Archiv für September 2008

mein schutzengel

ich fuhr gerade eben übers land nach hause. auf einer strasse, auf der einem vielleicht alle schaltjahr mal jemand entgegen kommt. vor einer scharfen rechtskurve, die über einen hügel führt und an der auf der rechten seite meterhoch der mais steht, denke ich: fahr mal mehr rechts. und ich lenke nach rechts, so dass ich mit den rechten rädern des autos schon auf dem bankett fahre. und ich grinse noch und denke, übertreib ma nicht. zumal es schlecht zu fahren ist, weil der mais fast an die rechte autoseite schlägt. in dem augenblick kommt mir ein audi entgegen mit völlig überhöhter geschwindkeit und er rast auf mich zu und das erste mal in meinem leben kralle ich meine hände ums lenkrad und drücke die augen zu und denke: das wars. defintiv. diesmal erwischt es dich. mein auto schunkelt und wackelt, so wie es sich anfühlt, wenn man auf der autobahn von einem auto mit 220 überholt wird, ich kann den wagen fast körperlich spüren so nah fahren wir aneinander vorbei.

wäre ich nicht auf dem bankett gefahren, wir wären frontal zusammen geknallt. mir stehen die haare zu berge. noch jetzt. was immer es war – intuition, eingebung, schutzengel, gott him/herself: das war knapp. danke.

bens mülltüte

ich beschrieb das ja schonmal: wo anderer leute kinder mit fluffelig-schmusigem getier ins bett gehen und sanft angeschmiegt an plüsch oder frottee ins lummerland hinübergleiten, nimmt ben ausschliesslich plastik in form von autos, baggern oder traktoren ins bett. daran kann man nichts ändern, zumal er jegliche angebote weicherer materialien ablehnt. seit zwei tagen aber gibt es eine steigerung. die vorgeschichte ist, dass wir letzte woche seinen über alles geliebten rucksack bei einer freundin vergessen hatten und diesen bis heute noch nicht wieder haben. bisher war es immer so, dass ben zuerst seinen rucksack mit allerlei autos, baggern oder traktoren packte und wir erst dann hinaus in die große welt konnten. nun haben wir aber keinen rucksack. hinaus in die große welt wollen wir aber dennoch. woraufhin ben gestern nach einer mülltüte verlangte. als ich ihn fragte wofür, antwortete er: „für audos, bagger und bullogs!“. verstehe. ich gab ihm eine kleinere einkaufstüte und liess ihn packen. seitdem begleitet uns diese tüte bei allen hausverlassungen. und auch im haus wird sie so gut wie nie losgelassen. er hat sie oben zusammengeknüllert damit er sie besser fassen kann und diese tüte und sein händchen sind eine verwachsene einheit. und sie wird immer voller – kühe, ein hund und bauer heinz sind mittlerweile auch dabei. sowie ein laster und zwei müllautos. plus ein auto, ein bagger und ein traktor. gestern abend beim zubett bringen dann meine obligatorische frage: „ben, welches auto nimmst du mit ins bett?“ und ben, mein wunderbarer kleiner mann, blickt auf seine pralle tüte, die er fest in seinem händchen hält und er sagt: „viele! bitte viele mitnehmen!“ und weil ich ihn so sehr dafür liebe, dass er in manchen dingen seinen eigenen kleinen kopf hat und mit einer prall gefüllten einkaufstüte voller spielsachen ins bett gehen will und weil ich da viel von mir drin erkenne, sage ich zu ihm: „na klar. viele. viele muss sein!“

innere wahrheiten

in der zeit zwischen wachen und träumen betrete ich manchmal eine art gedanklichen zwischenraum. in ihm liegen meine inneren wahrheiten. es sind die wahren antworten auf fragen, die einem sagen ob man jemanden liebt oder nicht, ob man alles richtig macht oder was falsch läuft, ob man dieses oder jenes tun soll oder besser nicht….. diese wahrheiten sind in jedem von uns. tagsüber liegen sie tief in uns, verborgen vor neugierigen blicken, versteckt hinter schönem schein, geschützt durch eine dicke schicht selbsterhaltungswillen. tief in der nacht, wenn man hochschreckt und eine weile wach liegt um auf die nächste schlafwelle zu warten, die einen wieder mit nimmt, da kommen sie auch. aber sie kommen verzerrt und unwirklich daher. einzig in diesem dämmerzustand zwischen wachen und träumen, wenn man zu wach ist um zu schlafen, aber schon zu müde um sich zu regen, da fällt der schein und die dicke schicht selbsterhaltungswillen schwindet. es ist als würde sich ein spalt in die eigene seele auftun und dort liegt, was man schon längst weiss, aber sich nicht traut zu denken. dort liegt der gedankliche zwischenraum, der mit spiegeln ausgekleidet ist, die jede wahrheit aufdecken. dieser raum offenbart einem die schonungslosen antworten auf die fragen, mit denen man sich tagsüber rumschlägt. von denen man meint, dass man keine antwort hat, bei denen man seufzt und sagt „ach, ich weiss gar nicht, was ich machen soll!“, die einen plagen und triezen. dieser raum kennt die antwort. das verlässliche ist, dass die antwort schon längst in einem liegt. man bekommt keine eingebung von aussen oder bekommt den ultimativen tip. es liegt in jedem einzelnen von uns die antwort. ich habe mich jahre meines lebens gegen diese antworten gesträubt. ich bin erschrocken, zu tode, die wahrheit dort zu sehen. ich bin zurückgeschreckt, ich habe verneint, verleugnet, abgetan. aber wann immer ich an stellen in meinem leben kam, in denen es eine entscheidung gebraucht hat – früher oder später wurde klar, dass die antwort und die entscheidung schon längst da war. sie wurde nur nicht ausgesprochen, vielleicht weil sie so ungeheuerlich, so verwegen oder auch so verletzend gewesen wäre. irgendwann habe ich mir angewöhnt, bewusst hinzusehen und gelernt die scham oder das entsetzen oder die trauer erstmal auszuhalten. denn ich stellte fest: nur weil dort eine wahrheit liegt, muss sie noch lange nicht eintreten. aber mich mit der wahrheit zu konfrontieren, ermöglicht mir, mich rechtzeitig auseinanderzusetzen mit dem was eventuell schiefläuft oder auch einfach mit dem was kommen wird. und ich kann beginnen, was zu verändern – aktiv. das gefühl des ausgeliefertsein wird kleiner – wenn man zulässt, der wahrheit ins gesicht zu blicken, auch wenn es in dem moment weh tun mag oder einen erschreckt.

zum wochenstart

eine wochenendsschnöpselsammlung:

* frau nahles sagt auch tschimmsee. „……das ist doch nur was für die villenbesitzer am tschimmsee!“

* gestern abend anne will gesehen und es war kaum auszuhalten für mich, dass niemand einfach sagt: jau. versiebt. und zwar völlig. dieses rumgeiere, ausweichen, schön reden, drum herumreden. der liebste neben mir war entspannt. als alter politikwissenschaftler meinte der nur: wahrheit bedeutet den sicheren politischen tod. schlimm, aber wahr. 

* am späten samstagabend eine reportage über callboys gesehen. nachdem mich der große sex.report 2008 auf pro sieben schon einigermassen ins fremdschämland geschickt hat, gab mir die callboyreportage den rest. „ich küss dich jetzt mal, du weisst ja, die zeit läuft und zeit kostet geld.“ und dafür zahlt frau dann 450 euro + hotelkosten. söltsam.

* um lilly nachts zum schlafen zu bekommen, müssen wir tagsüber kurzfristig am mittagsschlaf kürzen. derzeit also tagsüber ein mickriges stündchen pause für uns. das ist ziemlich wenig, wenn man seit 6 uhr für unterhaltung sorgt. hat aber erfolg – denn lilly schläft wieder durch. dem herrn seis gepfiffen und getrommelt!

* an diese unkommunizierte, selbstverständliche duzerei in bayern werde ich mich nie gewöhnen. „du wohnst doch da und da, bist du mit deinen kindern nicht in der zwergerlgrupe?“ büdde? ich kann mich nicht erwehren, ich werde da erstmal leicht verstockt. ich kenne die frau nicht, die da meine wahlzettel in empfang nimmt, die kennt mich nicht und schon wieder werde ich nach dieser idotischen zwergerlgruppe gefragt. hat sich das noch nicht im dorf rumgesprochen, dass ich mich diesen gruppen verweigere? und kann man das nicht auch einfach mit „sie“ fragen?

* man kann schon mal „zwillinge bei der geburt getrennt“ denken, wenn man feststellt, dass man mit der liebsten freundin in zahlreichen bereichen völlig synchron läuft. und dabei sind wir eigentlich sehr verschieden. aber wenn sich an einem lupschigen sonntag im september ein hoher anteil der tagesaktivitäten plus der allgemeinzustand an sich komplett decken, ohne dass man sich vorher irgendwie gesprochen hätte, dann ist das höchscht verwunderlich.

* das focaccia-rezept:

zutaten: 600g weizenmehl, 400 ml wasser (lauwarm), 1 würfel hefe, 2 TL zucker, 1 TL salz, 4 EL olivenöl, grobes meersalz zum bestreuen, butter oder öl für form und belag und mehl für die arbeitsfläche.
zubereitung: lauwarmes wasser mit hefe, zucker und der halben menge mehl verrühren und ca. 20 min gehen lassen. restliches mehl mit salz und olivenöl in den vorteig einarbeiten und den teig geschmeidisch kneten. zudecken und an einen warmen ort 20-30 min gehen lassen, bis sich das volumen merklich vergrößert hat. auf einer bemehlten arbeitsfläche nochmals durchkneten und auf backblechgröße ausrollen. backblech mit butter oder öl bestreichen und den teig auflegen. abermals etwas gehen lassen. mit den fingern kleine vertiefungen in den teig drücken und in diese olivenöl oder butter streichen. mit grobem slaz betreuen. den teig mit einer gabel mehrmals einstechen und im vorgeheizten backrohr bei 210 grad ca. 25 min backen.
tips: verfeinern sie die focaccia, indem sie nach der halben backzeit frische kräuter (der liebste hat tymian und rosmarin genommen), mozarell, ziegenkäse, artischocken oder tomaten auflegen und mitbacken……ähnlich wie bei der ciabatta kann auch der focaccia teig durch die zugabe von klein gehackten getrockneten tomaten, artischocken oder beliebigen kräutern geschmacklich verändert werden.

Wohl bekomms! und allen anderen einen guten start in eine hoffentlich schöne woche!

wahl 08

familie ami geht nun wählen. leider ist die partei der bibeltreuen christen dieses jahr irgendwie nicht mit von der partie. die frage ist also: wo setzt frau ami dann ihre kreuzerl?

 

die „violetten-für spirituelle politik“ schienen mir eine schöne alternative. allerdings hab ich dann doch was anderes angekreuzt – den fassungslosen blick der csu heute abend, wenn die absolute mehrheit flöten geht, den wollte ich doch mal aktiv fördern.

18:43 uhr: hab ich doch gerne getan….nicht der rede wert.

focaccia

selbstgemacht vom liebsten. dazu chorizzo in rotwein, frische pilze mit knoblauch und in zitronenöl marinierte zuccini. und jetzt alle zusammen: „OHHHHH! WIE LECKER!“

kryptik

von zeit zu zeit ist es ratsam im leben umzusetzen, was im spiel gilt:

aufpassen mit dem schaden, keine aggro ziehen und wenns brenzlig wird, schnell eisblock machen.

emotionsangebot

emotionsangebot für dieses wochenende – jeder nehme sich, was er braucht:

ich wünsche euch ein was-auch-immer-euch-gut-tut- wochenende! habt musi im ohr und die sonne im herzen!

Geschützt: spinnöses hühnchen goes äffchen

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soundtrack

auf dem weg durch die dunkelheit nach hause schalte ich das radio ein. die ersten takte lang denke ich mir noch „gott wie klischeehaft!“ und muss beinahe lachen, als mir die ersten tränen die wangen herunter laufen. dann aber höre ich weiter dieser stimme zu und diesem lied und denke, dass es wie dafür gemacht ist, einem den kummer aus der seele zu ziehen und auf einem tablett zu präsentieren. und ich muss anhalten, weil ich durch die tränen nichts mehr sehen kann. so stehe ich am strassenrand und weine. 6 minuten 30 sekunden lang. dann ist das lied vorbei.  

und ich wische die tränen weg und fahre nach hause. schrecklich manchmal, diese tiefenwirkung von musik. isch bin da aber auch so empföndlöch!

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