ich habe folgendes problem.
wann immer ich mit lilly etwas mache, dauert es keine minute, bis ben scheisselkram anfängt und auf meine reaktion wartet. man nennt das wohl eifersucht. oder den wunsch nach aufmerksamkeit.
beispiel I: ich sitze im flur vor der offenen badtür und lege mit lilly wäsche zusammen. ben sitzt in der wanne und spielt vor sich hin. ich sage lilly, dass sie das ganze kleingemüse wie socken und unterhosen in einen wäschekorb schmeissen soll und werfe ihr die sachen zu, die auf meiner seite liegen. sie findet das großartig und lacht und kichert vor sich hin. ben fragt aus der wanne: „was macht ihr da?“ und ich antworte: „wir legen wäsche zusammen mein schatz!“ es vergeht keine minute, dann macht der bis dahin friedlich und gedankenverloren spielende ben exakt die sachen, die mich auf die palme bringen. er giesst volle becher auf den badboden, er schmeisst triefende waschlappen durch die gegend usw.
beispiel II: ben ist mittlerweile angezogen und fährt bobbycar in der wohnung. er fährt um den berg wäsche auf dem boden herum, er fährt schön am waschkorb vorbei. das geht solange gut, bis lilly kommt und mit meinem mann, der im flur steht, zu schmusen und zu kuscheln beginnt. von sekunde an rammt ben mit voller wucht den berg wäsche, er stösst den wäschekorb um – immer mit blick auf mich. wie reagiert muddern?
ja. wie reagiere ich. an guten tagen reagiere ich erstmal gar nicht, sage dann „hömma, scheisselkram, hör bitte auf damit!“ und biete ihm alternativen an zb. unfallbauen nicht mit dem wäschekorb sondern mit lillys bobbycar – in der art. an schlechten tagen reagiere ich scheisse sehr unbefriedigend für alle beteiligten. aber es ist zur zeit einfach so: ben ist anstrengend und er fordert mich heraus. und lilly – lilly ist derzeit zucker. im grunde macht sie auch ständig scheisselkrämchen und fordert mich heraus aber irgendwie, ich weiss nicht warum, kann ich damit besser umgehen. wenn sie schreit kann ich lächeln und spielerisch damit umgehen. schreit ben, bin ich völlig unentspannt und gereizt. im moment geschieht wohl das, wovor jede zweitgebärende früher oder später angst hat: man fühlt seine eigene liebe ungleich verteilt. das unterliegt phasen, soviel zum trost, aber es kommt vor. derzeit ist mir lilly sehr nahe, der charakter, die art mit dingen umzugehen – da ist viel von mir dabei. und ben zeigt eigenschaften, die mich alleine deshalb herausfordern, weil sie völlig konträr zu meinen laufen. oder – noch schlimmer – ich mich selber erkenne. ich glaube kaum jemand kann mir so schön einen spiegel vorhalten wie professor bienlein.
das sind, grob umrissen, die voraussetzungen. nun ist es so, dass ich ben im moment zu vermitteln scheine, dass wann immer ich mich ihm zuwende es aus dem grund geschieht, dass er scheisselkram macht und ich mich ihm deswegen nur negativ zuwende. ich würde gerne den momentanen zusammenhang „scheisselkrambauen“<-> „negative zuwendung“ aufbrechen. allerdings – und da liegt das problem: ich möchte ja tatsächlich nicht, dass er zb. den wäschekorb umstösst oder das bad unter wasser setzt. wir haben mal ein bisschen experimentiert und in solchen situationen nichts gesagt, freundlich gelächelt und null reagiert. bens reaktion? er hörte irgendwann sowieso auf. ich kann bloss nicht immer darauf warten, denn nicht immer gehts um so lappalien.
und jetzt mal meine frage: wie handhabt ihr das? reagiert ihr jedesmal? wie umgeht ihr diese dauerschimpfschleife? und wie würdet ihr mit dieser situativen eifersucht umgehen? ich nenne es bewusst so, denn eigentlich steht ben viel mehr in unserem fokus – auch sehr im positiven. wir loben ihn oft und ausdrücklich und wir haben im alltag nicht den eindruck, dass ben eifersüchtig ist – oft ist das gegenteil der fall, er liebt „seine iii-maus“. nur eben nicht in den situationen, in denen lilly mal mehr aufmerksamkeit zukommt als ben…..
ps. eine sache, finde ich, erschwert das ganze noch: der geringe altersunterschied. das gute jahr zwischen den beiden schlägt sich in unserer erziehung so gut wie kaum nieder. ben und lilly sind eigentlich wie zwillinge. zwar erlauben wir ben manche sachen und lilly noch nicht, wir begründen auch damit, dass ben älter ist – aber wir können, anders als bei einem größeren altersunterschied, noch nicht wirklich auf bens verständnis durch reife bauen. einem 4-5 jährigem kann man gut schon mal sagen „hör mal, so und so und deswegen machen wir das bei lilly so….!“ aber bei einem dreijährigen mit einer zweijährigen schwester geht das nicht bez. wird ganz stark als ungerechtigkeit empfunden von ben.
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