heute beim einkauf in der buchhandlung stand ich vor einem regal mit kindergebetsbüchern. und was ich las, war der blanke horror. der allwissende, alles sehende gott, nichts bleibt vor ihm verborgen – religiöse neurose lässt grüßen. oder aber gebete in einem „lalalala“-ton, jedes zweite wort endet auf -chen oder -lein – verniedlichung bis zum abwinken. die vermittelten gottesbilder in der kinderbuchliteratur sind m.e. mehr als schwierig. wer hier schon länger mitliest weiss, dass ich religionspädagogik studiert habe und durchaus mit dem thema vertraut bin. kommt aber die frage: wie hälst du es mit der religion bei kindern? komme ich zu keinem wirklich befriedigendem ergebnis.
zum einen denke ich, dass sich werte und ein gewisses mass an ethik auch völlig ohne religiöse inhalte vermitteln lassen. die meisten christlichen grundsätze sind bei uns ohnehin im gesetz verankert und werden großteils in unserer gesellschaft auch vermittelt – auch ohne den ideologischen unterbau. „du sollst nicht lügen“ du sollst nicht stehlen“ – dazu braucht man kein allabendliches gebet oder die ein oder andere bibelgeschichte, das sind feste prinzipien die man seinen kindern ohnehin beinbringt bez. beibringen sollte. hinzu kommt, dass ich bei meinen wenigen anläufen abends vor dem schlafen gehen mit meinen kinder, beziehungsweise ben, zu beten regelmässig den eindruck gewann, dass die art der gebete oder leitsätze oder formulierungen einfach nicht altersangemessen sind oder aber, wie oben beschrieben, einen ideologischen weg einschlagen, den ich nicht mit meinen sonstigen erziehungsprinzipien über ein bekomme. also „frei“ beten? einfach erzählen, was heute für ein tag war, was passiert ist, revue passieren lassen? dazu brauche ich aber nicht zwangsläufig einen gott, der zu hört. das kann ja auch ein normales gespräch zwischen eltern und kind sein. wozu dann also „lieber gott,……“?
das ist die andere seite. die vorstellung, dass es im leben meiner kinder eine übergeordnete macht gibt, der man sich anvertrauen kann, der man etwas von seinen geheimsten gedanken, wünschen erzählen kann oder aber auch von vielleicht einer wut oder einem zorn über etwas – diese vorstellung finde ich sehr schön. erinnere ich mich an meine eigene kindheit, dann war es genau das, was ich so beruhigend fand: da gab es wohl jemanden, der mich mochte, der auf mich aufpasste, der bei mir war. dem konnte ich alles erzählen. er hat es nicht verraten. ich würde auch meinen kindern gerne so etwas anbieten – in das alter, in dem sie sich dagegen entscheiden können, kommen sie noch früh genug. warum soll ich also meinen kindern etwas vorenthalten, womit ich als erwachsener vielleicht nicht zurecht komme? darf ich das überhaupt? sollte das nicht mein thema bleiben und nicht auch zu dem meines kindes werden?
die üblichen stolpersteine, die vielleicht jetzt dem ein oder anderen durch den kopf gehen mögen, zum beispiel die berühmte theodizeefrage “wieso soll ich meinem kind einen gott vermitteln, der leid zulässt?“ oder auch „ist doch quatsch, wenn beim beten um was gebeten wird oder was gewünscht wird und dann wirds nicht erfüllt!“ kenne ich aus vielen unterhaltungen und ich kann für mich nur sagen, dass ich gott als keinen eingreifer wahrnehme. er ist ein beobachter und vielleicht ein tröster. er führt kein krieg, er lenkt kein verunfalltes auto, er tötet keine kinder. und wenn ich jemals in meinem leben gebetet habe, dann habe ich nie gewünscht oder erbeten, weil ich das schon immer einigermassen vermessen fand, gott um was zu bitten -meinetwegen soll er mich stärken und mir mut machen, mein leben mit seinen schwierigkeiten regel ich aber alleine. beide fragen hängen stark mit dem eigenen gottesbild zusammen, welches widerrum entscheidend für die religiöse sozialistation der eigenen kinder ist.
ist es unsere aufgabe, den kindern eine religiöse erziehung zukommen zu lassen, auch wenn wir selber nicht daran glauben? halten wir ihnen etwas vor, nur weil wir nicht glauben? und wenn wir glauben, überprüfen wir unser eigenes gottesbild, damit ausreichend raum für das kind ist, damit es sein eigenes bild erfahren und erleben darf? und wenn man nach allen überlegungen dann vermittelt, wie vermittelt man denn dann? geschichten? gebete? freie gebete?
wie handhabt ihr das mit dem glauben und der vermittlung desselben und euren kindern?
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