gestern sass ich im sessel und wollte lesen. ben kam mit seinem bobbycar vorbeigefahren, hielt und sagte: “ajooo!” ich sagte “hallo ben! wohin fährst du denn?” er antwortete “ben weg fahren.” woraufhin ich sagte “oh da ist die mama aber traurig, wenn du weg fährst. hoffentlich kommst du bald wieder.” ben winkte und fuhr einmal um den tisch während er mich genau beobachtete. als er wieder um die ecke kam, strahlte ich und rief “oh der ben ist wieder da! wie schön! ich hab dich vermisst!” woraufhin er über beide backen strahlte. erneut kam er zu mir und sagte “ajoo!” der dialog von oben wiederholte sich, nur dass er am ende fragte: “mama weinen, ben weg?” ich war ein bisschen unsicher. sollte ich jetzt so tun als würde ich weinen, wenn er wieder wegsaust? würde ich ihm damit ein schlechtes gewissen machen? ich antwortete erstmal nichts bis er ziemlich entschieden sagte: “mama weinen bidde!” er winkte, fuhr los, drehte sich nach einem meter um und beobachtete mich. also tat ich so, als würde ich weinen, woraufhin er sich sofort umdrehte, auf mich zuraste und schrie “mama! ben da!” und ich wieder strahlte und “oh wie schön!! der ben ist wieder da! da freu ich mich aber!” sagte. hätte ich geahnt, was ich damit beginne, ich hätte es mir wohl überlegt……gefühlte 100x musste jetzt genau diese situation nachgespielt werden. verabschiedung, weinen der mama, zurückfahren von ben, freude von mama. je mehr ich weinte und je mehr ich mich freute beim “wiedersehen” umso mehr freute sich ben.
da fiel mir der begriff “capacity of concern” ein, den ich vor kurzem mal gelesen hatte. er ist ein von winnicott (godfather of good-enough-mother) geprägter begriff, der einen ganz entscheidenden entwicklungssprung im alter zwischen 20 und 30 monaten beschreibt: das kind löst sich vom symbioseobjekt und beginnt ein neues kapitel seiner individuation. es wird sich der ambivalenz dem objekt gegenüber bewusst und erwirbt u.a. die fähigkeit zu “concern” also zur sorge bez. rücksichtnahme. es lernt zu begreifen, dass seine handlung auswirkungen hat und erlernt damit neue handlungskompetenzen. das widerrum heisst aber auch, dass es in hohem masse grenzen austestet, schliesslich muss die ambivalenz in ihrer vollen bandbreite erfahren werden. der vorteil von uns eltern ist, dass wir vielleicht das erste mal in der erziehung der vergangenen zwei jahre tatsächlich darauf bauen können, dass das kind nicht nur durch ein schlichtes nein, sondern tatsächlich durch die erfahrbarkeit der gefühlsreaktion/welt der eltern lernt.
Interessant was der Herr Winnicot so weiss.
Allerdings hätte ich dir auch vorhersagen können, dass du einige Wiederholungen durchspielen musst. Mit hudnert Wiederholungen bist du noch gut weggekommen. :-D
ja.
ich liebe diese selbsterfahrungswerte bei eltern - leider sind nicht viele so aufmerksam wie du, ami. es gibt eltern, die noch bei ihren fünfjährigen denken, sie hätten dumpfbirnen vor sich.
da fruchtet dann das ganze erziehungsgedöns ;-)
ich bin jeden tag aufs neue erstaunt, was aus den kleinen krümeln geworden ist, ich meine eben noch in mamas bauch und nun schon “so” groß und “so” selbstständig. hach ja…
Du meinst, wenn Ben (also meiner) mir sein Autochen über die Nase haut, ich in Tränen ausbreche und Ben daraufhin ganz erschrocken mitheult - dann sind wir in der nächsten Phase, weil er begriffen hat, daß mir das Auto weh getan hat?
Oder habe ich da was nicht verstanden?`ich glaube ich google mal :-)