auf die strasse kacken oder nicht - das ist die frage!

bei den ganzen erziehungsdiskussionen fällt mir auf, dass es insbesondere bei den begriffen “laissez-faire” und “antiautoritär” so ein bisschen konfusion gibt. daher mach ich hier mal kurz den erklärbären (merkt ihrs? ich haue euch nicht, ich erkläre!).

also. der laissez faire stil setzt keine grenzen, lässt alles gewähren: mein kind will mich hauen? supi. nur zu. mein kind will auf die strasse kacken? hey! go ahead. mein kind will mit essen um sich schmeissen? kein problem, die tapeten müssen eh neu gemacht werden.

der antiautoritäre erziehungsstil hat sich da ein bisschen mehr gedanken gemacht. ausgehend von den erfahrungen des dritten reichs und des besonderen schwerpunktes auf das thema autorität in allen bereichen in dieser zeit, will dieser stil anti - autoritär sein. es werden grenzen gesetzt, aber gemeinsam. d.h. die eltern haben ein regelwerk, das aber zb gemeinsam mit den kindern ausgearbeitet worden ist. die kinder sind in entscheidungsprozessen, aber auch lebensprozessen auf einer höhe mit den eltern ohne aber, dass dabei auf die strasse gekackt wird oder mit essen geschmissen wird. es sei denn, es steht im regelwerk.

kurz und knapp: laissez-faire irgendwie scheisse und doof. antiautoritär gar nicht mal so doof wie der ruf.

8 Antworten zu “auf die strasse kacken oder nicht - das ist die frage!”


  1. 1 Maria März 13, 2008 um 8:55 Uhr nachmittags

    Oh mein Gott. Das heißt ich erziehe anti-autoritär? Ach du lieber Himmel, wie sag ich das bloß meinen Eltern?!? Mal ernsthaft: danke für den Erklärbär. Sehr interessant.

  2. 2 die_schottin März 13, 2008 um 10:14 Uhr nachmittags

    Danke, dass das auch mal jemand sagt. ;-)

  3. 3 schlapunzel März 13, 2008 um 10:51 Uhr nachmittags

    Interessant, ich dachte auch, dass der Antiautoritäre Stil ersteres ist…morgen stellen Punzelzart und ich ein Regelwerk auf- so! Und wenn der sich dann ma nich da dran hält…aba dann!

  4. 4 Benni März 14, 2008 um 1:14 Uhr nachmittags

    Wichtig vielleicht noch: Dass sich das Wort “antiautoritäre Erziehung” in Deutschland eingebügert hat, kam mit dem Buch “Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung, das Beispiel Summerhill” von A.S.Neil. Im übrigen sehr lesenswert auch wenn vieles nicht mehr aktuell wirkt. Der Titel ist so vom Verlag gewählt worden um an die damals in Deutschland virulente “antiautoritäre Bewegung”, die heute meist als 68er bekannt sind, anzuknüpfen. Das gelang blendend, das Buch wurde zum Bestseller und hat damit die Finanzierung von Summerhill gerettet, das noch heute existiert. Das Ganze hatte nur einen Schönheitsfehler: Das Wort “antiautoritär” kommt im ganzen Buch kein einziges Mal vor und Neil hat sich später auch gegen das Etikett “antiautoritäre Erziehung” gewehrt. Wenn euch aktuelle Infos zum Thema interessieren, empfehle ich das Blog http://www.unerzogen.de als Einstiegspunkt.

  5. 5 Jean Stubenzweig März 14, 2008 um 2:46 Uhr nachmittags

    Ich bin im Zuge von Arbeitsverdrängungsmaßnahmen hier hineingeschneit.

    Vielleicht noch zur Ergänzung (ich hatte gestern gerade was darüber in den Häkelnadeln): laissez-faire oder gar laisser-aller (Machen-Lassen beziehungsweise Gehen-Lassen) sind Begriffe aus dem Wirtschaftsliberalismus des 18. Jahrhunderts (vor einiger Zeit von der Sozialdemokratie wiederbelebt; nur nennt man es nicht so, vermutlich weil die Finanzgrößen der hiesigen Landesbanken nur Pidschin-Inglisch verstehen). Nach ihnen sollte dem Staat der Eingriff in Wirtschaftsprozesse verwehrt werden.

    Einen guten Tag wünsche ich.

  6. 6 Zeitlos März 16, 2008 um 1:37 Uhr nachmittags

    Ich hätte da noch eine Frage bezüglich der antiautoritären Erziehung. Sie sind ja, wenn ich das richtig verstanden habe vom Fach. Da möchte ich doch mal neugierig sein.

    Gehen wir mal davon aus, dass im Regelwerk steht: Auf die Straße kacken ist nicht erlaubt.
    Was macht man denn dann, wenn das Kind es trotzdem tut? Ergeben sich Konsequenzen aus dem Regelwerk? Leiten diese sich aus dem Verstoß ab, so Rosseau-like? Und wie schafft man es, dabei nicht autoritär zu sein, sondern das Kind dazu zu bringen, seine Grenzüberschreitung einzugestehen?

  7. 7 jochmet März 16, 2008 um 10:48 Uhr nachmittags

    Haha! Eine antiautoritäre Religionspädagogin.

    Dinger gibts, die gibts net. Wie man hier zu sagen pflegt.

  1. 1 vom Holzlöffel gesprochen… Teil 5 « Genügsames Leben — Ganz Einfach! Trackback zu April 15, 2008 um 10:07 Uhr nachmittags

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