angeregt durch folgenden blogbeitrag stellt sich mir die frage: ist erziehung privatsache?
man bekommt besuch, das kind benimmt sich daneben, die mutter reagiert nicht, die eigenen kinder werden in mitleidenschaft gezogen. situationen, die jeder schon mal erlebt hat und sich auf kindergarten, spielplatz und sonstige situationen erweitern lassen, die man als mutter mit kind/ern immer wieder erlebt. ich spreche bewusst nicht von grober vernachlässigung, verwahrlosung und gar misshandlung - diese situationen brauchen extra raum zur diskussion und ich glaube, so oft sie auch vorkommen, in der regel erlebt man so etwas nur selten in seinem direkten umfeld. nicht aber die oben genannten. ich selber bin mir immer wieder sehr unschlüssig: ben wird auf dem spielplatz von einem wildfremden kind gehauen. hier ist die lage für mich klar. das fremde kind wird ganz sicher von mir angesprochen und mit der dazugehörigen mutter setze ich mich dann auch gerne auseinander - und wie so oft macht hier wohl auch der ton die musik. aber was machen, wenn ich eine situation beobachte, in der ein kind grenzenlos macht was es will und kein elternteil eingreift, ohne aber, dass es mein kind betrifft? muss ich, kann ich, soll ich mich einmischen? und wenn ja, in welcher form? andere situation, aber genauso wichtig: wie gehe ich damit um, wenn mein eigenes kind ein anderes kind schlägt? ich erinnere mich mit grausen an einen besuch von frau schlapunzel, bei dem ben ihrem sohn dermassen kratzer im gesicht verpasste, dass der kleine fürchterlich aussah. frau schlapunzel reagierte wunderbar und schimpfte ben in sehr angemessenem ton dafür. für mich vollkommen in ordnung, nicht nur, weil ich frau schlapunzel kenne. ich hätte mir das in dem fall auch von jemand anders gefallen lassen.
ich bin eigentlich dafür, dass erziehung privatangelegenheit ist. die mittel und wege, den personen, die ihre eigenen kinder nicht so erziehen, wie man seine eigenen erzieht, aus dem wege zu gehen sind ja vielfältig. dann lade ich diese person halt nicht mehr ein oder ich gehe nicht mehr zu einer bestimmten gruppe. aber befriedigen tut mich das nicht. gibt es nicht eine gesellschaftliche mitverantwortung? macht einen das eigene schweigen nicht in gewisser weise mitverantwortlich? darf man sich dann überhaupt noch über solche eltern und deren kinder beschweren, wo man doch nichts sagt? ich habe mir angewöhnt, sehr zurückhaltend zu sein mit der meinung über andere eltern und kinder, selbst wenn ich alles andere als einverstanden mit der erziehung bin, weil ich der meinung bin, solange ich nicht das gespräch zu klärung gesucht habe, habe ich nicht darüber zu urteilen. ein gespräch halte ich aber für wichtig, denn ich finde, dass nichts-sagen diese eltern sehr ausgrenzt, was widerrum dazuführt, dass die kinder auf kurz oder lang isoliert sind. und die können ja nun am allerwenigsten was dafür.
deshalb also fürs kindeswohl was sagen und erziehung keine privatsache sein lassen?
Nun ja, vielleicht wenn man “in Liebe” (hee, schöne Floskel?) etwas sagt (auch bei ältere Kinder direkt das Kind ansprechen), dann hat man weniger solchen Fällen?
Hmmmm. Bin gespannt, was sonst noch dazu gesagt wird…
Ich für mich habe öfters andere Kinder angesprochen bzw. deren Eltern. Es ist wirklich nicht schwer zu sagen: Ich sehe Thema/Begebenheit XYZ anders… oder Ich möchte dich (das Kind) fragen, wo dein Verhalten hinführen soll?
Ich erlebe oft, das diese Kinder sehr dankbar sind FÜR IRGENDJEMAND, der sich für sie interessiert…
Ich scheine auf der andere Seite ein Talent dazu zu haben, ihre Eltern zu kränkeln… ;)
das ist ein schwieriges thema. gerade gestern hatte ich so ein ähnliches “problem” hier: manchmal kommt es vor, dass gästekinder dinge tun, die unser eigentum (mehr oder weniger mutwillig) beschädigen. die eltern stehen manchmal einfach nur daneben und sagen nichts. was tun? ich denke das feedback auf “falsche” handlungen kann ruhig auch mal von außen zu den kindern kommen. früher oder später müssen sie sowieso auch der umwelt gegenüber verantwortung lernen und mit kritik und zurechtweisung von “fremden” umgehen können… oder habe ich jetzt da was falsch in deiner fragestellung verstanden? die grenze ist ganz klar da erreicht, wo jemand oder etwas zu schaden kommt. da braucht dann auch kein erziehungsberechtigter den beleidigten spielen. nur wegen leichteren “delikten” (die mich nicht betreffen und mich somit nichts angehen) würde ich jetzt nicht den erzieher spielen.
ich bin prinzipiell der meinung, dass ansprechen des kindes oder der eltern richtig ist. nur leider kann ICH das nicht. ich war nun schon ein paar mal in solch einer situation. und ich wusste weder WAS ich sagen sollte, noch WIE. ich muss auch zugeben, dass ich ein wenig “bammel” vor einer eventuellen auseinandersetzung mit den eltern danach habe. ich bin dann einfach immer nicht genug wortgewandt bzw. schlagfertig. die “guten sprüche” bzw. argumente fallen mir dann immer erst viel zu spät ein. deswegen hab ich bisher nichts gesagt, fühle mich aber schon sehr unwohl in meiner rolle.
als beispiel: neulich auf dem spielplatz. ein ca. 5 jähriger junge steht an der rutsche, paul (2 jahre) sitzt oben und will runterrutschen. der junge versperrt mit seinen armen die rutsche. ich bitte ihn, das zu lassen, weil paul rutschen möchte. er reagiert nicht. später dann: wir sitzen am sandkastenrand und bauen sandkuchen. der junge kommt und piekt uns mit einem stock in den rücken “peng, ich erschieße euch”. der vater sitzt unmittelbar hinter uns auf der bank und sagt keinen ton. dann nimmt der junge eine hand voll sand und kippt sie über meinen anorak. kein kommentar vom vater. der junge setzt erneut an und will diesmal den sand auf meinen kopf befördern. “XY, lass das doch bitte” mehr nicht. wir sind dann aufgestanden und gegangen. mir fällt dann einfach nichts angemessenes ein. zumal ich eh einen komplex als junge mama gegenüber “älteren” eltern habe…
bin ich noch zu retten?
Schwieriges Feld mit gewissem Bogen zum Thema “Laisser faire” (mir ein Graus, ein Graus….aaargh) und zum Thema Erziehungsstile allgemein.
Ich habe - im Bestreben, meinem Kind das Beste angedeihen zu lassen -in den Anfängen meines Mutterdaseins meine Erfahrungen mit im weitesten Sinne reformpädagogischen Institutionen - und den entsprechenden Eltern darin - machen dürfen.
In meinem Fall alles Menschen, die in ihren Augen so ganz “nah dran am Kind” waren, in mir aber irgendwann nur noch Kopfschütteln und innere Schreikrämpfe auslösten. Ich könnte Romane darüber schreiben!
Hier habe aber auch gelernt - lernen müssen - dass daran kaum was zu ändern ist, auch nicht durch Gespräche. Sind doch gerade die fragwürdigsten Ansätze seitens ihrer Betreiber derart “durchdacht” und theoretisch fundiert, dass man mit jeglicher Kritik so was von auf Granit beißt - man will seine rosa Brille nämlich unbedingt aufbehalten.
Diejenigen vielen, die aus purer Bequemlichkeit kaum erziehen und gerne aus der Not eine Tugend machen ( …ich liebe mein Kind so sehr und deswegen kann ich ihn nichts abschlagen, es nicht tadeln, keine Grenzen setzen) sind für Einmischung auch nicht gerade offen.
Bleiben also die, die selbstkritisch einräumen können, dass man gerade beim eigenen Kind manchesmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht und daher eher dankbar für ein Feedback sind. Aber die suchen das Gespräch meist sowieso von sich aus.
In privatem Rahmen, bei meinem Kind und seinen Freunden bin ich immer am Besten damit gefahren,immer so genau es ging hinzuschauen und dann gerecht zu sein.
Es hat dasjenige Kind Schutz bekommen, das ihn brauchte. Wer es verdient hatte wurde geschimpft, getröstet, gelobt, getadelt - mal einer, mal der andere, mal auch beide zusammen. Wenn die Kids sich gar nicht entscheiden konnten, habe ich das - durchaus autoritär - übernommen (”Ihr könnt also nicht abwechselnd und auch nicht zusammen mit dem Bagger spielen? Dann steht der Bagger eben heute keinem zur Verfügung.”)
Das war für mein Kind ebenso okay wie für das jeweilige Besuchskind und dessen Eltern.
Es ist aber schon so, dass sich Freundschaften unter Kindern sehr schwer aufrecht erhalten lassen, wenn die erzieherischen Vorstellungen der Eltern zu konträr sind.
Es funktioniert einfach nicht.
Die Leidtragenden sind die Kinder, ja, und das ist oft traurig.
Reden hilft da aber leider nur selten. Ich mache es manchesmal trotzdem. Darum.
Schwieriges Thema, oder? Ich erwarte von den Müttern der Kinder, mit denen wir zusammen sind, dass sie ein Statement abgeben, wenn ihr Kind sich falsch verhält. Wenn es Dinge zerstört, wenn es andere Kinder mobbt oder wenn es gegen Kinder oder Mütter gewalttätig wird. Solche Situationen sind vollkommen normal, aber für mich bedeutet ein fehlendes Statement immer eine gewisse Zustimmung. Manchmal ist es so, dass ich nicht direkt daneben stehe und nur schwer eingreifen kann, dann bin ich dankbar, wenn das jemand macht, der “näher dran” ist - genau so sage ich eben auch etwas, wenn es anders herum ist.
Was das Ansprechen der Eltern angeht, wenn es kein Statement gibt (und ich habe sowohl bewusste Gewalt als auch das Zerstören unseres Eigentums angesprochen), war es eigentlich immer so, dass die jeweiligen Eltern das vollkommen anders gesehen haben. Zwischen “Ja, warum lag das denn hier, wenn es so zerbrechlich ist? Das war bestimmt schon kaputt, meine Tochter macht so was niemals. So ist das, wenn man Kinder hat, wirst Du auch noch sehen” und “Ja, das macht sie halt mit ihrem Bruder auch immer so,” (Ja, aber der ist zwei, Kolja sechs Monate?!) “das ist eben so, wenn man Kinder hat.” habe ich da eine Menge dummes Zeug gehört. Und: ja, wenn man weder mit den Eltern, noch mit den Kindern zusammen sein mag, weil die Einstellung so unterschiedlich ist, dann lasse ich es eben.
Ich glaube, Erziehung ist noch nie Privatsache gewesen, sondern rutscht in unserer Generation langsam dahin, weil uns das soziale Netz der Großfamilien fehlt. Wir sind als junge Mütter manchmal ganz schön allein, das macht uns nicht gerade kritikfähiger.
eigene kinder: darf man und soll man erziehen, ermahnen usw. -
kinder, die zu besuch kommen, erziehungsberechtigte ist nicht dabei - darf man imho ebenso ermahnen usw. - dann ist man erziehungsberechtigt anstatt -
kinder, die schrott bauen und deren eltern daneben stehen: schwierig. wenn das eigene kind in “gefahr” ist, darf man imho etwas sagen. wichtiger ist aber dem eigenen kind beizubringen, mit der situation umzugehen. schwierig genug.
kinder, die dinge zerstören, die ihnen nicht gehören: immer etwas sagen.
alles höchstpersönliche meinungen. als kinderarzt bin ich kein freund von “hackordnung” in kindergarten oder spielplatz. kein freund von auge um auge zahn um zahn und kein freund von “kinder müssen die dinge alleine ausfechten” - letzteres kann man bei den eigenen geschwisterkindern untereinander handhaben, da müssen die kinder in der familie eben position finden.
Hmm… Wenn Du “etwas sagst”, dann ist doch die Erziehung nach wie vor Privatsache der jeweiligen Eltern. Zum Nachdenken anregen ist durchaus noch lange kein Einmischen - solange Du nicht verlangst, nach Deinem Wege zu verfahren. Denn dann würde aus einem Ratschlag ein Ratschläger und das mögen wir alle nicht bzw. macht doch ersz recht taub.
Gar nichts zu sagen halte ich grundsätzlich für falsch. Wir sind deshalb zivilisierte Menschen, weil wir sprechen können. Und so wie Du das kannst, kann das doch auch Dein Gegenüber. Zur not kann der Dir dann immernoch sagen, Du sollst Dich raushalten ;)
nachtrag: wichtiges thema. ich habs mal verlinkt. ich hoffe, dassis ok.
kommt auf die situation drauf an. und wie kinderdok anmerkt, versuche ich in solchen situationen eher, meinem kind lösungswege aufzuzeigen (klassisches beispiel sandkasten und der “kampf” um spielsachen bzw. einsatz von sand). das hat eigentlich immer gut geklappt, wobei wir noch nie den fall hatten, dass ein kind auf meines körperlich losging bzw. trafen wir bis jetzt auch kaum auf scheißegal-eltern.
ich kenne aber auch die andere seite ein bisschen: die mutter von einem von fabis freunden hat seinen sehr ausgeprägten beschützerinstinkt und greift oftmals in spiele ein, weil sie meint, es KÖNNTE gefährlich werden. das empfinde ich sehr nervig, wenn sie alle anwesenden kinder beäugt, ob auch ja keines ihrem sohn zu nahe kommt, wenn sie den kindern eine predigt hält, weil sie mit stöcken herumlaufen, wenn fabi getadelt wird, weil er beim fußballspielen den weichen softball zu hoch geschossen hat und der ihrem sohn auf den kopf fiel (der sich aber nicht beschwerte) u.ä.
andererseits finde ich es völlig okay, wenn z.b. andere eltern meinem kind in der kirche (das einige bankreihen vor mir sitzt) zuflüstern, dass es etwas leiser sein soll oder wenn eine andere mutter mit meinem kind ein ernstes wörtchen spricht, weil er was blödes/verletzendes zu ihrem kind gesagt hat (mit meinem einverständnis) - weil das eben situationen sind, in denen ich ja ebenso auf ihn reagieren würde.
Also ich bin ganz klar der Meinung, daß meinen seinem Mund nicht halten muss, gar nicht. Wenn ein Kind auf dem Spielplatz einem anderen wehtut und es fühlt sich keiner verantwortlich, würde ich immer was sagen, gegebenenfalls auch eingreifen. Natürlich macht der Ton die musik.
Wegschauen ist blöd, davon lernen die Kinder das auch nicht.
Puh. Heißes Thema. Ich hab schon beide Seiten erlebt.
Ein Kind (ca. 7 oder 8) - eindeutig von zu Hause weggelaufen - steht am Bahnhof, Vater stürzt herein und zerrt das Kind nach draußen. Das Kind schreit, schlägt um sich und schaut hilfesuchend herum. Nachdem keiner was gesagt hat, hab ich (damals süße 18) den Vater angesprochen. Natürlich hat er mich wüst beschimpft, es wäre ja wohl sein Kind und daher nicht meine Sache. Ich hab ruhig geantwortet, dass das richtig sei, aber das Kind trotzdem augenscheinlich Angst hat und daher wohl so schreit. Der Vater hat daraufhin tief durchgeatmet und mit dem Kind auf Augenhöhe gesprochen. Nach längerem Hin und Her (und Telefonaten mit der Mama, zu der das Kind fahren wollte) haben sich alle darauf geeinigt, dass der Kleine erstmal mit dem Papa heimfährt und die Mama nochmal mit ihm am Abend telefoniert und falls nötig ihn abholen kommt. Im Nachhinein gehen mir da viele Dinge durch den Kopf. Vor allem, welches Weltbild dem Kind vermittelt wurde - von den Eltern und von mir?
Andere Geschichte: Meine Kleine (2 Jahre) hat den ganzen Tag nur gemeckert und gemault. Alles was ich getan oder gelassen habe wurde mit einer Schrei-Arie gedankt. Ich bin mit ihr in den Supermarkt und dort auch wieder nur Gezeter. Eine ältere Dame hat mich angesprochen: “Was hat denn die Kleine?” - “Das weiß ich nicht und interessiert mich auch nicht!”. Hätte eine andere Mutter so etwas geantwortet, ich wäre ziemlich schockiert. In meinem Fall war es aber nur verständlich. Nachdem ich schon den ganzen Tag versucht hatte herauszufinden, wie ich ihre Situation/Lauen verbessern könnte, hat’s mich irgendwann nicht mehr interessiert.
Also einmischen? Nein, nur wenn man die Situation der anderen Person wirklich kennt. Es ist etwas anderes, wenn das Kind von sich aus mit einem inter-agiert. Sprich deutlich um Hilfe bittet, einen anspricht oder die eigenen Kinder (oder sich selbst) belästigt/angreift. Insgesamt habe ich aber gute Erfahrung damit gemacht die Kinder direkt anzusprechen, wenn sie etwas falsch/unerwünschtes machen. Sowohl die Kinder als die Mütter haben i.d.R. positiv reagiert.
Wenn mein Kind betroffen ist und sich der dazugehörige Elternteil nicht bemüßigt fühlt etwas zu sagen schreite ich schon ein. Ich sehe nicht warum der Kleine unter der (mangelnden) Erziehung anderer leiden soll. Dabei mache ich im Ton keinen Unterschied zu fremden Kindern, d.h. ich rede mit ihnen genauso wie ich es mit dem meinen tue/tuen würde.
Das kläre ich dann auch wenn nötig mit dem zugehörigen Elternteil.
immer ordentlich drauf!
nein mal im ernst, in unserer gesellschaft ist erziehungssache (leider) keine privatsache mehr. ich weise mein kind zurecht, wenn es sich falsch verhält und ich weise andere kinder zurecht. es gibt gewisse dinge, da sollte man als erwachsener eingreifen, egal ob es sich letztendlich um kinder handelt oder erwachsene.
daneben stehen und zukucken wie ein fremdes kind ein anderes, nicht das eigene schlägt oder anderweitig angreift ist falsch, daran ist nichts zu rütteln. auf einen wortwechsel mit anderen erwachsenen lasse ich mich gerne ein, aber beschämt nichts tun halte ich für mehr als gefährlich. im gegenzug wird mein kind ebenso zurecht gerückt, wenn es etwas falsch macht. die verantwortung hat man als erwachsener einfach und dieser muss man nachkommen. außerdem hat man eine vorbildfunktion. stehe ich daneben und tue nichts kommt das unterlassener hilfeleistung gleich…
so.
Auch wenn ich keine eigenen Kinder habe, finde ich ganz persönlich, dass ich das Recht habe etwas zu sagen.
Wenn beispielsweise ein Besucherkind Dinge kaputt macht (Gern auch mit: “Mir ist egal, ob du das zuhause darfst.” - Das gibt immer so verblüffte Gesichter von den Eltern. Hi,hi) Oder mein Lieblingsfall: Wenn ein Kind am Bahnhof Tauben tritt. Die meisten Eltern halten das für einen prima Spaß für die Kleinen.
Ein Kind ist keine Insel, ich bin keine Insel, wir alle sind keine Inseln. Kinder dürfen ruhig merken, dass sie in einer Gesellschaft Leben, in der man Rücksicht nehmen sollte. Und dass manche Dinge, die ihre Eltern vielleicht in Ordnung finden, für andere ganz und gar nicht in Ordnung sind. My humble opinion.
Ohja, das ist ein schwieriges, aber auch interessantes Thema :-)
Eine Kollegin erzählte mir neulich, sie seien früher, als ihre Kinder noch klein waren, immer mit sehr vielen anderen Familien in den Süden in den Urlaub gereist, und das sei so angenehm gewesen, weil jeder Erwachsene ein Auge auf alle Kinder gehabt hätte, so dass man sich auch mal hätte entspannen können. Wenn ein Kind sich auf Wanderschaft begeben hätte oder Suizid im Pool verüben wollte, dann war da halt immer ein Erwachsener, der sich gekümmert hat. Nicht nur die Eltern, jeder fühlte sich verantwortlich.
Das ist die positive Seite davon, wenn Erziehung nicht nur bei den Eltern bleibt. Ich glaube, dass das für jeden positiv zu beurteilen ist, sicherlich wird niemand etwas dagegen haben, wenn ein anderer Erwachsener auf harmlose Weise einen kleinen Ausbüxer aufsammelt.
Und dann gibt es die negative Seite, bei der das nicht so einfach ist. Im letzten Jahr, kurz vor Christophs erstem Geburstag, stand ich auch vor einer ähnlichen Situation, Verwandte meines Mannes waren zu Besuch mit deren dreijährigem Sohn, der recht wild, recht fies und überhaupt recht dings ist. Die Mutter ist auch recht dings, nämlich naja. Der kleine Sohn wurde von ihr immer wieder in deutlichstem Tone ermahnt, wenn er seine Hausschuhe abstreifte oder böse Worte in den Mund nahm, aber sie sagte nichts, aber auch gar nichts dazu, dass er meinem Sohn dessen Spielzeug entriss, das Spielzeug zerstörte, unser Laminat zerstörte und Christoph mehrfach mit dem Kopf gegen das Tischbein knallte. Ich habe Christoph aufgenommen und laut gesagt: “Komm Christoph, B … ist eben wirklich Scheiße.” Dann haben wir die gute Mutter mit ihrem Sohn B einfach sitzen gelassen und den Raum verlassen. Eine andere Möglichkeit ist mir damals so spontan nicht eingefallen.
Als Christoph noch recht unmobil war, ging ich mit ihm immer zu so einer Yoga-Veranstaltung, die Mütter yogten vor sich hin, die Babies trieben anderweitig ihr Unwesen, nur dass die anderen Babies viel mobiler waren als Christoph und ihn übel malträtierten. Das an sich ist nicht schlimm, die wussten es nicht besser, aber die dazugehörigen Mütter hätten schon mal ein Tönchen sagen dürfen, denke ich. Als die Situation sich in einer neuen Gruppe umkehrte und Christoph der mobilste war, hab ich jedenfalls zumindest versucht, seine Spielzeugräubereien und Kloppereien zu unterbinden, sei es mit einem “Christoph, nur ei machen” …
Dennoch denke ich, die beste Maßnahme für den Fall, dass andere Kinder auf Christoph losgehen, ist, ihn dieser Situation zu entziehen, es ist nicht meine Aufgabe, dort tätig zu werden. Eingreifen muss ich, wenn Christoph übergreift (mir ist immer noch die Bisswunde der armen Kaleema peinlich, als Christoph ihren Arm gar so lieb hatte …).
Und klar, wenn ich Gewalt Erwachsener gegen Kinder mitbekomme oder richtig fiese Gewalt anderer größerer Kinder gegen wehrlosere Kinder. Aber dann ist es nur meine Aufgabe, die Situation zu beenden, ich darf nicht ebenfalls gewalttätig werden.
Hmpfgrummel, ich glaub, jetzt wird das zu lang :-)
Bei mir zu Hause würde ich fremden Kindern auch sagen, dass das so nicht geht. Ich erinnere mich noch gut an eine Situation bei meinen Eltern zu Hause: Meine Neffen waren da, mein Bruder auch. Die Jungs sind das Geländer runtergerutscht. Das Geländer ist alt und nicht mehr ganz so das “Wahre”. Mein Sohn (war damals so um die 4) ist auch gerutscht. Ich hab dann die “Frechheit” besessen meinen Neffen zu sagen, dass ich das nicht richtig finde. Wir haben das als Kinder schon nicht machen dürfen. Auf diese “Zurechtweisung” war mein Bruder so sauer, dass er einige Zeit nicht mehr mit mir gesprochen hat. War mir egal. Ich hab den Jungs auch versucht zu erklären, dass die Uroma, die mit im Haus wohnt, das Geländer zum Treppen steigen benötigt.
War Erziehung jemals Privatsache? Es ist doch eher so, dass wir es nicht mehr gewohnt sind, uns woanders einzumischen, weil ja inzwischen jeder machen kann, was er will. Männer dürfen lange Haare haben, Mädchen laufen halbnackig rum, Jungs hören laut Musik auf der Straße, Alte lassen ihre Hunde auf die Wiese kacken. Ja, dagegen wehrt sich doch niemand mehr.
Und weil anything goes angesagt ist, haben wir keine Übung darin, uns einzumischen. Das scheint mir mehr die Krux zu sein. Also mehr das Problem von Frau Schwaner, aber altersunabhängig. Mir bleibt auch häufig die Spucke weg.
Letztens traf ich auf einen Jungen von 6 bis 8 Jahren (kann das schlecht schätzen), der am Ententeich rumrannte und die Enten ins Wasser jagte. Die Enten, die wir gerade fütterten. Da seine Eltern in der Nähe waren, habe ich zunächst die Klappe gehalten, immer in der Erwartung, dass die mal einschreiten. Aber nein. Irgendwann kam der Junge zu mir und sagte: “Kann ich etwas Brot haben?” “Nein, du jagst doch nur die Enten weg.” “Wenn du mir kein Brot gibst, dann jag ich die Enten weiter weg.” “Nun, dann jag mal schön.” So in etwa lief unser kurzer Dialog ab. Und im Nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich ihn nicht schon vorher bzw. seine Eltern angesprochen habe.
Ich finde auch, dass man sich Einmischen darf bzw. muss. Es kommt natürlich immer auf die jeweilige Situation an, bei einer harmlosen Streiterei um die Schaufel halte ich mich natürlich zurück. Aber wenn Handgreiflichkeiten ins Spiel kommen, mische ich mich ein, egal welche Seite ich dann zurechtweisen muss. Ich will, dass Jonas merkt dass er sich nicht alles gefallen lassen muss, dass aber Körpereinsatz unerwünscht ist.
Ich finde es im Gegenzug auch ok wenn Jonas von anderen Erwachsenen geschimpft wird. Wirklich schlimm und nervig finde ich es wenn Mütter/Väter ratschenderweise daneben stehen und rein gar nichts machen, während ihr Sprößling alle anderen Kinder schlägt, schubst, oder dergl.
Ich finde nicht das ob überhaupt sondern das wie ist entscheidend.
witzig, dass zeitlos jetzt das beispiel mit den tauben bringt, das wollte ich nämlich auch schon anführen, wenn auch etwas anders ;). tauben jagen/treten ist nämlich etwas, das ich meinem kind verbiete (und kindern, die gerade mit mir unterwegs sind), wo ich aber nicht einschreite wenn ich sehe, dass ein fremdes kind das macht und die eltern zugucken. das wäre für mich “einmischerei”, wobei ich zeitlos’ argumentation auch nachvollziehen kann…
frau klabauter hat da eine interessante beobachtung gemacht. anything goes und schon verlernen wir den mund aufzumachen. sehr wahr!!
ansonsten:
ich bin auch nicht in der lage immer was adäquates zu sagen, insofern geht es mir auch manchmal wie frau schwaner. aber ich versuche mich in den letzten monaten einfach zu zwingen was zu sagen, so als übung damit ich nicht sprachloser und sprachloser werde. das funzt ganz gut. ich suche mir einfach situationen aus, die relativ harmlos sind und noch nicht mal was mit kindern zu tun haben müssen. in diesen situationen lerne ich für die wirklich schwierigen……:)
natürlich ist erziehung privatsache, und das soll es auch bleibe.
man sollte aber den mut haben, es dem betroffenen elternteil zu sagen, wenn man dessen erziehungsmethoden für falsch hält.
also nicht verschämt wegschauen, sondern raus mit der sprache. wenn der angesprochene seine fehler einsieht, hat man etwas gutes getan. und wenn er den kontakt abbricht: was solls.
kindern werden ihren eltern immer in gewisser weise ähnlich sein. ein österreichisches sprichwort (eigentlich auf untergebene bezogen) lautet: wie der herr, so sein gscherr
aber nicht schweigen und beschämt oder beleidigt sein, ist die lösung. aufstehen und seine meinung kund tun, das muß es sein. und nicht verzagen: leute, die im recht sind, sind in der regel einsam.
Es ist nun schon so viel Gutes zu diesem Thema gesagt worden. Ich beschreibe jetzt einfach nur kurz, wie ich es handhabe.
Wenn ein Kind mit Elternteil, oder ohne bei uns zu Besuch, etwas kaputt macht, Jan malträtiert oder sogar mich, dann sage ich sehr bestimmt etwas zum Kind und erwarte, daß die Eltern dies auch irgendwie unterstützen. “Geht Jan auf andere Kids los,” oder droht etwas kaputt zu machen, dann sage ich ebenso etwas und bin jedem anderen Elternteil dankbar, wenn sie Jan ebenso Grenzen aufzeigen. Sind wir bei Oma und Opa, dann lass ich Jan machen, dann sollen die Großeltern zeigen, wo die Grenzen in ihrem Haus sind, da Jan zwei halbe Tage die Woche auch alleine bei ihnen verbringt.
Sollte mir auf dem Spielplatz ein fremdes kind “quer” kommen, dann sage ich auch etwas, erwarte aber von den zugehörigen Eltern, sich ihrer Kinder anzunehmen, wenn sie nicht auf mich reagieren. Ich bin auch schon dazwischen gegangen, als mehrere Kinder auf eines losgingen und keine Erwachsenen sonst in der Nähe waren. Bei Jugendlichen muß ich vorher die Situation abschätzen, ist Alk im Spiel, halte ich mich meist raus.
Wenn Erwachsene mit ihrem Kind Zwist haben und ich das Verhalten ggf. nicht “passend” finde, sage ich eher nichts, da ich ja die Vorgeschichte nicht kenne. Dazu später eine kleine Geschichte in meinem blog.
ich weiss nicht. ich finde, das kommt auf die situation an. manche eltern sind ja der meinung, dass man kinder einfach machen lassen sollte. und manche können es gar nicht ausstehen, wenn ein anderes kind dem ihren ein spielzeug wegnehmen. was ich gar nicht haben kann, ist, wenn der sohn auf andere loshaut, wobei ich mir hier von der krippenleitern - wo er das allerdings nicht macht - sagen liess, dass auch das eine gewisse normalität ist: vor allem, wenn sie noch nicht reden können. trotzdem, ich mags auch nicht, wenn mein kind verhaut wird.
wir haben hier in der nachbarschaft einen jungen, der ist etwa so alt wie mein sohn. die können sich nicht riechen. die mutter und ich haben uns stillschweigend darauf geeinigt, dass wir sie machen lassen, solange es keine tränen gibt. mittlerweile gehz auch ein bisschen besser.
aber gerade an tagen, wo mein nervenkostüm dünn ist und ich keine lust auf die tausendste wiederholung von ermahnung x habe, kann ich es nciht ausstehen, wenn mir jemand dreinredet. weil es ist ja so: ich sehs ja selbst. aber manchmal mag ich einfach nicht mehr. punkt.
*schäm*
Gibt es hier keine Eltern, die mit ihrem Kind auch mal Tauben und Enten “jagen”, nachdem sie welche angelockt haben? Ich meine so ganz spielerisch und pädagogisch wertvoll…