es gibt in der psychoanalytik den begriff der “good-enough” mutter. er ist bewusst erfunden worden, um das über-idealisierte bild der mutter zu realtivieren. geprägt durch den englischen kinderarzt und psychoanalytiker winnicott (den ich übrigens interessierten unbedingt ans herz legen möchte, ebenso wie magret mahler) habe ich hier eine schöne erklärung für den begriff gefunden.
“Der englische Kinderarzt und Psychoanalytiker D.H. Winnicott spricht [......] von der “nicht ganz”-Erfüllung aller kindlichen Bedürfnis-Äußerungen durch die nicht “ideale”, sondern durch die “good enough”-Mutter. Somit von der Notwendigkeit der unvollkommenen Mutter. Das heißt, dass eine klar erkennbare Persönlichkeit der Mutter, mit deutlichen eigenen “Ich-Grenzen” die bessere aber “imperfekte” kommunikative Partnerin des Säuglings ist als eine perfekte, sich allen kindlichen Wünschen ohne eigene Grenzangabe erfüllende Hingebende.
Die Mutter muss nämlich eine “auch für sich selbst gute Mutter” sein. Dies kann bedeuten, dass sie dabei situativ eine aus der Perspektive ihres Kindes nicht erfüllende oder frustrierende oder gar “böse” Mutter ist. Der Konflikt der konkurrierenden Bedürfnisse ist für die Entwicklung der Beziehungsfähigkeit des Kindes notwendig und unverzichtbar.
Bei der sogenannten balancierten, harmonischen Mutter-Kind-Beziehung werden die geäußerten kindlichen Bedürfnisse gut und prompt erwidert und erfüllt. Manchmal, absichtlich oder unabsichtlich aus der mütterlichen Sicht, wird und muss das Kind aber auch “frustriert” werden, d.h. in einer einzelnen Situation auch erkennen und lernen müssen, dass die Mutter und das Baby zwei unterschiedliche Objekte sind. Dies können zu dürfen und dürfen zu können ist von zentraler Bedeutung.”
mir hat der begriff sehr geholfen, rückt er doch ausdrücklich vom über-idealisierten bild der supermutti ab, mit dem man als mutter immer wieder konfrontiert ist.

Na, da bedanke ich mich mal aufs allerherzlichste für diese Quelle, die mir und meinem angekratzten Mutter-Ego ganz schön gut tut *ganzfesteumärmelz*! Das ist gerade Balsam für meine Seele, ich böse Mutter, ich. ;-)
sehr schön, danke.
ich bin auch überzeugt, dass es für ein kind gesünder ist, zu erleben, dass die mutter eben auch nur ein mensch bzw. ein mensch mit eigenen bedürfnissen ist.
wirklich schön, dass schwarz auf weiss mal zu lesen…. wie oft schimpf ich mich innerlich, dass ich doch bittesehr etwas mehr auf Idas Bedürfnisse einzugehen habe. Dazu bin ich schliesslich da… BEim nächsten Mal denk ich okay, ja, dazu bin ich da – aber für mich eben auch. Und denk an der Stelle an Dich, liebe Ami ;-)
Dankeschön!
Ich bitte um Fortsetzung. Tut Geist und Seele gut, immer mal wieder sein Wissen aufzufrischen, vor allem mit Dingen, die einen momentan selbst beschäftigen. Merci!
an alle:
immer wieder gerne für euch, ihr schwestern im geiste!
:) Ich hab mir das mal abgespeichert… Danke!
Ich bin voll solidarisch über das ebenfalls voll solidarische Lesen des Kaiserlichen Gute-Nacht-Stilldramas hier gelandet. Dein Text tat meiner “Ich-möcht-doch-alles-so-gut-wie-möglich-machen”-Mutterseele gut, ich sollte ihn wohl öfter beherzigen.
Das Problem liegt wohl darin, dass mein Sohn seinen Frust lauter und ausdauernder zum Ausdruck bringt als ich, so dass ich letztendlich seinem Frust doch eher nachgebe …
Schöner Text jedenfalls :-)
Daß den Begriff der “good enough”-Mutter gibt, finde ich sehr … entspannend. Die Bezeichnung ist schon irgendwie seltsam, aber trifft es aber ganz gut. Und wenn “gut genug” mich und die Kinder glücklich macht, dann um so besser. Perfekte Mütter sollte man (laut meiner Nachttischbibel “Warum Mama eine rosa Handtasche braucht” eh´ meiden wie der Teufel das Weihwasser …)
@Rosa: Wenn Ihr beide Frust habt sei doch mal lauter als der Wutz… Ich wette, er wird schön doof kucken und somit von seinem Frust abgelenkt sein ;)
Danke für den Link wollte ich nur sagen. Und bitte mehr davon :-D
“Du bist die böseste Mama der Welt!” gefolgt von “Du bist die liebste Mami der Welt!” So in etwa?
Hm. Okay. Gibt es vielleicht analog dazu auch die Theorie von “Never-good-enough-Sohn”? Also dem Sohn, der – egal was er tut – seiner Mutter niemals gut genug ist und an dem es immer etwas herumzukritteln gibt? Wenn ja, würde ich gerne mehr darüber lesen, damit könnte ich mich identifizieren…