Archiv für Oktober 2007

der 8. zwerg

immer wird behauptet, es gäbe nur 7 zwerge und ein schneewittchen. ganz falsch. wir beherbergen den 8. zwerg. heute mittag huschte er mir vor die kamera.

geschwisterbesäufnis

jedes jahr weihnachten hatten wir geschwister das große geschwisterbesäufnis. spätestens am 2. weihnachtsfeiertag brachen wir nach dem gans essen auf und zogen in der kleinen schwäbischen stadt um die häuser, lobten unsere geschwisterlichkeit, redeten über gott und die welt und genossen unser zusammensein. in den letzten zwei jahren fiel das geschwisterbesäufnis für mich aus, weil entweder schwanger oder kleines kind oder weil ich nicht zu hause gefeiert habe. dieses jahr dachte ich, dass jeder an seinem ort feiert und musste dann heute morgen von meiner mutter erfahren, dass alle eintrudeln-ausser wir. wir haben uns bewusst entschieden nirgendswohin zu fahren, weil das einfach ein riesen stress mit zwei so kleinen kindern ist und dann noch in der kleinen wohnung meiner eltern. also fällt auch dieses jahr das geschwisterbesäufnis wieder für mich aus. was mich aber sehr sehr traurig macht ist, dass es wenigstens zu 2/3 ja doch stattfindet. und ich muss feststellen: kinder machen nicht nur im persönlichen umfeld einsam, sondern auch innerhalb der familie. es ist einfach klar -wir feiern hier, der rest der familie dort. die idee einer einladung aller zu uns wurde nicht wirklich aufgenommen sie birgt ja auch verständlicher weise viel umstand für alle anderen. zumal es in unserer familie noch nie wirklich brauch war, auf das schwächste glied rücksicht zu nehmen. bei allem verständnis tut es dennoch weh zu wissen, dass vielleicht ja sogar alle beteiligten nach den erfahrungen in hamburg froh sind ein weihnachtsfest in ruhe und ohne die kinder zu verbringen. und noch mehr tut es weh zu wissen, dass ich immer mehr von meinen brüdern wegrücke-es gibt immer weniger gemeinsamkeiten. ich bin hier so gefangen in meinem tagesablauf,  vorallem in meiner erfahrungswelt als mutter- und beide stecken in gänzlich anderen welten. wir können im moment einfach nicht die flexibilität aufbringen, die es bräuchte um manche dinge möglich zu machen.
nun, so werden wir dieses jahr hier schön zu viert feiern, unsere eigenen rituale basteln, unser eigenes weihnachtsfest gestalten und ich werde wohl oder übel dabei zusehen müssen, wie sich die dinge einfach ändern, mit dem gefühl umgehen müssen, nicht mehr richtig dazu zu gehören und mein eigenes familienleben leben.
und vielleicht erhebe ich dann einfach mein glas am 2. weihnachtsfeiertag und stosse von weitem auf meine brüder an.

aber traurig macht mich das. sehr.

schock

wir wohnen direkt an zwei ortsausfahrtstrassen. was zur folge hat, dass die autos kurz vor unserem haus bereits anfangen gas zu geben. will ich mit den kindern an den see, muss ich beide strassen überqueren. und jedesmal halte ich bens kleine hand so fest, dass sie fast blau wird und habe jetzt schon mit verkehrserziehung angefangen. (”stooooooop!! strasse! schauen und dann schnell schnell rüber”-ein mandra nahezu, sobald wir uns irgendeiner strasse nähern) es war nur eine frage der zeit, bis was passiert. und heute wars dann soweit. eine frau wurde beim überqueren einer der strassen von einem auto angefahren und schwer verletzt. mein nachbar, der gerade am hecken schneiden war, meinte es klang als wenn ein auto in voller fahrt in ein stehendes auto knallt und die kürbisfrau vom stand auf der wiese zwischen den beiden strassen stand noch unter schock-die hatte die frau nämlich fliegen sehen. ich weiss nicht, wie es ihr geht, ich habe noch nichts gehört, sie wurde mit dem rettungshubschrauber in krankenhaus geflogen. normalerweise bin ich bei sowas relativ unberührt. so was passiert. aber diesmal überkam mich wirklich das große zittern. die frau ist exakt an der stelle verunglückt, an der wir immer die strasse überqueren.

ein weiterer punkt hier wegzuziehen. denn irgendwann wird lilly auch groß und dann sind beide sehr mobil und über die strassen müssen wir - da ist alles. supermarkt, post, see, natur.

madame ami geht ins fitneßstudio II

beschwöngt betrete ich das studio. ich bin bei sowas immer etwas aufgeregt weniger, wegen der situation ansich als vielmehr, weil ich nahezu prädestiniert bin für sehr peinliche situationen in so einer umgebung-rutschende hose, klopapier am hintern klebend…so was in der art. noch funktioniert aber alles reibungslos. kurze anmeldeerklärung und ich darf mich umziehen gehen. mit einer chipkarte, die ich vor das spindschloss halte, soll sich dann die spindtür öffnen. fuktioniert natürlich nicht bei mir. leichte hitzewallungen. ich frage eine dame neben mir ob sie mir helfen könne. ich bin einem rehazentrum. in einem rehazentrum sind auch schlaganfallpatienten. schlaganfallpatienten können oft nur sehr undeutlich sprechen. zweite hitzewallung. mit vereinten non-verbalen kräften öffnen wir die spindtür und ich ziehe mich um und mache mich auf den weg ins studio. da fällt mir ein, dass ich die kamera vergessen habe. also wieder zurück und schon starre ich auf eine lange reihe gleichaussehnder spinde. wie war nochmal meine spindtürnummer? mit dem elenden kärtchen husche ich von spindtür zu spindtür, bis ich endlich an meiner ankomme. 212. dabei hatte ich noch die eselsbrücke zu der new yorker vorwahl und einem parfüm von herrera geschlagen. diesmal verlasse ich mich hochrotem kopf die umkleidekabinen.

oben angekommen begrüßt mich mein trainer “griass di! i bin der markus!” äh. ja. ami. hallo. “so moacha ma an leischtungstscheck heit, hm?” ja. ein leistungscheck. als erstes muss ich auf ein fahrrad und strampeln. nach einer weile frage ich “griass di! i bin der markus!” ob das ding schwerer zu treten geht oder ob ich schwächel. da lächelt der markus fein und sagt: ” du duascht schwächeln und es wird stärker”. ah. mein puls weilt in schwindelerregenden höhen so um die *hüstel*. genau da. dann beginnt mich “griass di! i bin der markus!” zu interviewen, warum ich denn hier sei, wie alt ich wär, wieviel ich wiegen würde, ob ich rauche oder andere drogen konsumiere (”nein markus nur rauchen, obwohl ich andere drogen manchmal dringend nötig hätte” verständnisvoller blick ) als ich fertig bin, bitte ich ihn, ein foto von mir zu machen (ja kleines f, für die leser meines herzens mache ich viel!) markus hat ja einen wirklich formschönen körper und ein sehr hübsches gesicht und ist auch sonst ein ganz netter bua. aber leider hat er statt des auslösers die off-taste der kamera gedrückt. somit kann ich mit keinem bild von mir dienen, dass mich schweissgebadet und mit hochrotem kopf auf einem fahrrad zusammenbrechend zeigt. nach dem leischtungsdesd werde ich in ein gerät eingespannt, an welchem man die stärke der verschiedenen muskelgruppen messen kann. der computer rechnet das alles um und druckt ein hübsches bild eines menschen mit verschiedenen muskelgruppen aus, die dann unterschiedliche farbschattierungen haben. rosa (gut trainiert) bis blutrot (gehen sie nach hause und warten sie auf den tod) mein gesamter oberkörper leuchtet mir blutrot entgegen als das papier kommt-ich habe den eindruck jeder reha-patient hier hat mehr rosa schattierungen als ich. “griass di! i bin der markus!” meint noch beruhigend er hätte extra bessere werte eingegeben, wegen den 2 schwangerschaften in 2 jahren. danke markus. wie sähe das denn aus, wenn meine originalwerte eingegeben worden wären? dazu schweigt der schöne markus dann dezent. danke markus. ich muss dann einen neuen termin für freitag ausmachen, an dem ich mit einem personaltrainer meinen persönlich für mich und meine blutrote muskulatur erstellten fitneßplan durchgehe. man darf gespannt sein.
weil ich nicht ganz ohne foto das studio verlassen wollte, schliesslich gehört sowas ja dokumentiert, hier ein foto VOR dem leischtungstscheck, was man unschwer an der normalen gesichtsfarbe erkennen kann:

madame ami geht ins fitneßstudio

in 3 stunden ist es soweit und ich werde unter den gestrengen blicken von markus, einem supidupisporttrainer auf dem cardiogerät schwitzen und anschliessend mitgeteilt bekommen, dass mein leben eigentlich schon verwirkt ist und ich nur mit 5 maligem trainieren pro woche noch ein bisschen lebenszeitverlängernd handeln kann.

bleibt dran, wenn es demnach in ein paar stunden heisst “madame ami macht sport oder der zusammenbruch auf dem ergotrimlinestrampler”.

grenzen

heute morgen eine kleine erziehungsanfrage.

wie ziehe ich grenzen beim kinde und sorge für deren einhaltung?

beispiel:

ich stehe auf dem balkon, der balkon ist nass und ben nur unzureichend angezogen. ben will auf den balkon. 1000000x mehrfach erkläre ich ihm geduldig, warum das nicht geht, das es nicht geht. keine chance. immer wieder testet er, erst mit einem fuss, dann mit beiden. wird von mir wieder ins wohnzimmer gestellt. testet wieder. wird wieder ins wohnzimmer gestellt. und nun die preisfrage:

wie lange soll das so gehen? wie oft sagt ihr nein? bis schluss ist? welche reaktion eurerseits bedeutet dann “schluss jetzt?” was macht ihr, wenn das kind nicht darauf reagiert?

weiteres beispiel:

ben öffnet immer die ofenklappe, stellt sich drauf und lang von dort aus nach den sachen, die oben stehen. er weiss, er darf das nicht. er weiss, ich verbiete das. er weiss, es gibt ärger. warum also macht er das immer immer immer wieder? was soll ich eurer meinung nach tun? lautes donnerwetter half bisher genauso wenig wie geduldiges superpädagogisches erklären.

ideen, anyone?

sprachlich verwörrt

ben: “mama aua!”

ich: “soll ich pusten?”

ben: “ja!”

ich: “na dann komm aufs sofa, dann pupse ich.”

ein nachmittag in la nature

Frau Feuervogel rief zu de competischen für de herrbst auf. hier also unsere herbstfotos, heute frisch geschossen. ich darf hinzufügen, dass es keinen spass macht, mit einem unausgeschlafenen und damit extremst schlecht gelaunten jungen mann spazieren zu gehen. ich habe auch ein videodokument dieser schlechten laune, aber ich trau mich nicht es zeigen. ich könnte mir vorstellen, dass ben es mir übelnehmen könnte, wenn ich zeige, wie er sich schreiend in der wohnsiedlung auf den boden schmeisst und mit den füssen in der luft strampelt. reicht ja schon, dass ich filmend über ihm stand. die heimwegkommunikation gestaltete sich dann so:

schrei

schau mal ben, ein traktor, der pflügt das feld oder so, ist doch auch egal, weil du doofbollen eh ständig nur rumschreist

schrei

da kommt dann irgendwann wieder getreide drauf. wann weiss ich nicht, ist aber auch egal, weil ich den mist hier eh nur verzapfe, damit du abgelenkt bist

schrei

da vorne kommen dorfmenschen. wenn du jetzt ruhig bist, kannst du die taschengeldkürzung von heute früh wieder rückgangig machen

schrei

das wars dann wohl mit taschengeld bis zum 18. lebensjahr

schrei

aber ich habs fotos gemacht…..

beziehungskommunikation

mein mann leidet seit wir uns kennen darunter, dass ich ihn überhaupt nicht beachte. ich kann aber nichts dafür. entweder er steht im wohnzimmer und erklärt mir gerade die welt während ich im bad bin, was immer dazu führt, dass ich entweder überhaupt nicht reagiere, auf das was er da sagte und er dann komisch wird, weil welt erklären sehr schwer ist und man das auch nicht so oft macht und dann sagt die ehefrau auch noch nicht mal was dazu oder aber ich bekomme gerade noch satzfetzen mit und frage “Waaas!?”. auch da wird er komisch. die zweite form unserer beziehungskommunikation geht so, dass mein mann mich 100 mal was fragt und ich 100 mal antworte. beim 101. x verschärft sich dann sein ton dramatisch und ich antworte ebenso dramatisch, dass ich die frage nun schon 100x beantwortet hätte und ob er eigentlich zuhöre. natürlich habe ich nicht 100x geantwortet, denn seit ich mit den kindern alleine zu hause bin, hat sich mein monologisier-verhalten wieder eingeschlichen. ich babbel den lieben langen tag und weil im moment tasüber nur “ascho” oder “audooo” oder “ajo” zurückkommt, antworte ich mir in der regel selber-im kopf. es dauerte mehrere eheliche diskussionen, bis mir klar wurde, dass ich meinem mann in der tat schon beim ersten mal antworte, allerdings im geiste. er selber hört natürlich keine antwort, sondern sieht nur ein völlig entrücktes gesicht und eine frau, die in aller seelenruhe davon läuft oder wäsche zusammen legt oder champignons putzt. was ihn wiederum zur vermutung bringt, dass ich nicht nur verplant bin, sondern in einer anderen dimension lebe. und irgendwie hat er recht.

4:07 Uhr

das ist nicht lustig, das ist noch nicht mal “*augenzwinker*” oder “*hihi*” oder “*kaffeetasserüberreich*”

das ist schlicht und einfach nur zum kotzen. denn dass ben seit 4 uhr wach ist heisst nicht, dass er wach ist. es heisst, dass er seit 4 uhr ununterbrochen schreit, vor müdigkeit beim gehen gegen  möbel knallt und vorallem heisst es, dass er seine schwester gleich mitgeweckt hat. was wiederum für mich heisst, dass ich jetzt zwei unausgeschlafene kinder seit 4:07 uhr hier habe.

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