anziehungskraft

ich weiss nicht woran es liegt, aber ich hab wohl eine seltsame ausstrahlung auf menschen mit einem erheblichen problem. oder zwei. oder ganz vielen. steht in einer menschenmasse ein penner, quatscht er garantiert mich an. hängen irgendwo bekiffte jugendliche rum, bin es garantiert ich, der hinterher geblökt wird. und gibt es eine möglichkeit für mich in die fieseste ecke von new york zu fahren, ohne es zu wissen, dann bin ich das. so wollte ich 1997 mit der u-bahn in den südlichen teil manhattans fahren. an sich kein problem, ist man jedoch mit einer rechts-links schwäche geplagt wie ich, die sich wohl offensichtlich auch auf up and down bezieht, dann kann man schon mal kartentechnisch gesehen oben landen und nicht unten am zipfel. ich sitze also friedlich in dem waggon, denke ich fahre downtown und fahre derweil uptown. die hautfarbe wird immer dunkler im abteil. ich merke immer noch nichts, ausser dass ich mich wundere, dass mir die haltestellennamen so gar nichts sagen. vergass ich zu erwähnen, dass ich in manchen situationen mit einer sensationell langen leitung gesegnet bin? irgendwann war ich die einzige weisse im abteil und wurde betrachtet: mal neugierig, mal verwundert, mal arrogant, mal mit kopfschütteln. irgendwann kam die lautsprecherdurchsage, dass der zug nun am ende der linie angekommen sei und ich auszusteigen hätte. ah ja prima. also raus. spätestens da wurde dann auch mir klar, dass ich nicht im schicken manhattan angekommen war sondern irgendwo nördlicher (ich weiss bis heute nicht genau wo). doch statt sich einfach in den nächsten zug zurückzusetzen wollte ich wenigstens mal oberirdisch einen blick aufs geschehen schmeissen. hätt isch ma bleiben lassen sollen. da lagen menschen auf der strasse, die sich mit kaffeebechern unterhielten und  - sie erinnern sich? die penner und ich? - sich sofort mit begeisterung auf mich stürzten und schlussendlich dem kaffeebecher und mir wirres erzählten. von ferne entdeckte ich einen einkaufsladen, betrat den laden und alles verstummte. ich wurde betrachtet, dann stand die enorm dicke schwarze verkäuferin an der kasse auf, kam auf mich zu, alle menschen in der schlange vor der kasse nickten weise, die dame nahm mich wort.los am arm, zog mich aus dem laden, lief die 300m zur u-bahn station, immer noch wortlos, ging hinunter, stellte mich an den richtigen gleis und meinte: das ist kein platz für ein weißes kleines mädchen, heimfahren und nie mehr wieder kommen.

morgen dann die geschichte, in der mein damaliger mann einem drogendealer in der bronx von minneapolis helfen will und wie man einen kickstart mit einem wohnmobil hinlegt.

22 Antworten zu “anziehungskraft”


  1. 1 rebenwanderin April 30, 2008 um 8:57 Uhr vormittags

    Naja, ausgeprägtes Helefersyndrom, durch eine unbekannt Kraft wirst du dort hingeführt, wo Du “gebraucht” - nicht unbedingt gewollt - wirst….hihi, deshalb bist du jetzt auch ein Sozi :)

  2. 2 Maria April 30, 2008 um 9:07 Uhr vormittags

    Also du kannst vielleicht Stories erzählen, da schlackern einem ja die Ohren. Sagen sie mal, wo waren sie denn sonst noch so alles? *kopfschüttel*

  3. 3 FroilleinMuh April 30, 2008 um 9:38 Uhr vormittags

    schmunzel..

    liebe Fr. Ami, es wird Ihnen nicht weiter helfen, aber mich beruhigt es irgendwie dass ich nicht alleine mit meinen Schwächen oder der unbewussten Vorliebe für Fettnäpfchen bin ;)

  4. 4 jette April 30, 2008 um 10:09 Uhr vormittags

    Also das mit der dicken Schwarzen, die sich da um sie kümmert, das brennt sich grad als ganz wundervolles, saukomisches Bild in mein Hirnlein. Ich möchte mich totlachen.

  5. 5 Maren April 30, 2008 um 10:11 Uhr vormittags

    LOL
    Können sie die Geschichte nicht heute schon erzählen, bitte?!

  6. 6 Klabauter April 30, 2008 um 10:14 Uhr vormittags

    Trösten Sie sich, ich kenne Leute, bei denen diese Anziehungskraft so ausgeprägt ist, dass Sie diese merkwürdigen Leute in deren Freundeskreis wiedertreffen… Ich gehöre ja zum Glück nicht zu deren Freundeskreis, muss mir insofern keine Gedanken über mich selbst machen, ich bin ja bloß Fam. äh. nein, das sag ich jetzt nicht…

  7. 7 Klabauter April 30, 2008 um 10:15 Uhr vormittags

    hier gibts nen Kommentarfresser… Ne, also *das* schreibe ich nicht nochmal…

  8. 8 Nadeg April 30, 2008 um 10:17 Uhr vormittags

    Hätte glatt ne Story von mir sein können. Wobei ok, wenn nicht mal ansatzweise nen Name kommt den ich kenne werd ich komisch. *grübel*

    Aber hört sich lustig an. Auch wenns sicher nicht so war… *grins*

  9. 9 Anika April 30, 2008 um 10:51 Uhr vormittags

    hihi, aber dass die “mama” dich extra bis zum Gleis gebracht hat, ist ja niedlich;-)

    (hast Du dabei gezappelt? oder bist wortlos hinterhergestolpert?)

  10. 10 Susi April 30, 2008 um 10:58 Uhr vormittags

    Hallo, wirklich gruselig… Uns ging es mal in Berlin so. Abends angekommen, auf der Suche nach einem Restaurant… Einmal links abgebogen, statt rechts. Wir wunderten uns schon, warum so wenig Leute und schließlich gar keine mehr rumliefen… Die Straße recht finster, aber ein Döner-etc.-stand/Laden am anderen. Als wir an der nächsten “Kneipe” das Schild mit der Aufschrift “Deutsche müssen draußen bleiben!!” lasen, haben wir gemacht, daß wir wegkamen. Mitten in Berlin, Deutschland - das muß man sich mal vorstellen. Bin eigentlich nicht ängstlich veranlagt, aber da gruselte es mich wie verrückt… Und das, obwohl wir wenigstens zu zweit waren und nicht wie Sie, allein.. Uahh. LG und ein schönes Wochenende, Susi

  11. 11 June April 30, 2008 um 11:02 Uhr vormittags

    sie erstaunen mich zutiefst. ehrlich. da kann man ja mal sagen sie hatten glück.
    gespannt warte ich dann auf die morgige geschichte. schon mal daran gedacht mit ihrer schreibe und ihrem unschlagbaren humor und der tollen gabe geschichten die das leben schrieb so wunderbar bildlich zu texten ein buch zu schreiben? mal im ernst. das sollten sie tun. das ginge ja dann auch mit ohne vollem betreuungsplatz. ;-)

  12. 12 June April 30, 2008 um 11:03 Uhr vormittags

    grrr…kommentarfresserchen.
    ich werde jetzt hier nicht fünfzignachfragkommentare dranhängen, auch nicht zur allgemeinen belustigung. hoffe sehr mein kommentar von eben ist nur kurzzeitig in den wordpresstiefen verschollen…

    wollen sie am freitag zum kaffee kommen liebste ami?

  13. 13 Moritz Papa April 30, 2008 um 11:42 Uhr vormittags

    Sie erleben ja Sachen. Diese Anziehungskraft hat immerhin den Vorteil, dass sie uns diese wunderbaren Stories beschert.

  14. 14 amidelanuit April 30, 2008 um 12:08 Uhr nachmittags

    nadeg
    die geschichte, wie alle geschichten hier in diesem blog, stimmt. ich könnte sie natürlich auch nüchtern mit drei sätzen erzählen, dann wäre sie aber nicht mehr sonderlich lustig. ich glaube, es ist einfach oft die erzählweise oder die betrachtungsweise, die meine geschichten wirklich lustig machen - inhaltlich stimmt jede einzelne.

    anika
    ich hab ganz viel geredet, weil ich so aufgeregt war. ich wusste gar nicht, wie mir geschieht, die frau war wirklich total stumm, aber allein ihr auftreten war so deratig überzeugend, die brauchte gar keine worte und genau das hat mich so verunsichert, dass ich ihr erstmal ganz haarklein in grottigem englisch erzählt habe, warum ich überhaupt hier bin:))

    june
    :) nee….lieba nich`. ich meinte das mit dem buch. mit dem kaffee, da sach ich “JJJAAAA!”. ginge auch schon vormittags? ohne kinder, dafür bis ca. 14 uhr?

  15. 15 June April 30, 2008 um 12:53 Uhr nachmittags

    kaffee geht immer! bennet ist halt da, aber dat macht ja nüscht…
    kommse kommse gerne gerne…würd misch total freun! ;-)

  16. 16 Nadeg April 30, 2008 um 1:53 Uhr nachmittags

    Ich meinte eigentlich das es wohl nicht sonderlich komisch für dich war. ;) Nicht das die Geschichte nicht stimmt. ;) *mich mal erklär*

  17. 17 eumelmama April 30, 2008 um 2:34 Uhr nachmittags

    Frau Ami,
    wunderbar, wirklich, was Sie so alles erlebt haben. Auch wenn es mit Sicherheit gar nicht lustig war, das alles in dem Moment haunah selber zu erleben.


    Ich finde, mein Leben ist wirklich langweilig.

  18. 18 maike April 30, 2008 um 3:49 Uhr nachmittags

    liebe frau ami, das ist mir auch passiert. ich bin zwar nur am falschen ende des central parks ausgestiegen, wollte aber durch diesen zurückspazieren und…naja…da redeten leute hinter baeumen nicht nur mit kaffeebechern…
    ich bin dann bus gefahren bis mir die haltestellen wieder bekannt vorkamen.

    aber r e s p e c t für die dame, die sie wieder auf den richtigen weg gebracht hat. sehr nett.

  19. 19 amidelanuit April 30, 2008 um 7:18 Uhr nachmittags

    die dame war grandios!!

  20. 20 jochmet April 30, 2008 um 8:04 Uhr nachmittags

    Eine Kommune zieht auch Leute komisch an. Hier stapfte schon zwei Wochen ein Rastazottel durch die Strassen. Er spricht Leute auf Englisch an (obwohl er Deutscher ist) und trägt einen riesigen Seesack. Nur eine Frage der Zeit, bis er bei mir Zuhause auftaucht. Und so geschah es. Blop, flitzte er an einer heimkommenden Mitbewohnerin vorbei durch die Haustür. Von einem anderen Kommunarden verwirrt angesprochen, was er hier eigentlich zu suchen habe, antwortete er nur: “Warum?” Und gefühlte 10 Minuten später “Raucht ihr?”.

  21. 21 Katharina Mai 6, 2008 um 3:31 Uhr nachmittags

    Großartig!
    Lese mich seit einer Stunde durch die Einträge, nachdem ich über Frau…äh…Mutti hier hinein gestolpert bin. Wunderbar kurzweilige Art zu schreiben. Identifikationsfaktor 95%.
    Das fetzt.

  22. 22 amidelanuit Mai 6, 2008 um 6:15 Uhr nachmittags

    herzlich willkommen katharina!!

Eine Antwort hinterlassen