um unsere sprache, weil wir voneinander wissen. ein entscheidendes ding!
und schlussendlich, bei allem verständnis für die kritik – natürlich ist und wird es immer so bleiben, dass man genau die blogs liest, die man auch mag und deren inhalt nahe bei einem selber liegt. dass es da so scheint und vielleicht auch tatsächlich so ist, dass sich mehr zustimmer als kritiker tummeln liegt doch irgendwie in der natur der sache. jeder blog hat sein thema, seine meinung, seine prägung – der schliesse ich mich an oder lass es bleiben. ich lese ja auch nicht die frankfurter allgemeine oder rosamunde pilcher – ich kann einfach schlicht mit beidem nichts anfangen. aber jetzt auf der FAZ oder frau pilcher rumhacken käme mir auch nicht in den sinn -leben und leben lassen würd ich sagen.
ich habe nun fast das ganze wochenende überlegt, wie die erkenntnis umgesetzt werden kann. lösungen im sinne von „ja muss ja niemand lesen hier!“ finde ich persönlich nicht zielführend, hat man sich doch mit dem medium „blog“ wirklich explizit die öffentlichkeit gesucht und lädt sich damit beides ein – die zustimmer und die kritiker. sollte man diesen gedanken wirklich haben, wäre eine konsequenz den blog nur einer bestimmten leserschaft zu öffnen und der rest bleibt draussen. das ist eine lösung, aber nicht für die, die eben öffentlich für alle schreiben wollen.
was aber heisst das nun für mich persönlich und meinen blog? eigentlich nichts, muss ich gestehen. denn es gab glaube ich, bis auf die 3-4 trolle die sich mal hierher verirrten in all den jahren, hier noch kein einziges mal kommentare die ich als wirklich echte harsche kritik empfunden habe. was mich auf der einen seite sehr freut auf der anderen aber ebenfalls stutzig macht: ist der wellness blog aus der vorhölle in wahrheit eine selbstbeweihräucherungsstation mit kritikloser kuschelgarantie? ich weiss es nicht. ich muss es vielleicht auch nicht wissen. drüber nachdenken werde ich sicher noch eine zeitlang.
was kann es aber vielleicht für meine vielen unbekannten und bloglosen leser bedeuten?
ich persönlich finde, ihr seid das salz in der suppe, ihr seid ein bisschen der frischwasserzuschuss im karpfenteich. ich mag auch probleme mit der blogsprache ausserhalb unseres universums haben, aber ich bin gewillt zu lernen. ich würde mir wünschen, dass manch einer, der sich vielleicht bisher nicht traute (und ich weiss um die hemmschwelle als blogloser leser zu kommentieren!) nun doch einfach mal traut. wir sind sicher eine große und eingeschworene gemeinschaft, aber ich ganz persönlich halte mich für offen genug platz zu machen und aufzunehmen.
wir können nicht-virtuelle sprachen lernen, dann doch wohl hoffentlich auch eine gemeinsame virtuelle !
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