es ist winter. das ist schön. nicht schön ist die anzieherei von kleinen kindern im winter. ganz ehrlich? ich bewundere jede kindergärtnerin, die zu dieser jahreszeit hökschtleistung erbringen muss.
jeden morgen bin ich gut gelaunt. ich träller fröhlich ein liedchen, dusche schön heiss, entknittere, ziehe mich an, mach mich arbeitstauglich, befülle mein tässchen mit heissem kaffeetschko und streiche meinen kindern, die brav ihr müsli essen, über ihr güldenes haupthaar. ramafrieden legt sich über unsere wohnung. bis der mann sagt: “wir sollten uns jetzt mal anziehen!” da jagen plötzlich schwere dunkle wolken über das land, die wohnung wird kalt, wir frösteln und das lächeln gefriert uns auf den lippen. an.zie.hen. er hat es gesagt. das unwort im winter. an.zieh.en. 2 erwachsene und 2 kinder. besonders diese.
während ich beim herrn bienlein jacke anziehen noch fröhlich lächeln kann, erstirbt dieses lächeln spätestens bei diesen klemmschuhen von ihm. ich weiss nicht, was diese schuhe so über nacht treiben, aber ich habe den eindruck die zurren zusammen. während er am tags zuvor die schuhe nachmittags noch mit einem kräftigen schlenker mal eben so durch die gesamte wohnung fliegen lassen kann, steckt sein fuß nun am morgen einfach im schaft fest. und weil ich noch so beschwöngt vom morgendlichen frieden war und die feste absicht hatte heute nicht komplett auszurasten und vorallem schnell die kinder anzuziehen, habe ich auch diesen morgen den ewig gleichen fehler komma großen begangen und mich zuerst angezogen. das rächt sich nun. denn während ich mich bekleidet mit einer winterjacke und einem dicken schal vornüber nach unten beuge, bricht mir der schweiss aus und ich rufe das erste mal: “so ein scheiss!” meine brillengläser beschlagen, ich sehe nichts mehr, herr bienlein beginnt zu kreischen weil er mit beiden füssen wie eine ballerina in diesen schuhschäften steht und ich spüre wie mein geduldsfaden so “zzzz….ZT!” macht und reisst. ich richte mich mit beschlagenen gläsern auf, mein kopf pocht vom kochenden blut und mein blick wird wild. ich überlasse herr primaballerina bienlein meinem mann und wende mich madämsche zu. bei ihr geht alles ganz flugs, mützchen auf, schal um, schuhe an – der kritische part kommt bei der jacke.
denn madämsche ist irgendwie hypermobil. wo andere menschen gelenke haben, die irgendwann nicht mehr weiter verdreht werden können, hat sie – nichts. wies scheint. steckt man also den arm innen in die jacke und zwar gerade kann es sein, dass unten am bündchen ein völlig verknoteter wust aus handgelenk und finger rauskommt, verheddert in diesen angenähten fingerlosen handschuhteilen. oder aber man steckt ihren arm rein und die hand kommt unten nie raus, weil madame es irgendwie schafft mit dem gesamten arm am innenfutter hängen zu bleiben und sich damit zu verknoten. arme in jacke stecken ist somit immer mit fluch, schweiss und tränen verbunden.
sind aber schuhe an, und jackenärmel dort wo sie sein wollen geht das gesuche nach der passenden mütze los. wir haben für zwei kinder ca. 700 mützen. wie diese mützen alle in unser haus gelangen konnten ist mir ein rätsel, ich schwöre ich habe davon nur 2 gekauft. und aus ca. 700 mützen will auch gewählt werden. und natürlich ist es so, dass zwei kinder aus 700 mützen sich die selbe aussuchen, weil die restlichen 699 mützen einfach nicht in betracht kommen. also wird fröhlich um die eine mütze gestritten, bis mir schon wieder die gläser beschlagen und ich anfange zu brüllen.
irgendwann aber sind wir alle startklar und wir können los. unnötig zu erwähnen, dass ganz genau dann eines der kinder sagt: “ich muss nochmal!”
im winter, morgens um 7.30 uhr, ist mein tag bereits gefühlte 100 stunden alt. herzinfarkt, ick hör dir trapsen!
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