sven

ich habe gestern ein altes tagebuch von mir gefunden. irgendwo anfang der neunziger gibt es einen eintrag, in dem ich von sven schwärme. ich war damals so 16 und schwerst verliebt. sven ging in die oberstufe, sah umwerfend aus, war ein frauenschwarm. er war ein kantiger charakter, worauf ich damals schon stand. er diskutierte jeden an die wand, seine logik war scharf und präzise, er studierte nach dem abi jura was einfach passte – alles andere hätte verwundert. ich himmelte ihn an. wann immer er in den pausen mit seiner clique draussen rumstand, streunte ich drumherum. ich hatte das glück mit seiner jüngeren schwester befreundet zu sein. er kannte mich daher, fragte mich oft, wies mir ging und erzählte ein bisschen von sich. ich schwieg und himmelte. er hatte keine freundin, aber immer wenn er mit mädchen zusammen zu sehen war, dann waren das die absoluten burner der schule – die mädchen, die jeder junge anhimmelte.

mir war sonnenklar, dass sich sven nicht für mich interessieren würde. das war so jenseits jeder realität – es entsprach einfach dem ungeschriebenen gesetz, dass ein toller gut aussehender, cleverer junge sich nicht  in mich verliebt. alleine der gedanke einen versuch in richtung annäherung zu unternehmen schien lächerlich und ich liess es bleiben. es gab eine einzige begebenheit, bei der er mich zu irgendeiner unternehmung einlud. ich sagte ab – und dachte: „junge, du irrst.“

jahre später lernte ich in den USA eine junge frau kennen. sie kam als co-workerin in die anthroposophische dorfgemeinschaft in der ich monatelang als hausmutter gearbeitet hatte. wir verstanden uns auf anhieb wunderbar und hielten auch kontakt als ich schon wieder in deutschland war. als sie zurückkehrte, fing sie an architektur zu studieren und ich besuchte sie öfters. eines tages rief sie mich an und fragte mich nach einem sven. ich erzählte ihr ein bisschen was und sie erzählte mir daraufhin folgendes:

sie kam gerade von irgendeinem architektenkongress in norddeutschland und fuhr gen süden. mit im abteil sass ein gutaussehender junger mann im anzug und mit fachliteratur auf dem schoss. sie kamen ins gespräch, er erzählte von seiner begeisterung für architektur, sie erzählte, was sie so alles schon gemacht hat und irgendwann fragte sie ihn, wo er herkäme. er nannte ihr die stadt im schwäbischen woraufhin sie ihn fragte, ob er nicht zufälligerweise eine frau ami kennen würde. er bejahte verblüfft und erzählte ihr widerrum, dass er jahre seines lebens in mich verliebt gewesen sei. es sei für ihn schwer gewesen meine distanziertheit auszuhalten. er wusste nie, warum ich so war – aber er litt darunter. und auch darunter mich dann noch ständig um sich herum zu haben, da ich ja auch mit seiner schwester befreundet war. er hätte sich nie getraut mich über den üblichen smalltalk hinaus anzusprechen, weil ich immer so desinteressiert gewirkt hätte und seine schüchternheit verhinderte dann wohl noch den rest.

dieses muster übrigens zog sich viele jahre durch sämtliche beziehungsanbahnungsphasen und männerbegegnungssituationen meines lebens – ich habe es komplett  verinnerlicht. so sehr, dass ich bis heute mit amüsierter ungläubigkeit reagiere wenn mann mich anlächelt oder anspricht.

sven sieht übrigens immer noch toll aus.

ami rettet kleine männer.

eben beim joggen laufe ich durch ein gottverlassenes und einsam gelegenes sägewerkgelände, als ich von weitem eine stimme rufen höre. ich bleibe stehen, blicke mich um und erkenne ganz oben auf dem dach des werkes einen kleinen mann und auf dem boden unten eine umgestürzte leiter. er luft laut „sie! bitte!! kommens her! endlich! ja hier hilfe!“ ganz aufgeregt ist der uralte kleine hutzelmann auf dem dach. als ich bei ihm ankomme berichtet er mir von hoch oben, dass er seit 2 stunden auf dem dach sitzt. sein handy läge im auto und „hier kommt jo niea a sau vorbei! oh entschuldings, sie ned. na, sie san mei retterin!“ ich lehne die leiter auf die dachrinne und langsam wie eine schildkröte klettert das kleine männchen runter – steifgefroren, das sägewerk liegt im wald. wir verabschieden uns und 5 minuten später überholt mich das kleine hutzelmännchen mit seinem auto, fröhlich hupend.

jugendkultur – der neueste schrei.

gestern abend wurde ich in sachen jugendkultur aufgeklärt. statt saft schlürfen und pausenbrote nagen ist der neueste schrei auf pausenhöfen mal schnell ein ründchen „frisch fi.cken“. ein trend unter – achtung! 8. klässlern. und da muss man sich schon mal fragen was da schiefläuft. aber gehörig und sowas von. auf der anderen seite bin ich mittlerweile soweit, dass ich schon froh bin, dass nur gevö.gelt wird. besser als sich gegenseitig die köppe einzuhauen oder anderen groben scheisselkram zu veranstalten……….

dennoch bleiben das die momente, in denen ich angst vor dem größer werden meiner kinder habe. vor der zeit, wo mir der einfluß abhanden kommt. wo ich nur hoffen kann, dass sie ohne größere kollateralschäden vorbeigeht. und es sind die momente, wo ich an meiner arbeit zweifle. ob sie überhaupt sinn macht mit ihren ganzen konzepten, ideen, gedanken und umsetzungen. ich fühle mich manchmal wie sisyphos – kaum habe ich den stein oben, kommen trends wie frisch fi.cken um die ecke und ich fange wieder von vorne an.

karma

wir brauchen dringend eine waschmaschine.

wir müssen haushalten.

und quelle hätte die lösung.

aber wann immer ich die seite anklicke – ich komme mir vor wie ein arschloch, ein riesen raffzahn. also gibt es keine neue waschmaschine. und quelle geht so oder so unter.

was ist das nun? kurzsichtig? doof? konsequent? politisch korrekt? wirtschaftlicher unfug?

(ich habe das schon im örtlichen insolventen möbellager nicht geschafft, die sachen für einen ramschpreis zu kaufen. ich habe immer nur die verheulten augen der verkäuferinnen gesehen.)

 

umfallen vor schreck und glück.

einmal vor schreck: „guten morgen! wir wollen uns mal die und die und die maßnahme anschauen. nur so personaleinsatz, räumlichkeiten und durchführung!“ alle in meinem ko-bereich. ich habe in den vergangenen stunden ca. 1000x „ach!“ und „oh ehrlich??“ und „aha!“ und „wie gut, dass sie mich daran erinnern!!“ gesagt. es hat wohl geholfen – alle zufrieden, 2-3 sachen müssen überarbeitet werden und ich bin fertig wie ein schnitzel vor aufregung.

einmal vor glück: ausschreibungen vom oktober gewonnen. ich habe offensichtlich keine verfahrensfehler gemacht und inhaltlich ordentliches zeug abgeliefert – ich hatte schon alpträume dass auf der benachrichtigung steht „leider kein gewinn! ihre koordination ist eine pfeife!“ somit eine weitere jugendmaßnahme im haus – diesmal im angebot: arbeitsunwilligefreudige menschen unter 25! heissa!

und jetzt einen schnaps und einmal M6 vom asia wok.

mitarbeitergespräche.

mitarbeiter verkomplizieren mein arbeitsleben ungemein. da denke ich mir hübsche und vorallem ausschreibungskonforme personalmodelle an meinem schreibtisch aus und dann, beim verkünden, stehen die personalmodelle auf, weinen und gehen erstmal eine rauchen auf den schreck.

damn it. alles auf anfang.

(und heute prüfgruppen im haus. ich weiss nicht ob ich hysterisch lachen oder schnaps trinken soll.)

klausurerkenntnisse.

was habe ich mir vorgestellt welch weise sachen ich am ende meiner klausur wohl sagen werde. dinge, wie „oh! ich habe den pfad der erleuchtung gefunden!“ oder „die innere einkehr hat mich zu einem völlig neuen blogger menschen werden lassen!“ oder „ich blogge nie mehr ungeschedulded, ich bin völlig unabhängig von der meinung meiner leser, ich habe kein anspruchsdenken, keinen leistungsdruck und keine erwartungshaltung. es ist mir egal ob ich heute, morgen oder in drei tagen blogge und bloggen sollte nie zu arbeit werden – ist doch so ein schönes hobby!“

ja. das habe ich mir so vorgestellt. is aber leider nicht. nichts von all dem. zu tief verwurzelt schlummert da irgendeine facette in meinem charakter, die mir den zugang zum vielfach erwähnten entspannten blogumgang á la „ach, da blog ich mal heut oder morgen oder erst wieder in einer woche und ich blogge auch echt nur für mich und meinen spass!“ verwehrt. nennen wir es verkrampft oder überambitioniert – das bin ich. ich empfehle daher einfach jetzt schon ein abonnement auf weitere „ich weiss nicht wies weiter geht“-posts im kommenden jahr abzuschliessen und  vorsorglich schon mal einen genervten artikel nach dem motto „meine güte! kann die sich mal entscheiden! dann bloggt man halt mal heut oder morgen oder erst wieder in einer woche und ausserdem bloggt man doch nur für sich!“  zu verfassen – spart dann im fall einfach zeit.

so. dann sach isch ma „hallo!“ – ich hab euch vermisst.

huhu

klausur.

ihr lieben, ich muss mal meine prioritäten überdenken. derzeit bin ich auf der schiene, alle dinge die ich liebe und die ich gerne mache mit der gleichen priorisierung zu verfolgen – was einfach nicht klappt. das bloggen ist vom stellenwert her gleichgezogen mit einem normalen job, allerdings ohne dass ich dafür geld bekomme. das ist typisch für mich – ein bisschen wie mit dem rauchen oder der schokolade. entweder ich rauche kette oder ich rauche gar nicht. entweder ich inhaliere die gesamte schoki oder ich hab erst keine im haus. ich finde schlecht die mitte und kann bei den dingen, die ich machen will und gerne mache immer nur von einem extrem ins andere verfallen. ganz oder gar nicht.

hinzukommt, dass mir ami als projektionsfläche ein bisschen zu groß geworden ist. ich fühle mich in letzter zeit oft mißinterpretiert. was daran liegen mag, dass ich vielleicht schlecht beschreibe oder mich schlecht erkläre aber sicher auch daran, dass viele denken ami zu kennen und richtig zu interpretieren. das ding aber ist, dass ich oft dasitze und denke „neinnein! das war doch ganz anders gemeint! das ist doch klar, dass ich das sicher nicht so meine!“ und spüre da recht deutlich den nicht – amischen anteil in meiner person der sich gegen die projektion  wehrt. die gefahr war mir beim bloggen immer schon bewusst, ich konnte gut damit umgehen – vorallem eben auch dann wenn ich nicht richtig verstanden worden bin. hab ichs halt nochmal erklärt und mit humor und diplomatie in die richtige bahn gelenkt. und genau diese beiden dinge drohen mir im moment ein bisschen abhanden zu kommen – es ist einfach verdammt anstrengend immer mit humor und diplomatie zu reagieren, obwohl man sich komplett falsch verstanden fühlt. der druck mich zu rechtfertigen und zu erklären wächst und vorallem wächst das ungute gefühl dennoch nicht verstanden zu werden. das gefühl, etwas nicht schreiben zu können weil es wahrscheinlich komplett anders aufgenommen wird als man es ursprünglich meinte, verändert die blickrichtung, denn man beginnt in gewisser weise sich selbst zu zensieren. was energie zehrt, was mich widerrum ungeduldig werden lässt, was widerrum zum verlust von humor und diplomatie führt. natürlich könnte ich zurückpfeifen und dazu stehen, angepisst zu sein. aber – das wäre nicht ich. ich möchte das gar nicht. weder im blog noch im richtigen leben. zumal das auch zu nichts führt – virtuelle diskussion in denen man versucht sich auf angepisster basis versucht zu erklären, sind ein absolut aussichtsloser k(r)ampf.

von daher muss ich in klausur und eine kleine motivationscheckelung machen :) und wenn ich da wieder raus bin, gehts weiter.

gehabt euch wohl, ihr lieben!

schwierig.

zwei dinge sind schwierig:

ein persönlich ungutes bauchgefühl, eine konkrete äusserung, viele vage äusserungen und viele fragen einer mitarbeiterin, eines vaters und keine antworten eines sohnes. ergebnis: ich muss mich, vorerst nur mal zur sicherheit und zur pädagogischen rückversicherung, damit beschäftigen. was mich ein bisschen verunsichert. im moment aber nur ein bisschen.

und eine kranke krippeleiterin und somit zwei gesunde kinder an einem regulären arbeitstag zu hause.

manchmal denke ich, es wäre besser ich würde vollzeit arbeiten – dann bekäme ich mehr geld und würde letztendlich ja doch nur auf meine jetzige stundenzahl kommen. ich weiss nicht, wie das managen soll – ich komme nicht ins schaffen. wann immer irgendwo was brennt, getan werden muss, ansteht oder zur entscheidung steht – irgendwas bremst mich wieder aus. mal sind die kinder krank, mal die angestellten der krippe, mal betriebsausflug des kindergarten. so viel unterbrechungen, dass ich mich schon gar nicht traue krank daheim zu bleiben. und meine freien tage, die weiss ich schon gar nicht mehr weil ich die ohnehin nie nehmen kann weil ja irgendwann auch mal gearbeitet werden muss.

ich hoffe ernsthaft, da ändert sich nochmal was. ich bin finde das extremst unbefriedigend ständig vertrösten zu müssen: „oh ein teilnehmer dreht grad durch? mmmh, unschön aber ich muss jetzt leider gehen.“

kinderphilosophie

ich stehe vor dem kühlschrank und hole weintrauben, da fragt kind I: „mama? warum heissen die weintrauben?“ ich antworte: „gute frage, weiss ich nicht. keine ahnung!“ und murmle vor mich hin „mmh. weintrauben. wieso eigentlich? komischer name……mmhm…“

da sagt er plötzlich: „mama! ich hab da eine idee! wenns regnet, dann fallen die tropfen von den trauben und dann sieht das aus wie wenn sie weinen. deshalb weintrauben.“

sensation. oder?

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