wo fängt es an?

herr schwaner hat authentisch aus dem elternalltag erzählt. und mich zum nachdenken angeregt. was tun, wenn das kind trotz erklären und erklären und erklären und verständlichmachen und verständlichmachen und verständlichmachen und nein sagen und nein sagen und nein sagen immer noch genau das tut, was es nicht tun soll? in dem fall, weil es sehr gefährlich ist? familie schwaner gab einen klaps auf die patschehändchen und löst damit eine kontrovers geführte diskussion aus. ich hab mich in den kommentaren mit einem beispiel aus unserem kinderalltag geäusstert: ben rennt auf die vielbefahrene strasse zu, an der vor einem halben jahr eine frau zusammengefahren wurde, die wir überqueren müssen, um irgendwohin zu kommen. er riess sich los, rannte auf die strasse zu, hörte kein nein und halt und als ich ihn knapp vorher erreichte, habe ich ihm eine ohrfeige gegeben. es war eher ein klaps, aber wo liegt für ein kind schon der unterschied zwischen klaps und ohrfeige. und vorallem: wo liegt er für mich und mein schlechtes gewissen? aber - es war das einzige mittel der wahl in dieser situation. kein langatmiges erklären “hömma, das ist gefährlich, autos machen aua, nicht machen!” sondern ein authentischer ausdruck meiner angst, meiner grenzenlosen panik. ich habe ben dann schreiend in die wohnung getragen, habe ihm erklärt, warum ich das gemacht habe, habe mich entschuldigt und bin mit ihm am nächsten tag nochmal an die stelle und habe den erklärbären gemacht. aber die frage bleibt: darf man in der erziehung seiner kinder zu solchen mitteln greifen? aus den kommentaren bei schwaners lese ich leise entrüstung über das patschen der hände und auch meine ohrfeige hier wird sicher entrüstung hervorrufen. aber machen wir uns nicht alle was vor, wenn wir sagen: meine erziehung kommt ohne so etwas aus? kann erziehung wirklich so tiefgreifend…..sagen wir pazifistisch sein, dass sie komplett all die jahre ohne einen einzigen klaps auf den hintern, die hand oder die wange auskommt? haben andere eltern sich jederzeit in jeder situation so derart im griff, dass sie nicht vor schreck und aus angst und sicher auch aus hilflosigkeit heraus klapse verteilen? von ohrfeigen und verprügeln rede ich nicht. ich denke, dass lenkt die diskussion hier auch in eine falsche ecke - es ist klar, dass das defintiv und niemals ein probates erziehungsmittel ist. aber was ist mit den klapsen? und was ist eigentlich mit der verbalen gewalt? die wird in meinen augen nämlich sträflich vernachlässigt in erziehungsdiskussionen. ich spreche nicht unbedingt von kraftausdrücken, die manche eltern ihren kindern an den kopf werfen, sondern von emotionaler erpressung “du hast mich ja gar nicht mehr lieb!” oder ein abwürgen der kinderliebesbekundungen nach dem motto “jetzt brauchst du mir gar nicht damit zu kommen, mama ist jetzt sauer!”. die verletzungen, die man damit einem kind antut gehen in meinen augen wesentlich tiefer. ganz ehrlich: lieber ein authentischer klaps, als ein subtiles emotionales erpressen, weil die eigenen, erwachsenen erwartungen und bedürfnisse vom kind nicht erfüllt werden. ich bin herr schwaner sehr dankbar, dass er so offen diese diskussion angestossen hat - wir alle geben uns mühe gut zu erziehen, aber wir alle geraten auch oft an unsere grenzen in dieser erziehung. transparent und sachlich in der erziehung zu bleiben, sich die kreativität zu erhalten auch mit schwierigen situationen angemessen umzugehen, das wünschen wir uns alle. aber es gibt eben auch eine dunkle seite im erziehen, eine hilflose, höchst subjektive elternseite, eine, die vielleicht auch die eigene kindheit berührt und die nicht immer die pädagogische glanzseite an einem hervorruft. gut, wenn man sich darüber mal äussern und austauschen kann.

52 Antworten zu “wo fängt es an?”


  1. 1 Herr Schwaner März 11, 2008 um 6:04

    Ich sagte gerade vorhin zu Frau Rieke: Wenn ich die Wahl gehabt hätte, zwischen einem Klapps von meiner Mutter, als ich noch ein kleines Würstchen war, und dem Liebesentzug, den meine Mutter gerne zwei Tage am Stück aushielt (sie hat mich in der Zeit nicht beachtet, nicht mit mir geredet und mich böse angefunkelt, wenn ich versucht habe, mich ihr wieder anzunähern), dann hätte ich lieber den Klapps gehabt, gerne auch eine Ohrfeige, aber danach wäre dann wieder gut gewesen. So tat mir das Mittel mehr weh, als ein Patsch.

    Wenn Paul aus dem Affekt heraus, einen Patsch bekommen hat, tut es uns Eltern danach furchtbar leid. Zwar weint Pauleken nicht nach einem solchen Patsch, weil er nicht einmal so doll ist, wehzutun (nach unserem Dafürhalten), allerdings ist er danach wesentlich aufnahmebereiter, für die Erklärungen, die wir ihm dann angedeihen lassen wollen, warum er dieses oder jenes, aber vor allen Dingen nicht das Küchenmesser zu nehmen hat.

  2. 2 DüneSieben März 11, 2008 um 6:16

    Als Mutter gerate ich TÄGLICH an meine Grenzen. Ich kenne es ALLES, jedes Faser der Erziehungsarbeit. Es ist nie und niemals ein Zuckerschlecken. So viele Fragen, so wenig Antworten, man muss die Antworten für sich selbst definieren. Ich bin mit meinen “größeren” Kindern an einem Punkt, wo ich auf 10 Jahre Erziehungsarbeit zurückblicken kann. Manches lässt sich nicht wegradieren, manches nagt immer noch an mir, wo ich genau weiß, dass ich da so hoffnungslos versagt habe und verkehrt gehandelt habe… Da war ich hilflos, war selbst gefangen in einer oneway street und hatte den Kopf nicht frei…
    Ich möchte eigentlich sagen “Ach Ami, können wir nicht über etwas anderes, weniger schweres, reden?” Aber man muss immer wieder und wieder und wieder drüber reden! Danke für den Anstoß!

  3. 3 stadtfrau März 11, 2008 um 6:20

    das hat du wieder mal sehr gut geschrieben und auf den punkt gebracht!

    ich geb dir schon recht, und in der von dir beschriebenen situation hätte ich vermutlich genau so oder ähnlich reagiert (mein kind hat zwar noch keine ohrfeige bekommen, aber er wurde auch schon mal fester am arm gepackt, tut auch weh) und es ist meines erachtens auch eine richtige reaktion. nur so wird das kind auch den unterschied merken zwischen “etwas falsch gemacht” und “mich in gefahr begeben”.

    die reaktion der eltern muss ja der situation angemessen sein. und gerade deswegen kann ich eltern nicht verstehen, die wegen lappalien ihre kinder verbal niedermachen oder schon aus prinzip den klaps auf die finger geben, wenn das kind nicht hört (und das ist eben kein authentischer klaps mehr).

    und gerade wegen solcher situationen, in denen man erziehungstechnisch an seine grenzen gerät, sollte es doch gewisse tabus geben, oder? - es gibt schließlich auch eltern, die härter zuschlagen.

  4. 4 Steph März 11, 2008 um 6:31

    Ich bin vollkommen Deiner Meinung. Und glaube außerdem, dass alle Eltern, die hier vorschnell den Finger erheben, da irgendetwas verschweigen. Ich bin absolut nicht für Gewalt in der Erziehung, aber so zu tun, als würde man sich selbst nie die Frage stellen, bzw. einmal in solch einer Situation gewesen zu sein, halte ich für verlogen. Was Du nicht erwähnt hast, aber bei mir auch eine Rolle spielt ist Wut. Wenn, Martell mich z.B. auf der Wickelkommode liegend tritt und auf meine Ermahnungen und Erklärungen mit einem breiten Grinsen nochmal extra zutritt oder mich immer wieder kneift, dann kneife ich schon mal (leicht natürlich) zurück oder halte ihm die Beine fest, auch wenn er dann anfängt zu weinen. Das ist vielleicht auch nicht richtig, aber manchmal bin ich leider auch nur Mensch und vergesse den Pädagogen in mir…Trotzdem, schwieriges Thema, könnte jetzt noch 10 Seiten dazu schreiben…

  5. 5 Chrizzo März 11, 2008 um 6:39

    .

  6. 6 rage März 11, 2008 um 6:44

    tja, frau ami. da hatte ich gerade kürzlich eine diskussion mit dem eb. die diskussion drehte sich eigentlich darum, dass ich in dieser zeit, wo unter jugendlichen brachiale, grenzenlose gewalt herrscht, kein vorbild sein will, in dem ich meine kinder schlage. man gibt ja dann auch das zeichen: schlag ich zu, ist nachher wieder alles okeh.

    verstehen sie mich nicht falsch: ich bin manchmal nahe dran. als mein sohn auf eine vielbefahrene strasse zu rannte, blieb mir nur das schreien. ich war total ausser mir. er blieb dann stehen, und ich hab ihm ruhig erklärt, dass das nicht ginge (das ist die sehr kurze fassung des ereignisses).

    wenn er mir schmerzen zufügt, wenn er mir beim wickeln wiederholt mit den füssen in die brüste stösst, dann hab ich angefangen, ihm in die oberschenkelmuskeln zu klauben. das ist für ihn etwas zwischen schmerz und unangenehm. wenn er wiederholt etwas macht, das er nicht darf, dann mach ich das auch am oberarm, und ich hab ihm auch schon aufs patschhändchen gepatscht. und ich gehör auch nicht zu denen, die lange reden und den erklärbären machen: nein ist nein und fertig.

    aber grundsätzlich finde ich: ich kann doch mein kind nicht schlagen, weil es etwas macht, das mir nicht passt, was ich heute nicht aushalte, weil ich den nerv nicht hab, aber morgen hätte ich ihn? das ist so mein mantra, dass ich mir immer wieder vorsage. ich habe andere mittel gefunden, ihn zu bestrafen: wenn er mir sadistin zusehen muss, wie ich die sauerei, die er veranstalte hat, mit seinem geliebten staubsauger aufputze.

    deren beispiele gäbe es viele. und ich bin nicht perfekt, beileibe nicht, und eine dinkelmama bin ich auch nicht. bisher hat mir mein mantra genutzt. ob es das auch in zukunft wird; ich weiss es nicht. garantieren kann ich es nicht. aber für mein gewissen wäre es bestimmt besser. :-))

  7. 7 Katrin März 11, 2008 um 7:13

    Hallo Ami,

    ich bin kein großer Fan von Dogmen. Nicht in Politik und Gesellschaft, aber schon dreimal nicht in der Erziehung. Ein einmal postuliertes Erzeihnungsdogma niemals zu brechen - bei soetwas dynamischem wie der Erziehung eines Kindes, das einzigartig ist?? Für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Das haarige an einem Erziehungsdogma - wird es
    gebrochen fühlt man sich schlecht, inkonsequent und unfähig. Deswegen habe ich für mich das Dogma “Mein Kind wird niemals geklapst” auch nicht aufgestellt. Bisher ist es noch nicht vorgekommen, aber gerade in einer solchen, von dir geschilderten Situation - ich fände es von mir anmaßend zu sagen, ich würde souverän und gelassen reagieren.
    Dennoch denke ich, ist körperliche Strafe niemals die beste Lösung und bleibt, das kann man drehen und wenden wie man lustig ist, auf irgendeine Art und Weise ein Eingeständnis des eigenen Unvermögens.
    Aber so etwas wie Perfektion kann es in Sachen Erziehung gar nicht geben….

  8. 8 Zeitlos März 11, 2008 um 7:19

    Neine, keine Entrüstung über ihre Ohrfeige, sonder volles Verständnis. Meinen ganzen Kommentar finden Sie unter dem Beitrag von Herrn Schwaner, den Sie verlinkt haben.

  9. 9 Kathi März 11, 2008 um 7:52

    Liebe Frau Ami,

    als ich damals schwanger war, hab ich mir geschworen, dass ich mein kind nie schlagen werde. Das war vor allem in meiner Kindheit begründet - ich bin von meinen Eltern regelmäßig verprügelt worden. ich weiß also aus Erfahrung, was Schläge anrichten können. Und das sollte mein Kind nie erleben. Caitlin ist mittlerweile fast 4. Und schon mindestens einmal habe ich ihr einen Klaps gegeben. Keine Ohrfeige, es tat ihr auch nicht richtig weh (also sie war nur erschrocken, hat nicht geweint). Es war eine Effektsituation. Am Ende waren wir beide erschrocken (ich wahrscheinlich sogar noch mehr als sie), ich habe mich bei ihr entschuldigt, ihr erklärt, warum ich es getan habe - und danach war gut. Bei ihr und bei mir! Ich habe es mir selbst verziehen, weil ich weiß, dass ich eine gute Mutter bin und es meinem Kind gut bei mir geht. Caitlin fühlt sich bei mir gut aufgehoben, vertraut mir und wird den Klaps nicht überbewerten. Und ich sollte es auch nicht tun, sondern einfach nur schauen, dass ich mich das nächste Mal beherrschen kann.

    Ich bin mir sicher, dass es bei Ben genauso ist, das er es wahrscheinlich schon gar nicht mehr weiß. Es ist wichtig, was wir für eine Beziehung zu unserem Kind haben. Was für eine dauerhafte Beziehung. Was für ein Vertrauensverhältnis. Und da bin ich mir sicher - ihre Kinder werden sie von ganzem Herzen lieben! Und sie lieben ihre Kinder! Und das zählt!

    LG Kathi

  10. 10 claudia März 11, 2008 um 8:09

    ein schwieriges thema! ich hab mir immer vorgenommen, dass ich mein kind ganz sicher nie schlagen werde, keinen klaps auf den hintern ect. aber jetzt als mama muss ich gestehen, dass ich es jetzt nicht mehr 100% garantieren kann, dass es mir niemals passieren wird. ich sage bewusst passieren, niemals mit vorsatz sondern in solchen sondersituationen wie von dir beschrieben. sein kind absichtlich zu schlagen, weil es grade nervt oder so, das finde ich unmöglich!

    und auch meine geschwister und ich haben hin und wieder einen klaps auf den hintern bekommen, wenn meine eltern angst hatten. und ich kann jetzt nicht grade behaupten, dass einer von uns dreien irgendeinen schaden davon getragen hätte…

  11. 11 julia März 11, 2008 um 8:35

    Auch mir ist wie man so blöd sagt schon mal die Hand ausgerutscht. Bei Matti noch nie, bei Nora schon drei Mal in den vergangenen Jahren. Jedesmal hab ich mir endlos Vorwürfe gemacht und gleichzeitig gedacht ich würde auch wieder die Nerven verlieren, denn Nora kann einen wirklich in den Wahnsinn treiben.
    Wenn Nora grundlos brüllt und das tut sie leider recht häufig und wirklich extrem laut setze ich sie immer ins Kinderzimmer- früher hab ich es mit auf den Arm nehmen und festhalten versucht, Nora windet sich dann nämlich für gewöhnlich raus um sich im nächsten moment anklagend vor die füße zu schmeissen, mittlerweile fehlt mir die Kraft und leider auch oft die nerven. Ich finde das nicht gut, weil es eventuell signalisiert, daß heulen nicht erlaubt ist.
    Ich weiß allerdings auch nicht recht wie ich es besser machen könnte, weil mir dann echt die nerven flöten gehen, ins Kinderzimmer ist eine art Schutz voreinander.

    Generell finde ich gewalt überhauot kein probates mittel der erziehung. Manchmal frage ich mich aber ob die mittel der Kinder nicht auch alles andere als legal sind. ;-)

  12. 12 tonni März 11, 2008 um 8:42

    Hand aufs Herz:
    Irgendwie finden solche Situationen nicht nur statt, wenn das Kindelein etwas Gefährliches tut. Auch können sie durchaus das Elternherz bis aufs Äusserste reizen - und ich unterstelle den Kleinen damit in keinster Weise böse Absicht!!!! - so dass man selber da steht, in völlige Wut und Hilflosigkeit rutscht. Dass da der Patsch oder Klaps oder das feste Anfassen des Kindes am Arm absolut daneben ist - darüber muss man nicht reden. Aber das es passiert - darüber darf man doch wohl reden? Darüber sollte man reden. Und das ohne den gelich erhobenen Zeigefinger.
    Wir sind alle Menschen mit unseren eigenen Päckchen. Und wir sollten uns alle unter Kontrolle haben, dass selbst ein kleiner “Patsch” nicht zur Anwendung kommt. Genau so wenig wie verbale Gewalt.
    Aber auch hier denke ich: Wir machen Fehler. Alle. Wir wissen zumeist für uns und unsere Kinder, was wir wollen, was wir richtig finden. Aber es ist nicht nur unser Kopf, der uns leben lässt.
    Zum Glück eigentlich.

    Und das schreib ich nu auch bei Schwaners. Weils trifft. Find ich jetzt.

  13. 13 FroilleinMuh März 11, 2008 um 8:49

    Liebe Frau Ami,

    als erstes oute ich mich mal, hier schon eine Weile kommentarlos mitzulesen. Sie waren quasi mein Anfang zu anderen Mama’s Blogs die in ihrer Blogrolle verweilen.

    Als zweites wollte ich kurz was zu dem Beitrag sagen.

    Wer hat euch Mamas, die ihr bislang nur das beste für eure Kinder wolltet, euch vorzuschreiben wie ihr euer Kind erzieht? Und als was seht ihr diesen Klaps/Ohrfeige? Als wie sie Frau Ami ja schon sagten, eine Effekt/Panik Handlung weil sie dieses Kind mit jeder ihrer vorhandenen Faser lieben? Oder als eine Mutter die zwischen 2 Kippchen und 3 Bieren von ihrem “Gör” mal wieder so übernervt war, dass sie den Ledergürtel zückte und das Kind erst mal eine Meinung angeprügelt hat? Ich habe es mal übertrieben formuliert, ja. Aber es wird ja auch übertrieben angesehen. Sehe/Denke ich so. Zwischen diesem Patschen und Schlagen bestehen große Kluften. Und Menschen die sich über dieses Patschen so empären, sollten mal die Nachrichten nach den ganzen misshandelten Kindern durchforsten, da haben sie genug zu bemängeln/kritisieren what ever….

    Ich hoffe ich bin hier nicht zu drastisch geworden ;)

  14. 14 rebenwanderin März 11, 2008 um 9:28

    Toi, toi toi war ich bisher nie in der Situation. Oder? Doch! Bei der ARBEIT! Ein achtjähriger trat mir wiederholt in einem Wutausbruch mit den Stollen seiner Kickschuhe gegen das Schienbein, als ich ihn festhalten mußte. Da trat ich ihn zurück. Aus dem Affekt, vor Schmerz, keine Ahnung. Er reagierte zumindest darauf. Leider nur/erst DArauf.
    Ich selbst bin absolute Pazifisten und fidne schon ein wegstoßen “verwerflich”. Aber auch ich bin Menschin mit Nerven, die manschmal schon sehr dünn sind. Ich weiß nicht, wie ich reagiere, wenn Jan über die Grenze hinausschießt…….und ich habe Verständnis für Eltern, die aus EINEM Affekt heraus auch über ihre Grenze mal hinausschießen und würde sie auch niemals verurteilen. Aber für okay oder gut halte ich es auch nicht. Und wie FroilleinMuh sagte, es gibt einen Unterschied zwischen Patschen/Zwicken und Schlagen/Prügeln.

  15. 15 anitz März 11, 2008 um 9:40

    Hmgh.

    Tja. Ich habe einen Holzlöffel. Mit Loch. Genau in der Mitte. Damit es besser sausst (weniger Wind-resistance).

    Jetzt habe ich mich ge-outet.

    Ich bin äußerst bemüht, nicht in Affekt auf meine Kinder loszugehen. Sie haben mich öfters in Rage gebracht und sie haben beobachtet wie ich z.B. einen Holzlöffel nach den anderen kaputtgemacht habe, indem ich dieses Löffel gegen den Boden hämmere… oder sonst wo… aber IN WUT niemals gegen die Kinder.

    Sie erleben eben wie man Wut haben kann, Frust und Ärger auch, sie erleben das man Wege finden muss, sich mit diese Gefühle auszukommen, OHNE andere in Mitleidenschaft zu ziehen.

    ABER sie kennen meinen Holzlöffel und wie sich das anfühlt, wenn es gegen ihren Hintern trifft. Sie (können) wissen, BEVOR sie etwas tun, dass als Konzequenz es Mamas Löffel geben wird. Erstaunlich, wie gefasst sie diesen Löffel nehmen. Selbstverständlich. Es kommt sehr selten vor, es kommt nie (bis jetzt habe ich mich jedenfalls beherrschen können und vertraue darauf, dass ich weiterhin so handeln kann und werde) aus meinen Ärger, Wut oder Frust heraus. Ich bin immer (wie gesagt bis jetzt war das der Fall) gefasst, wenn ich mein Löffel als Erziehungsmaßnahme gebrauche.

    Ich erlebe meine Kinder als nicht Aggressiv. Lehrer wie Vereinsleiter bestätitgen, dass meine Kinder ein hohes Empfinden für Recht haben und wissen, wie sie andere Menschen begegnen sollen, wie sie Konflikte mit anderen Kindern vermeiden oder mildern können, ohne Gewalt selber auszuüben.

    Ich schließe daraus, dass sie erkennen, der Löffel ist eine Erziehungsmaßnahme (unter andere Erziehungsmaßnahmen und eigentlich selten aber bestimmt eingesetzt) der angewandt wird, wenn sie etwas getan haben, dass sie selber nicht hätten tun müssen (setzt voraus: sie sind fähig, die Situation einzuschätzen und sind fähig, eine reife Entscheidung zu treffen– also ich würde z.B. nie den Holzlöffel beim oben erwähnte Straßensituation gebrauchen: da ist eine gänzlich andere Erziehung dran–allerdings setzt alle Erziehung darauf, dass das Kind versteht und erkennt: die Eltern sind in diesen Fragen die “Authorität”).

    Dabei ist immer die Frage in Vordergrund: ist das eine kindliche (ergo unreife, vom Entwicklung her “normal” zu erkennende) (Re)Aktion? oder ist da eine (mehr oder minder) bewusste Ungehorsam im Spiel?

    Die Antwort auf diese Frage wird mir sagen, wie ich zu reagieren habe: kindliche (Re)Aktionen bedürfen eine “erklärende” Erziehung, getragen von Bestimmtheit, geduld und ein Verständnis für das kindliche Entwicklung und Auffassungsvermögen (z.B. Straße Situation).
    Der Punkt der Ungehorsam ist heikel. Es setzt voraus, dass es eine bekannte “Norm” gibt, das den Kindern effektiv und im vorraus vermittelt wurde (sonst ist eine körperliche Züchtigung wieder einem willkürlichen Akt, das dem Kind gewiss nicht hilft in seiner Entwicklung).
    Habe ich, haben wir, uns es als eine bewusste Arbeit angenommen, das Kind, die Kinder zu erziehen, haben wir uns Gedanken gemacht und sind wir zum Ergebnis gekommen, wissen wir, was uns wichtig ist und setzen wir diese Ideale in unsere Erziehung um, dann wage ich zu sagen, dass es Punkte geben kann, wo eine körperliche Züchtigung angebracht sein kann. Bei uns passiert das immer seltener, je älter das Kind wird… da das Kind “gescheiter” wird und versteht mit zunehmenden Alter welche Konzequenzen seine Entscheidungen mit sich bringen…

    Und da könnte ich einen noch längeren Beitrag/Kommentar schreiben zum Thema Konzequenzen, denn wir sind uns bewusst: es gibt natürlichen Konzequenzen und zusätzlich “künstliche”, die wir einsetzen, um das Lernprozess zu unterstützen und lenken.

    ABER, ich vermüte, ich habe mich weit genug ge-outet…

  16. 16 Feuervogel März 11, 2008 um 9:52

    … ächz. Habe den Roman eben gelöscht und dir eine Mail geschrieben. Am Ende will keine solch langen Ergüsse lesen.

  17. 17 Diba März 11, 2008 um 10:33

    Ich kenne keine Eltern, die nicht schon mal diese Notbremse gezogen haben.

    Der wichtige Unterschied liegt wohl im Beweggrund.
    Das Schlagen aus dem Affekt ist doch kein Argument; es ist der kürzeste Weg an eine Grenze, die unsere Kinder nicht übertreten sollen. Ob es das Kuchenmesser ist oder die Straße.

    Warum schlagen wir zu? Weil Worte genau dann nicht die Macht haben, die wir ihnen gerne geben würden. Und weil die Situation geklärt ist, bevor sie eskaliert. Notwendig schnell und eindeutig.
    Unsere Kinder haben Ohrfeigen von mir bekommen. In 13 Jahren zusammen ein halbes Dutzend. Ich weiß noch jede einzelne (brennzelige oder eskalierte) Situation.
    Wenn ich meine Kinder heute darauf anspreche, gucken sie verwundert, lachen ungläubig und trauen es mir nicht zu.
    Sicher ist, dass es unseren Kindern nicht geschadet hat und sicher ist auch, dass ich es als Kind ganz furchtbar fand, mit mütterlicher Nichtbeachtung belegt zu werden. Ein Klatscher wäre mir lieber gewesen.
    Und den hätte ich wohl auch schon längst vergessen.

    PS:
    Das Wort Notbremse ist sehr passend.
    Die sollte man unter GAR KEINEN Umständen unnötig ziehen.
    Das hat immer schlimme Folgen.
    Im richtigen Augenblick gezogen, kann sie Leben retten.
    Bens z.B..

  18. 18 Bettina März 11, 2008 um 10:55

    Ich kopier mal meinen Kommentar, den ich bei Familie Schwaner gepostet habe, ganz frech auch hier rein. Allerdings kann ich auch noch nicht soo mitreden, weil Nina ja erst 14,5 Monate ist und die Trotzphasen noch ganz gut unter Kontrolle zu kriegen sind.

    Ich hab mir die Kommentare hier (bei Familie Schwaner) so ziemlich alle durchgelesen und mir fehlt ein bisschen das Loben. Ich persönlich finde, dass Erklären durchaus sehr wichtig ist und nie fehlen sollte, und ich bin auch nicht sicher, ob ich nicht auch mal einen Klaps für angebracht halten werde, auch wenn ich versuchen will, ohne auszukommen, aber ich finde es mindestens genauso wichtig, sein Kind zu loben, wenn es genau das, was es einmal oder auch mehrmal “falsch” gemacht hat, richtig macht. Z. B. wenn es doch mal wieder ein Messer in die Finger bekommt und es dann aber weglegt, finde ich, sollte man das Kind loben und das Weglegen besonders hervorheben. Ich versuche Nina oft zu loben, wenn sie was macht, wie man es eigentlich auch machen sollte, sie es aber als Kleinkind vielleicht noch nicht so wissen kann. Sie wirft z. B. gerne mal mit Essen oder auch ihrer Tasse um sich. Wenn sie das Essen oder die Tasse aber mir gibt (oft sagt sie dazu dann ein “Da”), dann lobe ich sie, dass sie das gerade ganz toll gemacht hat. Ich denke und hoffe, so lassen sich vielleicht auch manch unschöne Situationen umgehen. Man muss so oft “Nein” zu seinem Kind sagen, das möchte ich dann gerne, wo es geht, durch Lob ausgleichen. Ich persönlich halte das für wichtig.
    Was ich generell auch ab und an bei Nina mache, ist sie auf Gefahren hinzuweisen, auch wenn sie gar nicht akut sind. Wenn ich beispielsweise am Herd stehe und etwas köchelt, dann sage ich “heiß, das ist heiß” und puste mir auf die Hand oder so. So versuche ich ihr, noch bevor sie überhaupt Interesse am Herd hat, beizubringen, dass da eine Gefahr lauert. Kann natürlich sein, dass sie denkt “Mama, warum machst du dann da rum, wenn es da heiß ist?”, aber das zu erklären, kommt ja dann erst später.
    Und in Situationen, wo Nina unbedingt etwas haben will, ich es ihr aber in dem Moment nicht geben will oder kann, versuche ich sie einfach abzulenken. Da red ich auch nicht groß rum von wegen “Nein, das geht jetzt nicht, blabla”, ich versuch sie meist gleich auf eine andere Sache hinzulenken. Bisher bin ich damit ganz gut gefahren, aber das schlimme Alter kommt ja bei Nina auch erst noch.
    Man kann wohl nie sagen, was genau in einer Situation die richtige, adäquate Handlung ist, aber ich für mich versuche erst mal präventiv einzuwirken. Mal sehen, ob’s hilft. ;-) Und wenn es doch mal zu einem Klaps kommen sollte, dann würde ich es so wie Ami machen und hinterher entschuldigen und erklären. Bin mir allerdings auch nicht sicher, ob ich ins Gesicht klapsen würde, ich denke, eher auf den Hintern oder wahlweise die Fingerchen, aber am liebsten eigentlich gar nicht. :-)

  19. 19 schlapunzel März 11, 2008 um 11:26

    Gerade habe ich den Fernseher ausgemacht mit Tränen in den Augen und einem dicken Kloß im Hals nach der Sendung 37°, in der es um die Mißhandlung der 3 jährigen Karolina ging, die nach einem wochenlangen Martyrium letztendlich nach einer heftigen “Ohrfeige” ins Koma fiel, einen Tag später! dann in der Toilette eines Krankenhauses abgelegt wurde und kurz drauf dort verstarb.
    Auch mir ist schon “die Hand ausgerutscht”, wie man es leicht entschuldigend und verharmlosend gerne formuliert, um seine eigene Unfähigkeit zu überspielen. Und ein Klaps-klar, ist doch harmlos.
    Aber mal ganz ehrlich: ich fühle mich beschissen, wenn ich mich nicht anders durchsetzen kann, fühle mich dumm, unfähig, unbeherrscht und wirklich arm. Arm an anderen Methoden, meinem Kind die Grenzen aufzuzeigen.
    Gerade dieser Bericht hat mich wieder mal wachgerüttelt und mir gezeigt, dass jede, wirklich jede Gewalt gegen Kinder, ob sie nun seelischer oder körperlicher Natur ist, falsch und nur ein Armutszeugnis für die Eltern ist!
    Ich werde mit jeder Faser meines Seins daran arbeiten, mich anders duchzusetzen, mich hüten, in Wut oder Rage, mal eben einen Klaps zu verteilen. Aber ich weiß, dass ich daran arbeiten muß, dass es gerade in Situationen, in denen Kinder den Bogen einfach überspannen, ganz schnell trotzdem wieder passieren kann. Mein Kind ist mein ein und alles, es ist ein Geschenk und alles was in seiner Kindheit zwischen uns und ihm passiert, wird Auswirkungen auf sein späteres Leben haben. Auch wenn das jetzt pathetisch klingen mag, meine Stimmung nach dieser Dokumentation läßt sich im Moment nicht in Worte fassen und ich habe gerade so ein Gefühl, mein Kind ganz fest in den Arm nehmen zu müssen (was ich nicht tun kann, weil es friedlich schläft…).
    Nein, körperliche Gewalt in jeglicher Form ist in jeder Situation keine Lösung. Das werde ich ganz fest versuchen, mir für die Zukunft vorzunehmen! Und den selbst den Klaps auf die Finger versuche ich zukünftig zu vermeiden….(auch unabhängig von dem Film heute. Seit ich mir das nach dem letzten Klaps vorgenommen habe, ist es auch nicht mehr passiert)

  20. 20 Anne März 12, 2008 um 9:22

    Ich finde, zum “Patschen” an sich gab es viele gute Kommentare (meine Meinung ist, lieber nehme ich mir vor, möglichst nie zu patschen und kann es mir im Affekt, wie Ami, verzeihen, als dass ich denke, ach, Patschen muss schon mal okay sein, und im Affekt wird dann zur nächst stärkeren Konsequenz gegriffen. Wenn ich, auch nur ein bisschen, gewalttätig werde, vermittle ich damit meinem Kind, dass das eine Lösung ist. Das halte ich auch seit nunmehr vier Jahren mir nun mehr zwei Kindern ohne Probleme durch). Was ich ganz wichtig finde, ist, was Ami zum Thema verbale Verletzungen geschrieben hat. Hauen ist verboten, aber wie manche Mütter mit ihren Kindern reden, und das offensichtlich fast immer (also nicht nur der Liebesentzug nach “Delikt”), finde ich so grausam, dass es mir manchmal fast die Tränen in die Augen treibt. Da werden Kinder in der KiTa-Gaderobe angeraunzt, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Geschäften, immer mit einem dermaßen genervten und demütigenden Ton, dass die Kinderseele schon ganz stumpf sein muss von soviel Lieblosigkeit. Die ganze Körpersprache und auch die verbale Kommunikation vermitteln dem Kind: Deine Existenz geht mir auf die Nerven, alles, was du machst und sagst, ist dumm, falsch und penetrant. Ich weiß, so was kann man nicht per Gesetz verbieten, wie will man das definieren, aber es ist so schlimm, weil es keine blauen Flecken hinterlässt oder in den Medien thematisiert wird und weil es viel, viel häufiger passiert, als die schlimmen, dramatischen Einzelfälle von körperlicher Gewalt, von denen wir in der Zeitung lesen.

  21. 21 xatharina März 12, 2008 um 10:35

    Diese Sendung habe ich - teilweise - auch gesehen. Das ging schon an die Grenze des Erträglichen und auch darüber hinaus. Mein Freund konnte sich das Ende nicht mehr ansehen.
    Spontan habe ich auch an Frau Amis Post gedacht. Aber - vergleichbar ist das nicht. Hier wird über ein Klaps oder eine Ohrfeige diskutiert, und alle sind sich einig, dass es nicht das Mittel der Wahl ist, und viele sind sich einig, dass es eine Notbremse (genau!) sein kann, um Schlimmeres zu vermeiden. Dort ging es um Kindesmisshandlung über einen langen Zeitraum hinweg mit allen Perversitäten.
    Aber klar: was darf man und was nicht?
    Wenn mein Kind gerade auf eine viel befahrene Straße zu läuft, dann ist ein Zurückzerren, das leider nicht ganz so zärtlich ist, und ein Klaps aus dem Affekt meiner Meinung nach glaubwürdiger, authentischer und eindrücklicher als alles andere. Das Kind soll spüren, dass es das einfach nicht darf und dass ich Angst um es habe. Bei einem anderen Kind ist so eine Maßnahme vielleicht nicht notwendig. Unterschiedliche Kinder erfordern unterschiedliche Maßnahmen. Solange die Eltern das Beste FÜR DAS KIND im Kopf haben…

  22. 22 anitz März 12, 2008 um 12:00

    Hmpf.

    @ xatharina (und alle, die ein Klaps wegen “Gefahr im Staßenverkehr oder scharfen Küchenmesser” in Ordung finden)

    Wenn mein Kind gerade auf eine viel befahrene Straße zu läuft, dann ist ein Zurückzerren, das leider nicht ganz so zärtlich ist, und ein Klaps aus dem Affekt meiner Meinung nach glaubwürdiger, authentischer und eindrücklicher als alles andere. Das Kind soll spüren, dass es das einfach nicht darf und dass ich Angst um es habe.

    Das verstehe ich nicht und bin mir nicht sicher, ob das ein Signal ist, was ich meinen Kind vermitteln möchte:

    Ich möchte nicht, daß mein Kind denkt “Es ist in Ordnung, wenn ich Angst um jemanden habe, daß ich dann zum Gewaltanwendung greife”.

    Auch finde ich es als problematisch, einen Kind, was gerade herum rennt mit einem Küchenmesser in der Hand, aus “Affekt” einen klatschen zu wollen (für mich ist dann in dem Augenblick der Gefahr noch höher, dass sich irgendjemand verletzt zu groß).

    Was wir alle brauchen ist einfach Zeit. Kinder brauchen Zeit mit Erwachsene, die sie Erfahrungen in der Welt um sie herum sammeln lassen und sie beglieten… Mein 4 jähriger Sohn kocht Wasser und brüht Tee. Er schneidet schon seit langem mit Küchenmessern und hilft unser Essen zu kochen (wie seine Geschwister vor ihm)… und seine kleine Schwester wird automatisch hier hineinwachsen. Und wir Erwachsen brauche Zeit, um unsere Kinder diese Erfahrungen anzubieten… mit dem 4. Jährigen habe ich eben länger (im Vergleich mit seinen großen Geschwistern) gewartet, bis wir größere Spaziergänge (an belebten Straßen) unternahmen, denn er hat es wirklich schwer gehabt mit dem “hören” und “gehorsam” sein: oder anders ausgedrückt–mit der Selbstbeherrschung. So haben wir uns Zeit gelassen, um diese Gefahr überhaupt nicht entstehen zu lassen.

    Jetzt hat er die Selbstbeherrschung und läuft nicht auf der Straße. Und sollte er sich heute entscheiden, doch auf der Straße zu rennen oder gar mit einer Küchenmesser durchs Haus zu rennen, dann wüßte er, daß solches Benehmen bei uns mit einen Klaps auf den Hintern geahndet wird. Eben nicht aus dem Affekt und (meist) nicht für den Kind “aus heiterem Himmel”.

    Ich fasse zusammen: Wir sind uns (vermütlich) alle damit einverstanden, daß Kinder vor Gefahrensituationen geschützt werden müssen.
    Wir sind (vermütlich) alle damit einverstanden, daß Kinder nicht verprügelt werden dürfen.
    Wir sind (vermütlich) nicht alle einverstanden, wie und wann es angebracht ist, einen Kind körperlich Schmerzen hinzuzufügen…

    Und ich danke Ami für diese Anregung und diejenigen, die Kommentare schreiben, daß wir darüber reden können.

  23. 23 kaleema März 12, 2008 um 4:43

    @ Anitz:
    Ich möchte nicht, daß mein Kind denkt “Es ist in Ordnung, wenn ich Angst um jemanden habe, daß ich dann zum Gewaltanwendung greife”.

    Ich finde die Schlussfolgerung “Es ist in Ordnung, wenn mir jemand bewusst ungehorsam ist, ein Instrument zur Gewaltanwendung zu benutzen, um den Gehorsam wieder herzustellen” bedenklicher, wenn ich ehrlich bin. Nun ja.

  24. 24 stadtfrau März 12, 2008 um 4:44

    @anitz: verstehe ich das richtig: sollte dein kind auf die straße rennen, weiß es, dass es daheim eins mit dem kochlöffel auf den hintern kriegt?

  25. 25 karo März 12, 2008 um 5:54

    an Frau Anitz:

    nur kruz zur Überlegung:
    Es ist nicht jedem möglich mit “Spaziergängen” an stark befahrenen Straßen so lange zu warten bis das Kind sich richtig verhält.
    So z.B. wenn man an einer viel befahrenen Straße wohnt, oder in einer Großstadt zu Fuß unterwegs ist oder oder oder.

    Also wie es schon oft gesagt wurde kann man doch Gefahrensituationen nicht immer aus dem Weg gehen.

  26. 26 amidelanuit März 12, 2008 um 7:39

    ich danke sehr für die ausgeglichende diskussion- ihr habt mir einige neue denkanstösse gegeben! nichtsdestotrotz möchte ich gerne noch hinzufügen, dass klapse/ohrfeigen/….kein erziehungsmittel in unserer familie ist - die ohrfeige war eine ausnahme, die mir sehr zu schaffen gemacht hat und mich lange beschäftigt hat. nur, dass hier kein falscher eindruck aufkommt.

    ich freue mich ebenso, dass das thema auch in anderen blogs aufgegriffen wird, freue mich aber nicht immer über die art und weise. aber das sei jedem selbst vorbehalten wie er mit dem thema umgeht - euch hier und ein paar anderen bloggern, die die diskussion in ihre blogs brachte, danke ich für den guten umgangston und die fairness!!

  27. 27 rosa67 März 12, 2008 um 9:44

    Ich find es immer schwierig, wenn man einen Blogeintrag zum Anlass einer kontroversen Diskussion nimmt … Liebe Ami, in Deinem Eintrag kann ich mich wiederfinden, ich war noch nie mit Christoph in dieser Situation, aber - ich schrieb das ja auch schon bei den Schwaners - ich kann nicht ausschließen, dass mir das nicht passiert wäre. Ich versuche meist, mich weitestgehend pazifistisch zu verhalten, auch in meiner Erziehung, aber das heißt dennoch nicht, dass ich keine Grenzen setze. Sonst entsteht nämlich auch irgendwie seitens des Kindes ein hilfloser Kampf, da es ja eben Grenzen braucht. Egal, wie gesagt, ich möchte nie in die Situation kommen, dass mir ein Klapsen, ein Patschen oder eine Ohrfeige passiert.

    Nun muss ich ja etwas gestehen. Da ich noch mit reichlich Stillhormonen gesegnet bin und somit weichbusig und -hirnig bin, geht in den meisten Fällen Ironie an mir spurlos vorüber, ich nehme alles für bare Münze und habe viel von meinem Humor mit der Muttermilch verstillt.

    Darum war ich ja nun ganz froh, dass ich die Worte von Anitz sofort als Ironie enttarnen konnte. Heißa, schrie da meine innere Ironiealarmmeldestimme, der Ironiedetektor funktioniert wieder! Heißa!

    Dann beschlich mich der leise Verdacht, dieses Posting könnte ernst gemeint sein. Bevor jetzt mein Stillhormon mich weinerlich werden lässt, möcht ich dann doch gern etwas dazu loswerden. Ich finde es befremdlich, dass jemand in seinen Blogs das staatliche Schul- und Bildungssystem als diktatorisch, quasi schon faschistisch, darstellt, sich Gedanken über Gott und vor allem Gott und die Welt macht, zeitgleich aber bei seinen Kindern Schläge mit dem Kochlöffel als “nettes Erziehungsmittelchen” benutzt, nicht einmal im Affekt, denn das brächte den Kleinen ja möglicherweise die Gewalt nahe, nein, es soll überlegt eingesetzt werden. Prima. Es hallt in mir wieder, ein schöner und wahrer Spruch: “Gewalt erzeugt Gewalt erzeugt Gewalt …” Das kann doch wohl nicht angehen, dass jemand, der soviel Worte übrig hat, dass er bzw. sie in ihrem Blog so nett damit umgehen kann, in der Erziehung der eigenen Kinder zu wenig Worte findet und mit einem Holzlöffel (mit Loch, wegen des Sounds) auf selbige schlägt.

    Wenn ein Kind etwas Verbotenes tut und damit spontan eine Reaktion der Eltern auslöst, die sonst nicht an der Regel ist, sprich Ohrfeige oder Patsch, dann ist das nicht super und nicht toll, aber es ist kein Fall fürs Jugendamt. Schläge mit dem Kochlöffel sind strafbar und verletzen die Würde des Kindes aufs Tiefste.

    Ich seh schon, jetzt kommt das weinerliche Stillhormon zum Tragen, ich hör schon auf, aber es musste raus, das konnte ich da so nicht stehen lassen.

    Es tut mir leid, liebe Ami, dass ich nun Deinen Blogeintrag für so einen Kommentar “benutzt” habe.

  28. 28 anitz März 12, 2008 um 10:42

    @ Kaleema

    du schreibst:

    Ich finde die Schlussfolgerung “Es ist in Ordnung, wenn mir jemand bewusst ungehorsam ist, ein Instrument zur Gewaltanwendung zu benutzen, um den Gehorsam wieder herzustellen” bedenklicher, wenn ich ehrlich bin.

    Diese ist nicht zwingend meine Schlussfolgerung.

    Oben versuchte ich eine Verbindung zwischen “hören”, “gehorsam” und “Selbstbeherrschung” herzustellen, und das war eingebettet in einer Verständnis, das ich vielleicht nicht so gut rüber brachte (schreckliches Deutsch! Entschuldigung): nämlich, dass es meine Aufgabe ist, mein Kind in diese Prozess zu leiten und lenken–> es soll zu einem Punkt kommen, dass es sich selbst beherrscht. (Ergo: Ohne diese Entwicklung/Heranreifen des Selbstbeherrschungs gibt es keine Klaps… das Kind hat keinerlei “Selbsterfahrung” um diesen Klaps einordnen zu können. Hingegen, wenn es selber merkt, dass es sich selbst beherrschen kann — und dies dann (ge)lernt (hat) anzuwenden, dann ist frühstens die Zeit, wo man sinnvoll einen Klaps bringen kann.)

    Ich bin in der Verantwortung, dieses Kind in diese Prozess zu unterstützen, zu erkennen, wo es in dieser Entwicklung sich befindet, und Rückschlüsse zu ziehen, was seine Motivation bei irgendeiner Tätigkeit angeht. Und aus dieses Wissen/Verständnis bin ich gefragt, auf die Geschehnisse zu agieren.

    Möchte ich, dass mein Kind Selbstbeherrschung lernt, so muss ich das auch vorleben. Also, wenn es auf der Strasse rennt, ist es zunächst meine Pflicht es vor diesen Gefahr zu schützen (würden wir alle machen). Aber ich muss meine Selbstbeherrschung vorleben in dem ich nicht “aus Affekt” dann einer Patscher gebe (ich verurteile hier keinem, und stelle mich nicht über jemanden, der tatsächlich eine Patscher gibt… es kann mir auch genau so passieren, wie jeder von uns, dennoch liegt es an mir, mich zu beherrschen in dieser Situation).

    @ Stadtfrau

    du schreibst noch hinzu:

    verstehe ich das richtig: sollte dein kind auf die straße rennen, weiß es, dass es daheim eins mit dem kochlöffel auf den hintern kriegt?

    Wenn einer meiner Kinder in der Lage ist, zu verstehen das dies oder jenes Verhalten nicht richtig ist, dann weiss es auch, dass es von mir (oder seinem Vater) eine handfeste Konsequenz zu erwarten hat, sollte es sich dazu entschließen, dies oder das zu tun. Einem Kochlöffel wie in deinem Frage käme nicht vor, da wir i.d.R. eine “Züchtigung” nicht auf sich warten lassen, und da ich für gewöhnlich keine Kochlöffel mit mir führe ;) … Um ganz ehrlich zu sein, meine Kinder rennen nicht auf der Strasse (dies würde ich GLOBAL verstehen wollen, also “auf der Strasse rennen” kann auch für “bewusstes Fehlverhalten in der Öffentlichkeit” verstanden werden…). Also, in der Regel benehmen sich meine Kinder ihren Alter und Fähigkeiten entsprechend wenn wir “unterwegs” sind.

    Es sind vielmehr die Situationen zu Hause, wo der “Löffel” zum Einsatz kommt. Und vielleicht gebe ich den Eindrück, es käme oft vor… das tut es auch nicht. (Aber der Tatsache, dass es 5 Kinder sind lassen es vielleicht öfters vorkommen, als wenn ich nur ein Kind hätte– ich spreche von der Häufigkeit der Anwendung von mir aus, nicht der Häufigkeit der Anwendung vom Kind aus…)

    Im Grunde ist die Erziehung so ausgerichtet, verstanden und umgesetzt, dass man EIGENTLICH diese “Mittel” recht wenig brauchen muss. Und dennoch, gibt es Situationen, wo das Recht oder die Weisheit der Eltern vorrang haben und diese auch durchgesetzt werden müssen. Da halt ich mich ähnlich wie Rage: “nein ist nein und fertig”… kein Tanzen und groß Herumdiskutiererei. Allerdings setzt das auf das, was ich versucht habe oben zu beschreiben:

    Das ich meine Zeit investiere, das Kind zu erziehen im ganz normalen, alltäglichen Situationen, die keine diziplinarisches Handeln meinerseits erfordern! Wenn ich nicht bereit bin, diese Zeit zu investieren, dann würde ich nur am schlagen sein…

    Ich schätze, ihr macht das auch, das mit der Zeit und investieren und erziehen… wie könnte es sonst so sein, daß eure Kinder sich so verhalten, daß ihr sie nicht körperlich züchtigen müsst?

    und zuletzt
    @ karo
    du schreibst:

    Also wie es schon oft gesagt wurde kann man doch Gefahrensituationen nicht immer aus dem Weg gehen.

    Wie ich oben beschrieben habe geht es mir um Selbstbeherrschung, eine Eigenschaft oder Tugend, die wir alle bemüht sein sollen, unsere Kinder beizubringen.

    Denn du hast natürlich vollkommen recht mit deiner Aussage! Die Zukunft und alle ihre Überraschungen und Herausforderungen können wir nicht erahnen, und unsere Kinder in Watte packen sollen wir auch nicht. Darum müssen wir (ich wiederhole mich– wird echt langweilig, meine arme Kinder habe jeden Tag mit so ‘ne Mütti zu tun!!! ;) ) Zeit in unsere Kinder investieren und sie richtig handlungsfähig, stark, selbstsicher und selbstbeherrscht werden lassen, DAMIT sie auch ohne Angst ihren Alltag meistern und “mit links” mit den Gefahren der Welt zurecht kommen. Und GENAU DESWEGEN schrecke ich nicht davor, jetzt eine kleine “Schmerz” “künstlich” herbei zuführen (wenn es nötig ist), um vor größere Schmerz (nicht künstliche!) in der Zukunft zu “schützen”.

    Wie kann ich das verdeutlichen? Ein Kind (nicht eines meiner Eigenen) hatte mich beklaut (sagen wir mal, einen Blumentopf). Seine Mutter kam dahinter und verlangte, dass das Kind das Diebesgut zurückbrächte und sich bei mir entschuldigte. Was würdest du machen in dieser Situation? (Stell dir vor, du wärst in meiner Situation. Und vergiss den Löffel.)

    Ich schreibe, was Anitz so macht: sie verlangt, dass das Kind auch noch für sie eine Wochelang den Gehweg kehrt (und glaub mir, Anitz achtet auf GUTE Arbeit… :) !). Warum? Diese ist eine “billige” “künstliche schmerzliche” Erfahrung für das Kind. Es soll merken, dass es wirklich nicht klug ist, jemanden zu beklauen. Diese Lektion mag übertreiben sein in deinen Augen (ich kenne viele Erwachsene, die genauso denken wie du, wenn das der Fall ist!), aber wäre das Kind volljährig und begeht eine solche Straftat (Diebstahl)und was glaubst du, werden die Beschädigten es auf den Kopf tätschen und sagen, “Na, macht nichts, danke dass du so ehrlich warst und hast dich entschuldigt.”? Oder bekommt das Kind (äh, inzwischen Jugendlicher) nicht vielmehr ärger am Hals? Ist es nicht besser, dass dieser Jugendlicher hätte diese Lektion als Kind lernen können? Da ist die Rechnung nicht so hoch? Eine “billige, künstliche, schmerzliche” Zurechtweisung in der Kindheit kann vor wesentlich schlimmeres in späteren Jahren schützen und bewahren.

    So. Ich hoffe ihr denkt nicht, ich hätte mein Keller voll mit Holzlöffel… oder meine Kinder hätten nur blaue Hintern… oder ich züchtige unaständige Bürger und sollte lieber selbst weggeschlossen werden…

    Ich stehe dazu. *G*E*L*E*G*E*N*T*L*I*C*H* gibt es was hinten drauf bei Anitz. Und die Kinder wissen es. Es kommt nie als Überraschung.

    Inzwischen hätte ich auch bei mir darüber bloggen können, gel?

  29. 29 ChiefJudy März 13, 2008 um 12:07

    Ich habe nun selber ja noch kein Kind. Kann aber aus eigener Erfahrung (als Kind) ;) nur das selbe wie Herr Schwaner sagen. Ein Klaps hier und da hätten mich manchmal weniger verletzt als die ein oder andere Bemerkung/Drohung etc meiner Eltern. Und ich bin da leider mit einem Gedächtnis wie ein Elefant ausgestattet…

  30. 30 Ada Mitsou März 13, 2008 um 2:42

    Da ich noch keine Kinder habe, kann ich nicht aus Elternsicht sprechen, aber aus der Sicht eines Kindes.
    Ich weiß nicht mehr, unter welchem Blogeintrag zu diesem Thema es stand, aber irgendwo habe ich gelesen, dass bei solchen Klapsen allein der Schreck schon wirken kann, dass die Kinder die Gefahrensituation meiden.
    In meinem Fall war es so, dass meine Eltern mich insgesamt liebevoll erzogen haben und ich damit auch sehr glücklich bin. Es gab klare Neins und Grenzen, genauso wie warme Geborgenheit und Umarmungen. Ich kann und möchte mich nicht beklagen.
    Allerdings gab es einmal eine Situation, in der mein Vater mir einen solchen “Klaps” auf die Schulter/Arm gegeben hat. Es tat nicht weh und es war kein verprügeln. Es kam auch nicht öfter vor. Aber ich erinnere mich noch heute ganz genau daran und zwar nur daran. In welcher Situation das war, weiß ich nicht mehr, nur dass ich auch etwas gemacht habe, was ein Kind nicht machen durfte. Der Schrecken, den ich dadurch bekommen habe, bezog sich also nicht auf das Gefährliche, sondern vielmehr auf meinen Vater. Ich habe einfach nicht erwartet, dass er sowas macht, weil er ja eigentlich immer lieb war und ich das gar nicht von ihm kannte.
    Was ich sagen will: So ein Klaps, der nicht weh tut, kann vielleicht keine gravierenden Folgen für die nächsten Jahre haben, aber sowas kann sich im Gedächtnis eines Kindes festsetzen.
    Ich liebe meinen Vater und komme gut mit ihm klar. Ich weiß auch, dass er mich liebt, aber diese Klaps-Situation ist irgendwie hängengeblieben und das, was sich dadurch festgesetzt hat, ist, dass ich einen Schrecken vor meinem Vater bekommen habe und er mir dadurch Angst machte, nicht das was ich nicht tun sollte.
    Es muss natürlich nicht bei jedem Kind so sein, aber ich glaube, dass Kinder Dinge manchmal ganz anders auffassen als es manchen Erwachsenen bewusst ist oder bewusst sein kann. Gerade wenn die “restliche” Erziehung harmonisch, verständnisvoll und liebevoll abläuft, kann so ein kurzer Kontrollverlust (ich nenne es jetzt mal so) sehr tief sitzen.
    Das ist keine Anklage, sondern nur meine Erfahrung.

  31. 31 Budenzauberin März 13, 2008 um 8:16

    Vorweg: Ich habe zu dem Thema in einem anderen Blog kommentiert, ohne zu wissen, daß sich der dortige Beitrag wahrscheinlich auf diesen hier bezog. Ist aber auch egal. Mein Kinder (jetzt 20, 15 und 5 Jahre) sind ohne auch nur einen Klaps “groß” geworden. Es geht also. Aber ich bin deshalb keine “Übermutter” oder “besser” als andere, will mich aber mal nur auf die hier genannten Beispiele beziehen, um zu erklären, warum es in diesen Situationen bei uns keine Klapse gab - im Grunde lässt es sich nämlich in einem Satz zusammenfassen: weil ich darauf geachtet habe, daß solche Situationen gar nicht erst entstehen. Ein Zweijähriges kommt an scharfe Messer dran? Wer bitte legt den scharfe Messer für Zweijährige erreichbar hin? Ein Kleinkind kann auf eine vielbefahrene Straße laufen? Wer hat es denn nicht festgehalten, nicht aufgepasst? Frau Ami, das soll KEIN Vorwurf sein! Obwohl ich selber nie geklapst/ geschlagen habe, habe ich durchaus Verständnis für den Affekt-Klaps, wenn er denn eine Ausnahme war! Aber er wäre meiner Meinung nach (!) vermeidbar gewesen und darum frage ich nach: erwartet ihr nicht ein bißchen zuviel von euren (kleinen) Kindern? Natürlich sollen/ müssen sie lernen, was ein “Nein!” bedeutet. Aber erklärt ihr wirklich auch immer eure “Nein’s”? Oder sagen das nicht viele (ähm…ich meine jetzt niemanden hier persönlich) oft, viel zu oft, aus eigener Bequemlichkeit “Nein”, etwa wenn das Kind irgendwas haben möchte, Mama/ Papa jetzt aber einfach keine Lust haben, vom Sofa aufzustehen oder ihr Gespräch mit der Freundin zu unterbrechen? Oder das Kind damit für was auch immer zu bestrafen? Und wundern sich dann, wenn die Kinder resistent gegen ein “Nein” werden, weil sie es viel zu oft zu hören bekommen?! Hinterfragt mal nur einen Tag lang jedes “Nein”, das ihr euren Kindern sagt, ihr werdet staunen, wieviele davon eigentlich unbegründet waren. ;-)

    Und wie, bitte, mißt man den Schmerz, den man einem Kind mit einem “Klaps” zufügt? An der eigenen Hand? Woher wollt ihr wissen, wie sehr er dem Kind weh tut? Klapse auf den Windel-Popo werden ja oft harmlos geredet mit “Hatte ja ‘ne Windel an, hat er ja gar nicht gespürt” - jaherrgottnochmal, warum haut man denn dann, wenn das Kind es (zum Glück!) eh nicht spürt?!
    Die verbale Gewalt gegen Kinder spreche ich jetzt nicht groß an, denn ich bin mir sicher, daß es die gar nicht getrennt von körperlicher Gewalt gibt.

    Soweit erstmal.

  32. 32 amidelanuit März 13, 2008 um 8:20

    danke rosa! mir erging es ein bisschen wie dir, was den kommentar von anitz angeht. auch den letzten ausführlichen verstehe ich zum teil vielleicht wegen der sprache nicht so gut, was ja auch schwierig ist, so ein thema in einer eigentlich fremden sprache zu besprechen. darüberhinaus aber komme ich mit einigen inhalten überhaupt nicht zurecht - kochlöffel egal wann und wie eingesetzt haben nichts zu suchen in meiner erziehung, ich wüde fast sagen wollen: in einer erziehung. auch an so begriffen wie “selbstbeherrschung” und generell an der betrachtungsweise des umgangs mit kindern reibe ich mich sehr……

  33. 33 amidelanuit März 13, 2008 um 8:30

    frau budenzauberin, hallo:)!
    nun. also. mit der situationsbeschreibung haben sie so unrecht nicht. klar - wer legt denn ein messer in die nähe eines kleinen kindes? und wer achtet denn nicht darauf, dass ein kind an der strasse nichts zu suchen hat. das stimmt wohl. allein - es kommt eben vor. und jeder, der mit kindern zu tun hat kennt das, dass man in situationen gerät, die man eigentlich ganz bewusst vermeiden wollte, weil sie gefährlich sind zb. und dennoch gerät man hinein. wir leben nun mal an der strasse. direkt. manchmal so als ob wir auf der strass leben würden:) ich kralle ben jedesmal fest. schon an der haustür, er weiss das. das ist so seit er laufen kann. und ich kann definitiv keinen anderen weg nehmen. selbst auf dem weg zu meinem auto muss ich an der strasse entlanglaufen, nämlich über den hof bei uns. so viel also zur räumlichen situation. und dann reisst ben seine schwitzigen patschehändchen aus meiner hand. einfach so. ich wollte noch nachgreifen, keine chance. womit sie recht haben: wer ist denn schuld an der situation, klar ich. und ich gebe zu, da war in dem klaps auf die wange eine ordentlich portion erschrockenheit über mich und auf schuld. das war es ja gerade, was mich so geschreckt hat - der eigene anteil in dieser aktion.
    zum anderen: ja, ich erkläre meine neins. nicht immer. zum beispiel dann nicht,wenn ichs schon 800x vorher erklärt habe.
    und doch: verbale gewalt, besonders in form emotionaler erpressung, kann es sehr wohl ohne körperliche gewalt geben!!

    und nochmal: schlagen ist im hause ami kein alltägliches erziehungsmittel!! bitte differenzieren zwischen “ich will hier mal eine spannende diskussion führen” und “ach bei amis wird geschlagen!!”

  34. 34 anitz März 13, 2008 um 9:18

    @ rosa

    Da Frau Ami nicht sofort ihre Kommentare erscheinen hat, konnte ich auf dein Kommentar nicht eingehen, da es jetzt erst (in den letzten 1.5 Stunden) erschien.

    Sorry, ich finde deine Gedanken gut und bin dankbar, dass du Ami’s Blog “benutzt” hast: es hilft uns allen und vor allem mir, um zu erkennen wo ich (sprachlich) nicht so rüber komme und auch (inhaltlich) Information darstellen kann/soll, daß man mich verstehen kann.

    Und es hilft uns allen, unsere Gedanken zum Thema “Gewalt” überhaupt zu fassen um uns dann damit auseinanderzusetzen.

    Wer interesse hat, sich mit Anitz’sche Erziehung auseinanderzusetzen, und sich selber ein Bild zu machen, ob ich meine Kinder eine Unrecht tue, kann gerne vorbei schauen… der aktuelle Beitrag “vom Holzlöffel gesprochen” habe ich allerdings auch geschreiben, da hörten die Kommentare hier bei diesen von Ami auf… alles was danach kommt würde/konnte nicht berücksicht werden.

  35. 35 anitz März 13, 2008 um 9:20

    @ Ami
    du schreibst:

    auch an so begriffen wie “selbstbeherrschung” und generell an der betrachtungsweise des umgangs mit kindern reibe ich mich sehr……

    Um, wir reden vom Umgang mit den Kindern, und nicht von meine Sprache, so würde es mich interessieren, worin sich diese Äußerung grundet (ach, wieder schreckliches deutsch! Was meinst du damit? Woran reibst du dich sehr?)… würde mich interessieren.

  36. 36 Budenzauberin März 13, 2008 um 10:24

    Frau Ami, ich denke, Sie konnten meinem Beitrag entnehmen, daß ich Ihnen keineswegs unterstelle, daß Sie Ihre Kinder schlagen und klapsen, wo es nur geht. Sie haben ja in Ihrer Antwort an mich bereits geklärt, auf was ich hinaus wollte: daß man im Grunde erschrocken über sich selbst (und eben die unerwartet eingetretene Situation) ist. Und da das in gut funktionierenden Familien bzw. Erziehung eher ein Seltenheitsfall ist bzw. sein sollte, ist solch eine Affekthandlung m.E. wirklich absolut zu entschuldigen (und daß ich als absolute Klaps-Gegnerin *g*). Wenn man sich wirklich vor Augen führt, was und vor allem: warum passiert ist, ist das schon ein guter Schutz, solche Affekthandlungen nicht zur “Gewohnheit” werden zu lassen.

    Und: wenn Sie ein “Nein” 800x erklären mußten, dann haben Sie ungefähr cirka 797x mal “falsch” gemacht. ;-)

    (Ich habe da extra ein Zwinkerdingens hintergesetzt, denn ich weiß natürlich, was Sie meinen. Aber man muß sich dann tatsächlich auch mal hinterfragen, warum das Kind - ja, auch meine Kleine! - nicht hören will. Oft ertappe ich mich dann auch mal dabei, daß ich etwas nicht gut genug oder ihrem Alter entsprechend verständlich erklärt habe. Und wenn ich wirklich davon überzeugt bin, sie *muß* das jetzt verstanden haben, will aber nur nerven oder partout ihren Willen durchsetzen, dann erpresse ich durchaus auch mal. Aber nicht emotional - obwohl, ist nicht eigentlich alles emotional? - , sondern mit so Sachen wie “Wenn Du das jetzt nicht lässt, machst Du mich so sauer, daß ich Dir nachher kein Buch vorlesen mag/ Du kein Bonbon verdient hast.” Oder sowas. Sie verstehen sicher. Also daß man sowas nicht gleich als richtige Strafe festlegt, sondern dem Kind sie nur quasi “androht” und ihm Gelegenheit gibt, sie abzuwenden. Muß natürlich wie alles andere auch immer altersgemäß sein, klar. Daß man bei Gefahr nicht lange diskutiert, wurde ja schon geklärt.)

    OK, dann will ich Ihnen das mal glauben, daß verbale und tätliche Gewalt nicht zwingend zusammen auftreten müssen, denn es klingt so, als hätten Sie auf welche Weise auch immer Erfahrung damit gemacht. Ich persönlich nicht, darum dachte ich es mir nur so.

    Und seine Kinder, egal aus welchem Grund und egal wie häufig (einmal ist schon einmal zuviel!) mit einem Kochlöffel zu schlagen, verurteile ich auf’s Gröbste! PFUI!

  37. 37 amidelanuit März 13, 2008 um 11:03

    anitz
    lass mir zeit mit der antwort, ich bin grad etwas übervoll mit dem thema. ich maile dir dann, einverstanden?

    budenzauberin
    in allen 5 absätzen bin ich ganz bei ihnen:) da kann isch nix mehr zu sagen ausser: rischtisch!
    (vorallem das mit dem altersgerecht erklären muss ich mir mal hinter die ohren schreiben….vorallem: kürzer und knapper! danke für den tip)

  38. 38 anitz März 13, 2008 um 11:15

    @ Ami,
    finde ich fair und ich warte gern. Die Kinder kommen auf jedenfall vor, nicht mein Blog… und ich schätze auch nicht dein Blog.

  39. 39 Rosa März 13, 2008 um 1:57

    Liebe Anitz,

    hier wurde des öfteren geschrieben, dass die jeweiligen Mütter es nicht für sinnvoll halten, langatmige Diskussionen mit dem Nachwuchs zu führen, sei es über das dringende Bedürfnis nach einem Brötchen oder ähnliches. Verständlich, dass man sich da nicht “absabbeln” will.

    Genauso halte ich es jetzt auch: Ich sehe keinen Sinn darin, darüber zu diskutieren, ob es angebracht ist, Kinder mit Gegenständen zu schlagen. Das ist nicht angebracht, da hilft auch keine Diskussion, dafür gibt es einfach keine Argumente, die einschlagen könnten. Es ist nicht entschuldbar.

    Es ist ein “Nein, lass das!”

  40. 40 danielag März 13, 2008 um 9:07

    Hallo,
    ich bin sehr impulsiv und kann völlig ausflippen. Deshalb habe ich mir bei der Geburt meiner Tochter lediglich vorgenommen, dass ein Klaps nur die Ausnahme sein darf.

    Meine Kinder sind heute 6 und 8 und ich habe noch nie zugeschlagen. Und dass obwohl ich, als mein Sohn 9 Monate und meine Tochter 2 war, völlig mit den Nerven runter war, weil mein Mann mich wegen einer anderen verlassen hat.

    Ich bin berufstätig und manchmal nach der Arbeit sehr gereizt, aber die Hand rutscht mir nicht aus. Je länger ich darüber nachdenke, umso verblüffter bin ich.

    Ich brülle manchmal und das kann ich richtig gut. Aber wenn ich mich beruhigt habe, entschuldige ich mich und erkläre was los war. Dass die mich auf der Arbeit so geärgert haben, oder dass ich einfach einen schlechten Tag habe oder Kopfschmerzen. Ich sage auch manchmal direkt beim Heimkommen: “Hört mal, mein Tag war böse, bitte lasst mich in Frieden.” Und das klappt ganz gut, seitdem sie etwa 4 und 6 Jahre alt sind,

    Meine Kinder werden überall für ihr angenehmes Wesen und für Hilfsbereitschaft und vorbildliches Sozialverhalten gelobt. Ich weiß manchmal gar nicht, womit ich die verdient habe.

    Ich schaue auf niemanden herab, dem mal die Hand ausrutscht, denn wir sind alle Menschen und Kinder manchmal wahre Satansbraten. Im Wiederholungsfall würde ich aber zur Familienberatung gehen. Die haben da richtig gute Ideen.

    Andererseits behaupte ich, dass es auch einem jähzornigen und impulsiven Menschen sogar in Krisensituationen möglich ist, die Kontrolle über sich zu bewahren. Mir jedenfalls ist es gelungen, auch wenn ich es vor der Geburt meiner Kinder nicht gedacht hätte.

  41. 41 eumelmama März 13, 2008 um 10:26

    Es wurde ja hier schon sehr viel gesagt, und ich finde es sehr gut, daß dieses doch recht emotional aufgeladene Thema nicht in Schuldzuweisungen und empörter Entrüstung ausgeartet ist, wie es an anderer Stelle oft geschieht ;-)

    Ich wollte nur noch kurz anfügen, daß ich selber beides in der Kindheit erlebt habe: Schlagen und emotionale Erpressung. Das Schlagen kam meist von meiner Mutter in Situationen, wo sie absolut nicht mehr weiterwußte. Ich habe sie bis zur Weißglut gebracht und sie hat darauf reagiert. Das kam öfter als ein Mal vor und ich habe irgendwann angefangen, meine Mutter dafür zu verachten, sie als dumm und unzulänglich zu betrachten. Zum Glück heute nicht mehr, wir haben das wieder hingebogen.

    Mein Vater hingegen hat sich öfter mal - auch aus Hilflosigkeit - zu meiner Person geäußert, was einen ganz anderen Effekt hatte: er hat ja nichts gemacht, deswegen konnte ich ihm nie böse sein. Aber die verbalen Ausfälle hatten zur Folge, daß ich angefangen habe, mich selber als unzulänglich und dumm zu betrachten, mich selber zu verachten. Das bereitet mir heute immer noch große Probleme.

    Ich denke auch, wie Sie, liebe Frau Ami, daß verbale Gewalt heutzutage immer noch zu wenig thematisiert und zu sehr toleriert wird, obwohl die Folgen meist sehr weitreichend und schwerwiegend sind.

    Allerdings, das muß man der Gesellschaft zugute halten: es findet ein Umdenken statt. gewalt wird nicht mehr so sehr toleriert und gefördert wie noch zu Zeiten unserer Eltern. Kinder werden nicht mehr so als Halbmenschen betrachtet, sondern mit mehr Respekt als noch vor 30 oder 40 Jahren. Das läßt hoffen, auch darauf, daß irgendwann solche Mittel wie der Holzlöffel zur Seite gelegt werden und statt dessen geredet wird.

    Mann, jetzt habe ich wieder angefangen zu sabbeln. Wie auch immer: ich finde es gut, daß Sie sich bekannt haben, nicht “perfekt” zu sein und das auch noch so öffentlich. Den Mut hat nicht jeder.

  42. 42 stadtfrau März 13, 2008 um 11:04

    danke rosa, ich schließe mich dir an. ich möchte nicht weiter frau amis blog missbrauchen - jedenfalls nicht für diese diskussion, die man eigentlich gar nicht führen sollen müsste (verständlich?)

  43. 43 Suse März 14, 2008 um 10:45

    Hi,
    ich habe mir jetzt diese ganzen Kommentare nicht durchgelesen - ich bin froh, wenn ich es überhaupt schaffe, Blog-Artikel zu lesen ;-)

    Ich bin da ganz eindeutig: Klapsen - nein. Gibt es nicht. Ende. Meine Kinder wissen das - und ich finde es gut so. Dass ich meine Kinder in Gefahrensituationen schon mal irgendwo festhalten und zurückreißen musste - das passiert, so ist das Leben. Aber das ist eben so und ist keine entwürdigende Maßnahme wie Klapsen (oder wie auch immer man das nennen mag).
    Aber ich gebe Dir ABSOLUT Recht: In diesen Diskussionen kommt die psychische Gewalt und miese Erpressungen des Kindes wirklich VIEL, VIEL zu kurz. Und sowas beginnt bei “Du hast die Mama wohl nicht mehr lieb” und “Bist Du bescheuert?! Bist Du wirklich zu dumm, das zu begreifen” (beides live gehört) und endet bei vielen schlimmen Beleidigungen, erniedrigendes Schimpfen mit dem Kind vor anderen Leuten usw.

    Ich selbst habe einiges an … sagen wir mal Manipulationen als Kind erlebt und als Resultat steht mir tatsächlich praktisch immer vor Augen “Wie würde ich mich jetzt fühlen, wenn ich in der Haut meines Kindes wäre?” Drum meckere ich z.B. auch in der Öffentlichkeit kaum mit meinen Kindern - weil ich weiss, wie erniedrigend das sein kann. Meistens reichen da schon entsprechende Blicke. Und in Gefahrensituationen ein gellendes Rufen des Namens (seitdem ich Mutter bin, hat sich mein Lungenvolumen mindestens verhundertfacht).

  44. 44 Yequana April 15, 2008 um 6:02

    Ich denke, es wuerde einigen von den Antwortenden helfen, das Buch “Auf der Suche nach dem verlorenen Glueck” zu lesen oder hier reinzuschauen: http://www.continuum-concept.de/liedtext.htm
    Vor allem den Text “Die Konsequenz von Konsequenzen” ist sehr einleuchtend.

  1. 1 Familienpolitik » Man muss sich doch sehr wundern Trackback zu März 12, 2008 um 10:45
  2. 2 Patschi? « kindfrissthirn Trackback zu März 12, 2008 um 2:51
  3. 3 Ballerinas vs Erziehung « DüneSieben Trackback zu März 12, 2008 um 5:00
  4. 4 Zum Thema « Kinderkram - Der Ex-WutzBlog Trackback zu März 12, 2008 um 10:44
  5. 5 Gestern war was los!!! *lol* « Genügsames Leben — Ganz Einfach! Trackback zu März 13, 2008 um 6:33
  6. 6 vom Holzlöffeln gesprochen… « Genügsames Leben — Ganz Einfach! Trackback zu März 13, 2008 um 7:55
  7. 7 Kleines Blog » Blog Archive » Werden Kinder zu Tyrannen? Trackback zu März 13, 2008 um 3:00
  8. 8 Über Ohrfeigen und Co. « Hey, Mr. Ben! Trackback zu März 13, 2008 um 3:21

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