zoo und martin - levin

wir kommen im zoo an. gemeinsam mit 2000 anderen menschen. die kinder schön verpackt in zwei buggys, wobei ben ständig nur rumrennt. weiss der henker, was die großeltern vor zwei wochen mit ihm angestellt haben, aber wo vorher immer nur das gejammere nach einem buggy zu hören war, hört man jetzt nur noch geschrei nach “laufe!”. also “laufe!”, was insbesondere für das ben zugeteilte elternteil gilt. wir kommen bei den flamingos an und stellen lilly und ben an den zaun. lilly hüpft von einem auf das andere bein vor aufregung und schreit vor aufregung wie am spiess. könnten flamingos die augenbraue heben, hätten sies getan. ben erzählt den flamingos ständig, dass sie endlich ins wasser gehen sollen “wassa!! gehn!!” und die frau neben mir erzählt ihrem mann, was für schöne störche das sind. der einwand des mannes, dass doch auf dem schild steht: flamingos beachtet sie gar nicht und erzählt dann das sei doch eh alles das gleiche und sonst bringen halt die flamingos die kinder. sicherheitshalber halte ich zu dem rosa federvieh mal abstand - ich bin seit jeher der meinung mit dem dritten würde ich definitiv unschärfer sehen. so schwummrig, so. jedenfalls steuern wir auf das affenhaus zu und ben, der ohnehin immer wilder und unruhiger wird durch den ausfall des mittagschlafes, dreht völlig durch. er rennt weg, ich hinterher. er lässt sich auf den boden fallen und schreit. wunderbare situation. und als ich vor dem affenhaus meinem wegrennenden sohn hinterher schaue, da fällt mir der beitrag von frau wortteufel ein, über den ich mich ziemlich geärgert hatte, obwohl ich ahne, aus welcher situation heraus er entstanden sein könnte. was aber nichts daran ändert, dass ich in dem moment vor dem affenhaus genau diese situation hatte. ben rennt weg, ich schreie hinterher, er reagiert null, ich denke mir lass ihn ma rennen, dass widerrum interessiert ihn einen scheiss und schwupps schliessen sich die automatischen türen hinter ihm. also: was tun? natürlich hinterher. das ist die krux am eltern sein. man verrrät letztendlich immer seine prinzipien, die man sich als kinderlose selber mal gesetzt hat. “soll das kind halt mal wegrennen, wenn ich nicht hinterher renne wird es schon merken, dass er nicht einfach wegrennen kann”. jaja muahaha. obwohl ich mich für einigermassen entspannt und experimentierfreudig im erziehen halte - meinen zweijährigen lasse ich nicht in menschenmassen alleine rumrennen, damit er lernt, dass er nicht wegrennen darf. also hinterher. natürlich weiss er das. er weiss, dass ich immer wieder komme und ich weiss, dass er sich um die drohung “die mama geht jetzt!” einen feuchten dreck kümmert - er wird wegrennen. entwicklungspsychologisch gesehen ist das gar nicht mal so schlecht, scheint das urvertrauen von ben so gestärkt zu sein, dass er sich traut alleine wegzugehen, im vertrauen, dass seine mutter da ist oder ihn holt. mutterrehemalskinderlosprinzipientechnisch aber ist es ein desaster. vorallem, wenn man dann noch bemerkt, dass einem eine heerschar an menschen hinterher schaut, die abends in ihre blogs schreiben, wie weicheirig die mutter mit ihrem kind umgeht und letztendlich doch hinterher rennt. wenn ich es an anderen orten dann so mache - an orten, die geschützt sind ohne autos, vor die ben rennen kann, ohne menschenmengen, in denen er verloren gehen könnte- dass ich ihn mal rennen lasse und ich selber in eine völlig andere richtung gehe, und er dann heulend hinter mir her rennt, dann nehme ich ihn selbstverständlich in den arm und tröste ihn.

ich bin frau wortteufel, trotz bereits verflogenem ärger, dankbar, dass sie aus kinderloser sicht die begegnung mit eltern und ihren kindern beschreibt. das bringt mich immer mal wieder dazu mein verhalten als mutter in der öffentlichkeit zu reflektieren - schaden tut das sicher nicht. auf der gegenseite bitte ich aber um ein bisschen verständnis, wenn man als eltern dinge tut, die nicht jedem einleuchte, sei es kinderlos oder mit kindern. erziehung ist eines der schwierigsten. ständig haut man prinzipien über bord, ständig stellt man neue auf, ständig muss man revidieren, modifizieren und manchmal auch aufgeben. das ist nicht einfach und ich denke ein bisschen verständnis dafür wäre angebracht. es reicht schon, dass man sich selbst in solchen fällen unzulänglich fühlt, da möchte ich nicht abends von anderen schrecklichen eltern lesen müssen und mich selber darin wiedererkennen.

(wir waren in salzburg im zoo, also übrigens keine örö´s!)

13 Antworten zu “zoo und martin - levin”


  1. 1 Karin April 13, 2008 um 5:15

    Ganz ehrlich: ich verstehe euch beide. Ich habe bei dem Martin-Levin Beitrag auch … geschluckt. Erst gedacht: jaja, so Eltern kenn ich auch. Dann weiter gedacht: ja, ich wirke vermutlich auch manchmal so. Und weiter gedacht: wenn die wüsste, wie das ist… und dann weitergedacht: Wortteufel = Wortteufel, witzig wars allemal (obwohl ich schlucken musste) und wir suchen im Moment eh keine Badezimmersachen aus, wir können es gar nicht gewesen sein..
    Also, Frieden im Bloggerland!

  2. 2 stilke April 13, 2008 um 5:55

    satire ist manchmal dazu da, dass sie einem ueberspitzt die eigenen unzulaenglichkeiten vor augen fuehrt…
    peace! :-)

  3. 3 workingmum April 13, 2008 um 7:13

    Frau Ami, Sie haben ganz richtig gehandelt. Denn wenn sich die Menschenmassen um´s eigene Kind drängen, dann kann man halt nicht anders! Wenn Sie dann mal wieder allein auf weiter Flur sind, können Sie ´s ja noch mal mit dem Stehenlassen probieren … so habe ich es zu mindest gemacht.

    P.S. Trotzdem (mit zwei Plagen) musste ich über Frau Worteufels Artikel grinsen … vielleicht,weil wir es auch nicht gewesen sein können *hhihihihi*

  4. 4 Ansku April 13, 2008 um 9:00

    Ich will mich ja hier nicht in irgendwas einmischen, aber ich habe den Beitrag von Wortteufel so verstanden und das ist auch meine Meinung, dass man natürlich NICHT ein zweijähriges Kind mitten im Zoo stehenlässt, “um mal so auszuprobieren wie das Kind reagiert, wenn die Mama weggeht” und ich glaube, das würde auch kein Mensch verlangen, egal ob mit Kindern oder kinderlos. Natürlich hab’ ich auch Verständnis dafür, dass ein Kind oft einfach nicht hört und man dann aus der Situation heraus zu anderen Maßnahmen greifen muss. Den Gedanken mit dem Urvertrauen finde ich sehr schön und sehr wichtig.

    Nur leider gibt es halt auch solche Eltern, die ihr Kind über alles andere setzen und das Kind wird verwöhnt und dem Kind wird alles recht gemacht und dem Kind (meist um einiges älter als zwei jahre) wird hinterhergerannt, -getan und was weiss ich noch gemacht. Von diesen Eltern gibt es leider (in meinem Umfeld) immer mehr und Kinder dieser Eltern dürfen (nur als Beispiel!) dann im Laden rumlaufen und schreien und toben und die Eltern sagen gar nichts, eher im Gegenteil: wenn man die Eltern höflich darauf hinweist, dass ihr Kind mich gerade fast über den Haufen gerannt hätte, oder bittet, ob es nicht auch etwas leiser geht, gilt man sofort selber als kinderfeindlich, weil die Kinder müssen sich doch ausleben und so weiter und sofort. Auch etwas überspitzt gesagt, aber so jedenfalls meinte zumindest ich den Beitrag von Wortteufel verstanden zu haben, so habe ich diese eine geschilderte Situation verstanden und - Satire hin oder her - so etwas finde ich auch oft ziemlich nervig (und auch traurig für die Kinder, die keine Grenzen gesetzt bekommen), obwohl ich ansonsten wirklich verständnisvoll bin.

    Ich hoffe, das ist verständlich und nicht allzu verschwurbelt geschrieben. :)

  5. 5 schlapunzel April 13, 2008 um 10:13

    An alle Kinderlosen da draußen: ich sag es euch, habt mal ein Kind und ihr werdet es verwöhnen, betüddeln, verhätscheln und beschützen wo und wann immer es geht…ich machs und fühle mich bestens dabei. Wenn ich könnte, würde ich meinem Kind die Sterne vom Himmel holen, ganz ehrlich…Gerade Situationen, in denen Kinder anderen, meist kinderlosen Menschen auffallen, sind oft für Eltern völlig harmlos und nicht der Rede wert…da sie wesentlich schlimmeres, wesentlich härteres und wesentlich stressigeres gewöhnt sind. D.h., wenn Kinder nicht gerade vorsätzlich alles in ihrer Umgebung zerstören, Menschen quälen, bespucken oder ihnen die Haare abschneiden, dann ist alles paletti und man läßt sie halt ein wenig sausen, auch wenn vielleicht mal eine pikierte Dame dazwischen steht, die angerempelt wurde und nun Angst hat, an der berührten Stelle könnten eklige Ausschlagspusteln entstehen…
    Das war natürlich auch alles überspitzt formuliert. Aber ich denke wirklich, in den Augen Fremder, kommen ganz viele Situationen mit Kindern anders rüber, als sie in Wirklichkeit sind…ich versuche in jedem Fall mein Kind zu erziehen, wann immer es nötig ist, ich versuche ihm Respekt vor menschen und Dingen beizubringen, ich versuche Grenzen zu setzen, wann ich es für wichtig erachte…aber es ist nicht immer so leicht und diese kleinen Wesen haben einen großen Nachteil und Konstruktionsfehler: sie hören nicht immer, sie haben ein unglaublich ausgeprägtes “LeckMichAmArschGefühl” und sie sind die lustigsten, wirbelwindigsten und affektinkontinentesten WEsen, die man sich nur vorstellen kann. Das ganze Leben ist ein Spiel und so….

  6. 6 stadtfrau April 13, 2008 um 11:29

    ich finde, sie haben alles richtig gemacht, frau ami! ich hätte es zumindest nicht anders gemacht.

    wortteufels beitrag hätte ich damit jetzt aber gar nicht in zusammenhang gebracht.

  7. 7 Chrizzo April 14, 2008 um 2:55

    Oh, aber in Supermärkten kann man doch so super verstecken spielen… ;-)
    Ne, mal im Ernst, Kinder müssen nicht immer funktionieren - tun wir Erwachsene auch nicht immer und bitte: Wer hat noch nie mal jemanden im Supermarkt angerempelt? Sei es aus Genervtsein oder aus es Eilighaben… Wenn jemand mit Supermarkt und Kindern kommt, reagiere ich allergisch, sorry.
    Ansonsten: Die Zoosituation war definitiv keine um konsequent zu bleiben, weil viel zu gefährlich.

  8. 8 schnuten April 14, 2008 um 8:24

    lukas schert sich auch ein dreck drum wenn ich sage: “Dann gehe ich halt alleine, tschüss.” Oder “Ich geh in die Richtung, tschüss…” Er geht dann einfach weiter seinen weg und dann ärgere ich mich auch über mich selbst, weil ich ihm dann doch hinterher renne. Geht aber auch nicht anders. Das Kind sollte das ganze ja auch noch überleben! ;-)

  9. 9 walkingantique April 14, 2008 um 10:16

    Liebe Frau Ami,
    eigentlich bin ich nur zufällig in diese Diskussion reingerutscht, und da kinderlos und ohne viel Kinderkontakt, kann ich das vielleicht auch nicht so recht beurteilen. Und, ja, ich bin “als außenstehende” auch manchmal genervt von manchen Eltern und manchen Kindern.
    Trotzdem finde ich, SIE sind es nicht, die hier beleidigt oder unpassend reagiert hat. Sie haben sich nur Gedanken gemacht und diese geäußert.
    Naja, neue Woche, neue Themen. Ich wünsch Ihnen einen guten Start!

  10. 10 jochmet April 14, 2008 um 2:15

    “Konsequenz” ist sowieso das modernste, falsch verstandenste und omnipräsenteste Erziehungsunwort, das der Zeitgeist aktuell simuliert. So siehts nämlich aus.

    Entweder man verwendet es im richtigen wissenschaftlichen Sinn oder - besser - man streicht es ganz.

  11. 11 rage April 14, 2008 um 6:41

    ehrlich gesagt, ich hab schon lange aufgehört, mit nicht-eltern über erziehung zu reden. es ist verdammt schwierig. was mütter/eltern den nicht-eltern nämlich voraus haben, ist eben dies: diese von wortteufel durchaus lustig beschriebene szene im dutzend, im gros, im tausendfachen, jeden tag, immer wieder, manchmal im grossen, manchmal im kleinen.

    nicht-eltern haben gut reden. sie müssen nicht erziehen, weder heute noch gestern. konssequent müssen sie höchstens mit sich selber sein.

  1. 1 Liebe Ami « Trackback zu April 13, 2008 um 4:35
  2. 2 Marten-Levin jetzt auch hier « DüneSieben Trackback zu April 13, 2008 um 10:12

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