blogkinder und anderes

den ganzen vormittag bewegt es mich nun schon. die geburt von lola und noch mehr, dass sich das frischgebackene zweitkindelternpaar die mühe macht anderen menschen und mir per sms davon zu berichten. mitten in der nacht. nach einer geburt. keiner normalen geburt, sondern der geburt eines bloggerkindes:) wieviele menschen haben da jetzt eigentlich drauf hingefiebert? 50 100 200? eine menge jedenfalls. und immer wieder bin ich erstaunt, wie sehr das bloggen mein leben beeinflusst. da sitze ich morgens kniepernd am pc, weil ein kind geboren wird, von einer frau, die ich einmal in meinem leben getroffen habe, die ich aber schon ewig zu kennen scheine. ich fiebere mit wenn andere menschen ohne kinder wegfahren, ich überlege, ob es ihnen wohl gut geht, freue mich, wenn ich bilder sehe, die zeigen, dass sie ein bisschen heimgekommen sind, freue mich, dass ich den eindruck habe, dass sie kraft tanken. ich weine mit, wenn mistikack passiert, wenn menschen traurig sind, weil ihnen das leben quer kommt und die dinge nicht wie erwartet laufen, ich versuche mit worten zu trösten und in gedanken da zu sein. ich werde unruhig, wenn mal jemand nicht jeden tag bloggt und kryptische sachen hinterlässt, da hoffe ich dann, dass alles gut ist und bin beruhigt, wenn ich merke, andere fragen sich auch und wiederum andere können aufklären. ich bin beruhigt, wenn manche sich ehrlich äussern über probleme, die ich auch habe, wenn ich mich wiedererkenne und weiss „mensch, da gehts ja nicht nur mir so!“.

ich bin immer wieder fasziniert, wie alltäglich das bloggen für mich geworden ist, wie mein leben mit anderer leute leben verwoben wird, die ich sonst sicher nie registriert oder erlebt oder kennengelernt hätte. natürlich gibt es auch die reale welt mit all den wichtigen freundschaften, dem „von angesicht-zu angesicht“ - aber was bin ich froh über diese zweite virtuelle welt, die so unreal mittlerweile gar nicht mehr ist.

20 Antworten zu „blogkinder und anderes“


  1. 1 froilleinmuh 19. Mai 2008 um 12:51

    Wie Recht du hast. Wenn ich mal zurück blicke hatte ich vor gut einem dreiviertel Jahr nix mit Bloggen am Hut. Durch einen Websiten Wettbewerb bin ich auf einen Blog gestossen und durch ihn auf einige andere. Bis ich meinen eigenen „eröffnete“ Als ich den so einrichtete fiel mein Blick auf die ich glaube Top Blogs des Tages. Das war dann deiner. Hier bin ich kleben geblieben. Habe bei vielen Beiträgen zustimmend genickt, oder mitgemotzt und bei anderen schon das ein oder andere Tränchen verweint. Mein Freund der damit nix am Hut hat schaut mich so manches Mal sehr schief von der Seite an ;) Es ist so wunderbar zu fühlen dass da auch noch andere Menschen sind die so denken und fühlen wie ich. Oder von denen ich mir eine Kreativität anschauen und nacheifern kann. Oder, oder, oder. Erinnert mich ein bisschen an dieses Gefühl wenn man damals mit einer gemischten Gruppe für 1-2 Wochen in eine Jugendherberge gefahren ist und sich alles zu einem Haufen entwickelt hat.
    Und nun ist Lola das 2. Bloggerkind welches ich mitlesen darf dass es auf die Welt gekommen ist. Unerklärlich aber schön.

  2. 2 Anika 19. Mai 2008 um 13:02

    wenn das Internet dann doch wiederum das reale Leben bereichert, ist es wirklich toll. Doof wäre es nur, wenn es das reale zu ersetzen versucht.

  3. 3 nuufirella 19. Mai 2008 um 13:08

    Ja, es ist immer wieder faszinierend wie süchtig es macht am blogger-Leben anderer teilzuhaben :-)

  4. 4 soulsilence 19. Mai 2008 um 13:13

    Sehr schön geschrieben, liebe Frau Ami. Besser hätte man es nicht sagen können.

  5. 5 xatharina 19. Mai 2008 um 14:23

    Sehr geehrte Frau Ami!
    Ich bin auch froh, dass das Bloggen so alltäglich für Sie ist, denn ich freue mich, hier täglich vorbeizuschauen. Genauso bin ich mittlerweile Stammgast bei vielen Ihrer Kontakte. Und nehme Anteil an deren Leben, freue oder ärgere oder bibbere mit ihnen.
    Ganz selten schreibe ich einen Kommentar dazu. Und da frage ich mich manchmal, was Blogger denn über Nicht-Blogger denken, die zwar von den Blogs profitieren (ja – profitieren, denn ich lese nicht nur aus Neugier, sondern bin fasziniert wie diskutiert, philosophiert oder das Leben gemeistert wird und sehe dann oft meine Probleme in einem anderen Licht), selbst aber eben nichts von sich preisgeben, da sie ja keinen Blog haben. Und habe manchmal ein schlechtes Gewissen. Und oft habe ich mir auch überlegt, wie es wäre, wenn ich denn bloggen würde. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich jeden Tag die Zeit finden würde, aber vor allem, ob ich so spannend schreiben kann (und Themen finden würde ;-) ) wie viele hier. Und so freue ich mich an dem, was andere schreiben, z.B. die Ankunft von Lola!
    (Aber interessieren würde mich doch, wie Blogger das sehen!)

  6. 6 Pampersfront 19. Mai 2008 um 14:24

    Ach liebe Ami, es geht mir heute genauso wie dir! Und du hast wieder die passenden Worte gefunden! Ich bin ja gespannt, wie es mir jetzt mit 10 Tagen ohne die Neuigkeiten aus Bloghausen geht….so lange ohne PC war ich seit Jahren nicht mehr.

  7. 7 fraubergzwerg 19. Mai 2008 um 15:33

    Letztens schaute ich alte Bilder durch, von unserer ersten Busreise in den goldenen Westen an einen wunderschönen See in Bayern. „Ach da irgendwo wohnt ja die Frau Ami“ :O)…. ich habe es aber für mich behalten – hätte ja eh keiner kapiert ….;O) und als wir letztes Jahr Richtung DK unterwegs waren, habe ich auch auf der Landkarte nach Bloggern gesucht an denen wir vorbeifuhren. Alles ganz schön verrückt.

  8. 8 musgrave 19. Mai 2008 um 16:35

    Ja, und selbst als (meist) stille Mitleserin, ohne irgendeinen von euch jemals getroffen zu haben, seid ihr doch irgendwie ein Teil meines Lebens geworden, und ich freue mich, Anteil nehmen zu duerfen, die Geburten und Leben eurer Kinder ‘miterleben’ zu duerfen, an eurem Leben teilzunehmen, festzustellen, wieviele Gemeinsamkeiten und aehnliche Lebenssituation man durchlebt – und fuer mich immer auch gleichzeitig meine taegliche Verbindung mit einem Stueckchen Heimat.

    Danke!

  9. 9 workingmum 19. Mai 2008 um 17:00

    Dem ist nix mehr hinzuzufügen … Können Sie jetzt auch schon Gedanken lesen, werte Frau Ami?

  10. 10 amidelanuit 19. Mai 2008 um 17:25

    xatharina
    ich persönlich habe damit überhaupt kein problem, dass ich dinge preisgebe und hier leute kommentieren oder auch nur mitlesen, und ich von denen kaum oder gar nichts weiss. meine entscheidung mich zu „veröffentlichen“ hat ja nichts mit anderen zu tun, sondern betrifft nur mich. von daher – manchmal wäre ich neugierig und würde gerne mehr wissen, aber dann würde (oder habe auch schon) einfach mal gemailt. sie sind mir daher auch nicht bloggenderweise sehr willkommen:))

    frau pampersfront
    ach herrje. sonst geben sie doch ihre handynummer raus – ich halte sie gerne auf dem laufenden:))
    (alles gute für den umzug!)

    workingmum
    ach, wenn ich DAS nur könnte:))

    @alle anderen
    hach. schön:)

  11. 11 Feuervogel 19. Mai 2008 um 20:18

    Da sprechen Sie mal wieder ein großes Wort gelassen aus. ;o) Ich bin nämlich auch sehr, sehr froh, dass ich Sie „kenne“.

  12. 12 tonni 19. Mai 2008 um 20:21

    Wunderbar geschrieben Frau Ami.

  13. 13 Maren 19. Mai 2008 um 21:50

    Tja, so gehts mir auch.

    Ich selbst habe diese Anteilnahme fremder Leute an meinem Leben irgendwann als sehr sehr unangenehm empfunden (dabei hatte ich nichtmal was zu erzählen!), weswegen ich das Blogdings dann auch dichtgemacht habe. Ich blogge nur noch im sehr sehr kleinen Kreise, da fühl ich mich wohl. Da bin ich Mensch, da kann ichs sein :) aber so „öffentlich“, ich bring das irgendwie nicht mehr.

    Nichtsdestotrotz wird meine Blogliste immer länger und auch die „Muttiblogs“ (bei mir im Feedreader laufen die unter „Familie & Kinder“) und ich find diese winzigkleine Anteilnahme auch schön, macht mir Spaß. Ich fands aber auch irgendwie… nun, seltsam, das sich heut emorgen um halb 8 ernsthaft dachte „ob Lola wohl schon da ist?“. Und ich hab die June NOCH NIE getroffen, ja ich lese ihr Blog noch nichtmal besonders lange.

  14. 14 Zeitlos 19. Mai 2008 um 22:00

    Bloggen und vorallem Bloglesen ist abends ein bisschen wie „richtig nach Hause kommen“. Erst in der Wohnung durch alle Zimmer und dann einmal durch die Blogroll. Wer hat was erlebt? Wo ist was passiert?

  15. 15 Frau Antonmann 19. Mai 2008 um 22:31

    Ich komme erst jetzt dazu, deinen Artikel zu lesen. Das hast du schön geschrieben. Miteinander verwoben, ja…

  16. 16 schlapunzel 19. Mai 2008 um 23:21

    Und manchmal bringt das Bloggen auch so manches gehörig durcheinander und dann ist es auch noch ansteckend…eine wilde Sache ist das! ;-)

  17. 17 Jeanie 20. Mai 2008 um 00:01

    Da haben Sie mir wieder einmal total aus der Seele geschrieben liebe Frau Ami!

    Ich sitz auch oft hier und lese und leide und freue mich mit „meinen“ BLoggern. Einen Tag ohne (mehrmalige) Blogrunde kann ich mir kaum noch vorstellen und ich ertappe mich oft dabei irgendwie im Chaos des Alltags in Gedanken bei jemand zu sein, der wahrscheinlich nicht mal richtig weß, daß es mich gibt. Mein Man hat schon des öfteren mal den Kopf über mich geschüttelt, weil ich ganz selbstverständlich (für mich) irgendeine Bemerkung gemacht habe die ein Außenstehender gar nicht verstehen kann ;-)

  18. 18 giftzwerg 20. Mai 2008 um 17:15

    Oje, „zwei dumme, ein Gedanke“ sagte man früher bei uns… ;)
    Das hast Du schön geschrieben!

  19. 19 Leanders Mami 31. Mai 2008 um 22:17

    Ich gehöre ja eher zu den Bloggern aus der zweiten Reihe – ich blogge nicht täglich, nicht alles. Und trotzdem finde ich es fasinierend, wie viele verschiedene Menschen ich dadurch bereits kennengelernt habe. Die meisten leider nur virtuell. Aber das macht nichts, denn auch, wenn ich nicht täglich blogge, so freue und leide ich mit allen mit, die mich dankenswerterweise an ihrem Leben teilhaben lassen. Vl kann ich ja auch ein Stückchen dazu beitragen, die Bloggerwelt bunter werden zu lassen. Mich würde das freuen.


  1. 1 Ja, was denke ich mir denn? « Frau Antonmann Trackback zu 20. Mai 2008 um 15:56

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