die liebe frau kathy steht auf hände und möchte die händer der bloggerinnen sehen. also bitte. und weils so schön ist, ein lach und sachschwank zum thema “amis hände”.
ich habe keine besonders schöne hände. im winter immer rissig und rauh, weil ich handschuhe selbst bei tiefen minusgraden nicht trage, weil ich es nicht mag nichts fühlen zu können, wenn ich was anfasse und rauh auch, weil ich handcreme nicht mag. das ist ein ungeheures bäh-gefühl. ich habe mit eingecremten finger immer das gefühl, ich nehm sämtliche baktieren meiner umgebung noch besser auf. also: rissig und rauh. dazu relativ klein. und immer kurze fingernägel. ich kann lange fingernägel absolut nicht leiden. ich kann nicht zupacken, nicht tippen, nicht schnippeln, nicht drücken, nicht klavier spielen, nichts. also immer kurz. nur einmal, ein einziges mal in meinem leben, da hatte ich einen langnagelanfall und das kam so:
mein damaliger mann war auf konzertreise und ich war für drei wochen alleine. wenn ich alleine bin, dann komme ich grundsätzlich auf die blödsten gedanken. ich mach irgendwas, das geht in der regel schief und dann kann ich jahre später in meinem blog darüber schreiben. als ich dieses mal alleine war, hatte ich die idee, mir mal kunstnägel anzukleben. also in den d.m. und vor dem kunstnagelregal erstmal das große rästeln: french manicure? hä? sporty nails? hä? ich entschied mich für kunstnägel, die vorne gerade abgeschnitten waren und die an der spitze weiss lackiert waren. kaufte kleber und auch gleich ablöser und noch transparenten nagellack und heim gings. daheim schön alles angeklebt und ab da begann meine verzweiflung. ich kam an nichts richtig ran und eierte fingertechnisch durch den tag. aber-ich war stolz wie bolle auf die doofen nägel. am nachmittag war ich zum japanisch essen bei einem befreundeten musiker ehepaar eingeladen. sie japanerin, er wiener. als ich unten klingelte, hörte ich oben bereits erregtes “tschawoooongjaungjasomeitschowongtoimaaaa!” und in breitem wienerisch wurde geantwortet “geh reg di neeeed soo aaaauuuuf!” ah. ich steh da ja total drauf, bei einem sich streitenden ehepaar eingeladen zu sein und selber nägel zu haben, mit denen ich papier schreddern könnte. als augen zu und durch. oben angekommen kam ich ins ehehölleinferno. das bild, dass sich mir bot war eine völlig aufgelöste japanerin (was für japanerinnen schon eine ziemliche seltenheit ist), ein mit köstlichkeiten bestücktes japanischen büffett und ein reichlich derrangiert aussehenden herrn des hauses. ich konnte der dame des hauses gerade noch ein “hallo!” entgegenrufen, da wuschte sie bereits an mir vorbei und liess mit einem lauten knall die tür zu ihrem zimmer zu fallen. ich fragte, ob ich wieder gehen solle und er meinte nein, ich solle erstmal essen, sie würde sich schon beruhigen. was sie aber nicht tat. mehrmals verliess sie in der darauffolgenden halben stunde ihr zimmer und schrie auf japanisch hübsche sätze, die niemand verstand. er sagte nichts. und ich ass mit hochrotem kopf meine sushis mit rohem tintenfischärmchen und andere wilde dinge und schämte mich fremd. bis, ja bis zwei dinge geschahen: ich sah, dass ein nagel sich löste und die dame des hauses fing in ohrenbetäubender lautstärke auf ihrer geige an bartok zu üben. er seufzte und murmelte: ” warum bartok, warum nur, warum bartok!” und ich war ab diesem zeitpunkt völlig absorbiert von meinem nagel. ich hasse es, wenn an meinem körper oder meiner kleidung irgendwas hängt oder falsch liegt oder da eigentlich nicht hingehört. fäden aus kleidung hängend können mich in den wahnsinn treiben und ich weiss jetzt: kunstnägel, die sich lösen auch. ich war völlig aufgelöst. die schrillen bartoktöne aus dem hintergrund waren genau die richtige hintergrundsmusik für mein persönliches nageldrama. ich zuppelte und riss und drückte und dann war der nagel ab.
etwas, was ich noch viel mehr hasse, als dinge, die nicht an meinem körper oder meine kleindung hängen sollen oder falsch liegen sind ungleiche dinge. zum beispiel neun lange kunstnägel und 1 abgebrochener. während der herr des hauses ständig an die tür seiner gattin pochte und um beendigung des bartok übens bettelte (”geh üb doch an mozart des ist besser. des is a guat für deine nerven!”) stärkte ich mich erst mit weiteren sushis und zuppelte dann nach und nach alle anderen nägel einfach ab. als alle nägel unten waren, war das gleichgwicht wieder hergestellt, ich glücklich, die japanerin übte immer noch bartok, diesmal zur strafe noch eine lage höher und schriller und er sass heulend über seinen sushis.
ich hab mich dann auch recht schnell verabschiedet. eheleute sollte man alleine streiten lassen und ich werde nie mehr in meinem leben kunstnägel verwenden.
amis hände:

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